Die Fastenaktionen der christlichen Kirchen Wider den Pessimismus

Sorgen und Ängste sind Teil unseres Lebens. Doch sie dürfen nicht dominieren und Menschen in Hoffnungslosigkeit fallen lassen. Deshalb richtet sich das Motto der evangelischen Kirche in der Fastenzeit 2020, „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“ gegen Zukunftsangst und Misstrauen. Die Fastenaktion der katholischen Kirche, vom Entwicklungshilfswerk Misereor initiiert, richtet unter dem Motto "Gib Frieden !" den Fokus auf Syrien und den Libanon.

Kinder sitzen auf einer Straße
Der Krieg hat in Syrien tiefe Spuren hinterlassen. Bildrechte: Misereor

Fasten heißt: beschließen, sich entschließen, entscheiden. Und dazu möchten wir einladen – zu 40 Tagen, einer Zeit des Perspektivwechsels, in der die Menschen auf ihr Leben schauen und darüber nachdenken können, was sie eventuell in ihrem Alltag ändern, revidieren, verbessern möchten.

Arnd Brummer, Geschäftsführer der Fastenaktion "7 Wochen Ohne" und Herausgeber des evangelischen Magazins chrismon
Fastenaktion "7 Wochen ohne", Evangelische Kirche
Fastenaktion "7 Wochen Ohne" Bildrechte: Evangelische Verlagsanstalt GmbH

Alljährlich – immer zur Fastenzeit – lassen sich mittlerweile mehr als drei Millionen Menschen von der Fastenaktion der evangelischen Kirche  aus dem Trott bringen. Bei "7 Wochen Ohne" verzichten sie nicht nur auf Schokolade oder Nikotin, sondern folgen der Einladung zum Fasten im Kopf: Sieben Wochen lang die Routine des Alltags hinterfragen und entdecken, worauf es im Leben ankommen könnte. Denn angesichts des Klimawandels und der politischen Weltlage kann man schon mal allen Optimismus verlieren. Doch die Fastenaktion 2020 richtet sich genau dagegen: Sie will selbst in dunklen Stunden Zuversicht verbreiten – in der Fastenzeit 2020 und darüber hinaus.

Fasten: mehr als eine banale Frühjahrsdiät

Alle Weltreligionen kennen Fastenzeiten - egal ob Judentum, Islam, Buddhismus oder Hinduismus. Seit dem 4. Jahrhundert gibt es einheitlich festgelegte Fastenzeiten auch für die Christen. Eine der Fastenzeiten beginnt 40 Tage vor Ostern. Denn genau so lange soll Jesus - nach biblischer Überlieferung - in der Wüste gefastet haben. Doch zählt man nach, kommt man nicht auf 40 Tage - eigentlich sind das 46 Tage. Warum? Die Sonntage werden vom Fasten ausgenommen.

Martin Luther lehnte das Fasten als Pflicht, auferlegt von den Kirchenoberen, ab. Er meinte, jeder solle nach seinen Möglichkeiten fasten. Lange unterschieden sich darin die evangelische und die katholische Kirche.

In den 1980er-Jahren entschlossen sich einige evangelische Theologen und Journalisten, in der Passionszeit zu fasten und machten das in einer Kirchenzeitung publik. Für evangelische Christen ungewöhnlich. Denn während für Katholiken die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern offiziell eine Zeit der Buße und des Verzichts ist, war dies bei vielen Protestanten nicht der Fall. Aus der ersten spontanen Aktion entwickelte sich in drei Jahrzehnten eine Massenbewegung. Freiwillig Verzicht üben, passte mehr und mehr in das Lebensgefühl der Zeit. In Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und eingebettet in den Rhythmus des Kirchenjahres, wurde das Fasten für viele mehr als eine banale Frühjahrsdiät.

Fastenaktion "Gib Frieden!"

Freudige Kinder
Wieder Kind sein in Syrien Bildrechte: Misereor

Die zentrale Fastenaktion der katholischen Kirche wird traditionell vom Entwicklungshilfswerk Misereor initiiert, das zu Spenden für Entwicklungsländer aufruft und dazu, den eigenen Lebensstil zu überdenken. Die Aktion in diesem Jahr richtet den Fokus auf den Krieg in Syrien und die Auswirkungen auf das Nachbarland Libanon. Am 1. März 2020 findet der festliche Eröffnungsgottesdienst im Erfurter Dom statt, der vom MDR für die ARD live übertragen wird.

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tiefer Teller mit Gemüsebrühe
Wer sieben Wochen Verzicht übt, reinigt Seele und Geist, meinen Theologen. Deshalb ist das Fasten nicht nur eines der ältesten Naturheilverfahren, sondern auch elementar in vielen Weltreligionen. Beim klassischen Heilfasten wird auf feste Nahrung verzichtet. Stattdessen stehen Tee, Saft oder Gemüsebrühe auf dem Speiseplan. Dies sollte im besten Fall unter ärztlicher Aufsicht geschehen, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Dabei sieht Wilhelm Imkamp, Wallfahtsdirektor im bayrisch-schwäbischen Maria Vesperbild den Brauch in der Krise: Heute werde nicht zu wenig, sondern zu viel und aus den falschen Motiven heraus gefastet. "Figurbewusstes Diäthalten ist noch nicht Fastenzeit!" Es ginge nicht darum, etwas Schädliches zu lassen, sondern etwas Gutes wirklich zu entbehren. "Asketische Übungen" wie das Fasten gehörten nicht ins "Schaufenster der Selbstvermarktung", sondern seien "Teil des religiösen Intimlebens, das nur "den lieben Gott und den Betreffenden" angehe.
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