Projekt "Elternabend" Ein Bett für alle? - Vom Abenteuer, Kinder zu erziehen

Welches Kind wo schläft, wie viel Taschengeld Kinder bekommen und ob sie im Haushalt helfen sollen sind nur einige von vielen Erziehungsfragen, die sich Eltern stellen. Der zweifache Vater Elmar Emig fragte bei anderen Familien nach und stellte fest: Die Antworten sind so verschieden wie die Familien selbst.

Ein Mann, eine Frau und zwei Kinder schlafen in einem Bett
Familie Wiegleb hat sich selbst ein Riesenbett gebaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Allein schläft man gut, aber in einem gemeinsamen Bett schläft man besser. Das ist die Idee des sogenannten Familienbettes, also einem Bett, das sich Eltern und Kinder teilen. Dafür entscheiden sich immer mehr Familien. Im Jahr 2018 waren es etwa 38 Prozent und damit dreimal so viele wie noch zehn Jahre zuvor.

Sicherheitsbedürfnis von Kindern stillen

In Skandinavien schläft sogar die Hälfte der Kinder unter sieben Jahre in der Regel im Elternbett. Nach Ansicht von Familienberaterin Stefanie von Brück hat das Vorteile. In einem Familienbett könnten evolutionäre Sicherheitsmechanismen von Kindern gut erfüllt werden: "Im gemeinsamen Bett können die Kinder nachts Körperkontakt tanken und fühlen sich geborgen, bis sie bereit sind, das Bett von alleine zu verlassen."

Für die Kinder ist ein Riesenbett also eine tolle Sache. Das finden auch Tamme und Arne Wiegleb. Die beiden Jungs aus Dermsdorf in Thüringen schlafen mit ihren Eltern in einer XXL-Version. An das Doppelbett der Eltern sind zwei Kinderbetten angebaut. Das Konstrukt füllt den Raum in der ganzen Breite aus. Als der Jüngere von beiden auf die Welt kam, wollte auch sein großer Bruder wieder mit ins Elternbett: "Es ist perfekt. Jeder hat seinen Platz und wir können kuscheln, wenn wir wollen", erzählt Tamme.

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Moderator Elmar Emig und seine Familie. 30 min
Moderator Elmar Emig und seine Familie. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Pragmatische Lösung für die Eltern

Für ihre Eltern war es zuerst eine pragmatische Lösung. "Am Anfang haben wir zu viert auf 1,80 Metern geschlafen. Das ging nicht, denn gerade mit Baby braucht man ja Platz", erklärt Doreen Wiegleb. Das Riesenbett wollen sie nun aber nicht mehr missen.

Sie fühlen sich durch die Kinder auch nicht in ihrer Partnerschaft oder ihrem Sexleben beeinträchtigt, schmunzelt Doreen Wiegleb: "Für ungestörte Zweisamkeit findet man Mittel und Wege. Es muss ja nicht immer das Bett sein."

Schlafgewohnheiten hängen vom Alter ab

Neu ist die Idee nicht. Bis vor circa 150 Jahren war das Familienbett in hiesigen Kulturkreisen gang und gäbe. Je nach Alter der Kinder kann sich die Konstellation auch verändern, wie Sabine Kälber erklärt. Sie ist Schlafcoach für Kleinkinder: "Man geht davon aus, dass Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren beginnen, sich ein eigenes Bett zu suchen."

Ihrer Erfahrung nach suchen die Kinder vor diesem Zeitpunkt sowieso immer die Nähe der Eltern, vor allem, wenn sie krank sind, Angst haben oder sich unwohl fühlen.

Mehr Ruhe für alle in getrennten Betten

Doch die Mehrheit der Familien bevorzugt die Aufteilung in Kinder- und Elternschlafzimmer. So geht es auch dem Patchwork-Familienvater Sascha. In Weißensee renoviert er ein neugekauftes Haus für sich, seine Frau und die vier Kinder. In der bisherigen Wohnung teilen sich die drei älteren einen Raum. Die Familie will die etwas beengte Wohnsituation nun entzerren: "Ziel des Umbaus ist, dass jedes Kind sein eigenes Zimmer bekommt."

Ein Grund für Sascha ist, dass sowohl Kinder als auch Eltern genug Schlaf bekommen sollen: "Mit den Kindern in einem Bett weckt man sich gegenseitig. Das schlägt auf Dauer auf die Erholung und die Gemütslage von allen", sagt Sascha. Gemeinsames Kuscheln schließt die getrennte Schlafsituation seiner Meinung nach trotzdem nicht aus.

Welches Familienmitglied wo schläft, ist also nicht nur eine sehr persönliche Frage. Es hängt auch davon ab, welche Konstellation funktioniert. Hauptsache, alle schlafen gut.

(NH)

Das Thema "Familienbett" ist nur eins von vielen, denen Moderator Elmar Emig im "Projekt Elternabend" nachgeht. Weitere Folgen handeln zum Beispiel von Taschengeld und Hilfe im Haushalt. Dabei geht es nicht darum, die eine Antwort zu finden. Stattdessen sind Zuschauende, Nutzerinnen und Nutzer, Mütter, Väter, Großeltern, Tanten, Onkel und die Kinder gefragt, sich in die Diskussion einzubringen. Jeden Dienstag gibt es ab 18 Uhr ein Video auf dem Youtube-Kanal von MDR JUMP zu einem anderen Thema. Den Film zum Projekt gibt es am 14. Oktober um 22.40 Uhr im MDR FERNSEHEN und ab 11. Oktober in der MDR MEDIATHEK.

Programmtipp

An eine Tafel wird mit Kreide 'Elernabend - Heute um 20 Uhr!' geschrieben. mit Video
Bildrechte: imago images / Panthermedia
MDR FERNSEHEN Do, 14.10.2021 22:40 23:10
  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 14. Oktober 2021 | 22:40 Uhr