"Sieben Wochen Ohne ..." Mal ehrlich! – Evangelische Kirche ruft auf zum "Lügen-Fasten"

Im Alltag verwenden wir kleine Lügen und Schummeleien, Wahres und Unwahres ist manchmal kaum zu trennen. Ein Trump beruft sich auf alternative Fakten. Doch wie wäre es, ganz auf Ausreden zu verzichten: "Mal ehrlich! – Sieben Wochen ohne Lügen" lautet das Motto der evangelischen Fastenaktion, die am 6. März startet. Die Fastenaktion der katholischen Kirche, vom Entwicklungshilfswerk Misereor initiiert, richtet unter dem Motto "Mach was draus: Sei Zukunft!" den Fokus auf El Salvador.

Fastenaktion der evangelischen Kirche " 7 Wochen ohne Lüge"
Bildrechte: Evangelische Verlagsanstalt GmbH

Fasten heißt: beschließen, sich entschließen, entscheiden. Und dazu möchten wir einladen – zu 40 Tagen, einer Zeit des Perspektivwechsels, in der die Menschen auf ihr Leben schauen und darüber nachdenken können, was sie eventuell in ihrem Alltag ändern, revidieren, verbessern möchten.

Arnd Brummer, Geschäftsführer der Fastenaktion "7 Wochen ohne …" und Herausgeber des evangelischen Magazins chrismon

Alljährlich – immer zur Fastenzeit – lassen sich mittlerweile mehr als drei Millionen Menschen von der Fastenaktion der evangelischen Kirche  aus dem Trott bringen. Bei "7 Wochen Ohne" verzichten sie nicht nur auf Schokolade oder Nikotin, sondern folgen der Einladung zum Fasten im Kopf: Sieben Wochen lang die Routine des Alltags hinterfragen und entdecken, worauf es im Leben ankommen könnte. In Zeiten von Fake-News und Selbst-Inszenierung gilt es, an dem Bemühen um ein echtes Gespräch festzuhalten und auf Lügen, Heuchelei und Täuschung zu verzichten. Die Aktion will zur Wahrheit ermutigen – in der Fastenzeit 2019 und darüber hinaus.

Fasten: mehr als eine banale Frühjahrsdiät

Alle Weltreligionen kennen Fastenzeiten - egal ob Judentum, Islam, Buddhismus oder Hinduismus. Im 4. Jahrhundert wurden Fastenzeiten für die christliche Kirche eingeführt. Es sollte eine Vorbereitung sein auf die Feste der Christenheit, wie z.B. auf das Osterfest. Die Fastenzeit wurde hier auf 40 Tage vor Ostern festgelegt, denn genau so lange fastete Jesus in der Wüste. Doch zählt man nach, kommt man nicht auf 40 Tage - eigentlich sind das 46 Tage. Warum? Die Sonntage werden vom Fasten ausgenommen.

Martin Luther lehnte das Fasten als Pflicht, auferlegt von der Kirche ab. Er meinte, jeder solle nach seinen Möglichkeiten fasten. Lange unterschieden sich darin die evangelische und die katholische Kirche.

In den 1980er-Jahren entschlossen sich einige evangelische Theologen und Journalisten, in der Passionszeit zu fasten und machten das in einer Kirchenzeitung publik. Für evangelische Christen ungewöhnlich. Denn während für Katholiken die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern offiziell eine Zeit der Buße und des Verzichts ist, war dies bei vielen Protestanten nicht der Fall. Aus der ersten spontanen Aktion entwickelte sich in drei Jahrzehnten eine Massenbewegung. Freiwillig Verzicht üben, passte mehr und mehr in das Lebensgefühl der Zeit. In Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und eingebettet in den Rhythmus des Kirchenjahres, wurde das Fasten für viele mehr als eine banale Frühjahrsdiät.

40 Tage - Von Aschermittwoch bis Karsamstag

Am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern. Seit Ende des 11. Jahrhunderts gibt es die Tradition, sich an diesem Tag in Gottesdiensten ein Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen zu lassen. Die aus gesegneten Palmzweigen gewonnene Asche gilt als Symbol der Trauer und Buße für begangene Sünden, steht aber auch für die Erinnerung an das Leiden und Sterben Jesu Christi sowie für die Hoffnung auf Auferstehung.

Die zentrale Fastenaktion der katholischen Kirche wird traditionell vom Entwicklungshilfswerk Misereor initiiert, das zu Spenden für Entwicklungsländer aufruft und dazu, den eigenen Lebensstil zu überdenken. Der Fokus in diesem Jahr liegt auf El Salvador, um auf die Lebenssituation von Jugendlichen in dem lateinamerikanischen Land aufmerksam zu machen.

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2019, 12:54 Uhr

Start der Fastenzeit | 06.März 40 Tage - 40 Nächte: Auf was wir verzichten könnten

Schon einen guten Vorsatz für die Fastenzeit? Wie immer - kein Bier oder keine Süßigkeiten? Oder etwas, von dem auch andere Menschen oder die Umwelt profitieren?

tiefer Teller mit Gemüsebrühe
Wer sieben Wochen Verzicht übt, reinigt Seele und Geist, meinen Theologen. Deshalb ist das Fasten nicht nur eines der ältesten Naturheilverfahren, sondern auch elementar in vielen Weltreligionen. Beim klassischen Heilfasten wird auf feste Nahrung verzichtet. Stattdessen stehen Tee, Saft oder Gemüsebrühe auf dem Speiseplan. Dies sollte im besten Fall unter ärztlicher Aufsicht geschehen, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Dabei sieht Wilhelm Imkamp, Wallfahtsdirektor im bayrisch-schwäbischen Maria Vesperbild den Brauch in der Krise: Heute werde nicht zu wenig, sondern zu viel und aus den falschen Motiven heraus gefastet. "Figurbewusstes Diäthalten ist noch nicht Fastenzeit!" Es ginge nicht darum, etwas Schädliches zu lassen, sondern etwas Gutes wirklich zu entbehren. "Asketische Übungen" wie das Fasten gehörten nicht ins "Schaufenster der Selbstvermarktung", sondern seien "Teil des religiösen Intimlebens, das nur "den lieben Gott und den Betreffenden" angehe.
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Zigarette wird in einem Aschenbecher ausdedrückt
Je nach Alter und Geschlecht wird der gesundheitliche Nutzen des Fastens unterschiedlich bewertet. Expertin Silke Willms von der DAK-Gesundheit sagt: "Wer eine persönliche Fastenzeit einlegt, sollte dies immer aus eigener Überzeugung tun. Wenn es mein eigener Wunsch ist, steigen die Chancen zum Durchhalten." Dies gilt vor allem für den Verzicht auf Zigaretten. Es kann ein Weg zu besserer Kondition, einem frischen Atem und mehr Geld auf dem Konto sein. Aus diesem Grund sind 40 Prozent der Befragten vom Fasten dazu inspiriert, die Finger vom Glimmstängel zu lassen - für viele der Einstieg in den Ausstieg. Bildrechte: Colourbox.de
Ein Handy steckt Sand
Neben den klassischen Möglichkeiten zum Verzicht haben sich auch neue Fasten-Trends entwickelt. So lassen knapp 30 Prozent der Befragten mittlerweile lieber das Handy, den Computer oder den Fernseher aus. Für das Ausklinken aus der Dauerkommunikation gibt es Unterstützung. Das Internetportal "handysektor" zum Beispiel rief 2017 Jugendliche auf, in der Fastenzeit bewusst auf das Smartphone zu verzichten. Die Teilnehmer sollten ihr Gerät komplett ausschalten und versuchen, so lange wie möglich ohne Handy und Apps auszukommen. Wie lange man mitmachte, entschied jeder selbst. Ziel sei vor allem die kritische Reflexion des eigenen Medienverhaltens gewesen, erklärten die Betreiber. Die Webseite ist ein gemeinschaftliches Projekt der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen und des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest.

Die Katholische Fernseharbeit lädt auch 2018 wieder zum Whatsapp-Fasten ein. Wer mitmacht, erhält in den 40 Tagen vor Ostern täglich prägnante Bibelverse aufs Smartphone! Na dann wird es aber nichts mit dem Handyfasten, oder?
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tiefer Teller mit Gemüsebrühe
Wer sieben Wochen Verzicht übt, reinigt Seele und Geist, meinen Theologen. Deshalb ist das Fasten nicht nur eines der ältesten Naturheilverfahren, sondern auch elementar in vielen Weltreligionen. Beim klassischen Heilfasten wird auf feste Nahrung verzichtet. Stattdessen stehen Tee, Saft oder Gemüsebrühe auf dem Speiseplan. Dies sollte im besten Fall unter ärztlicher Aufsicht geschehen, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Dabei sieht Wilhelm Imkamp, Wallfahtsdirektor im bayrisch-schwäbischen Maria Vesperbild den Brauch in der Krise: Heute werde nicht zu wenig, sondern zu viel und aus den falschen Motiven heraus gefastet. "Figurbewusstes Diäthalten ist noch nicht Fastenzeit!" Es ginge nicht darum, etwas Schädliches zu lassen, sondern etwas Gutes wirklich zu entbehren. "Asketische Übungen" wie das Fasten gehörten nicht ins "Schaufenster der Selbstvermarktung", sondern seien "Teil des religiösen Intimlebens, das nur "den lieben Gott und den Betreffenden" angehe.
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Ein junger Mann trinkt aus der Wasserflasche.
Dennoch ist das Fasten auch für nicht-religiöse Menschen Trend geworden. Laut einer Forsa-Umfrage hat mehr als jeder zweite Deutsche schon einmal gezielt für mehrere Wochen auf bestimmte Genussmittel oder Konsumgüter verzichtet. Favorit beim Fasten ist dabei der Alkohol - 70 Prozent der Befragten könnten am ehesten davon absehen. Der Verzicht soll für einen klaren Kopf sorgen, zur Gewichtsabnahme beitragen und zum Überdenken der eigenen Trinkgewohnheiten anregen. Bildrechte: Colourbox
Obst und Gemüse
Dicht gefolgt wird das Alkoholfasten den Befragten zufolge vom Verzicht auf Süßigkeiten (64 Prozent). Wer Schokolade und Co. für mehrere Wochen widerstehen kann, hat nicht nur einige Pfunde weniger auf den Hüften in Aussicht. Es soll eine Erholung für die Zähne sein und die Geschmacksnerven schulen. Alternativen wie Trockenobst, süße Früchte oder Nüsse können die kulinarische Enthaltsamkeit erleichtern. Bildrechte: colourbox.com
Ein Frühstückstisch mit Müsli, Tee, Brötchen, einem Ei und Quark
Für viele ist ein Kaffee am Morgen ein festes Ritual. Rund um die Fastenzeit sind jedoch einige dazu bereit, auch ohne ihr Lieblingsgetränk in den Tag zu starten. Um in Schwung zu kommen, bieten sich als Alternative Grüner oder Schwarzer Tee an. Sie sind schonender für unseren Körper und wirken sich trotzdem positiv auf kleine Leistungstiefs aus. Doch es geht auch ohne Tee. Wer seinen Körper nicht mit belebenden Wirkstoffen belasten möchte, der verzichtet komplett auf koffeinhaltige Getränke. Bildrechte: colourbox.com
Radfahrer auf einer Straße
Mal das Auto stehen lassen und stattdessen mit Bus oder Fahrrad zur Arbeit oder zum Einkaufen – das ist das Ziel des kollektiven Autofastens. Umweltbewusste können auf diese Weise einen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten und gleichzeitig etwas Gutes für die eigene Fitness tun. Bildrechte: IMAGO
Ein Stoffbeutel
Das moderne Fasten beschäftigt sich zunehmend auch mit dem Thema Umwelt. Der Verbraucher Service Bayern hat mal berechnet: "Pro Kopf verbrauchen die Deutschen durchschnittlich 65 Plastiktüten im Jahr. Während der Fastenzeit fallen in einem 4-Personen-Haushalt rein rechnerisch 35 Tüten an." Als Alternative werden beispielsweise langlebige Tragetaschen empfohlen oder ein Einkauf auf dem Markt, um auf unnötige Produktverpackungen zu verzichten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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tiefer Teller mit Gemüsebrühe
Wer sieben Wochen Verzicht übt, reinigt Seele und Geist, meinen Theologen. Deshalb ist das Fasten nicht nur eines der ältesten Naturheilverfahren, sondern auch elementar in vielen Weltreligionen. Beim klassischen Heilfasten wird auf feste Nahrung verzichtet. Stattdessen stehen Tee, Saft oder Gemüsebrühe auf dem Speiseplan. Dies sollte im besten Fall unter ärztlicher Aufsicht geschehen, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Dabei sieht Wilhelm Imkamp, Wallfahtsdirektor im bayrisch-schwäbischen Maria Vesperbild den Brauch in der Krise: Heute werde nicht zu wenig, sondern zu viel und aus den falschen Motiven heraus gefastet. "Figurbewusstes Diäthalten ist noch nicht Fastenzeit!" Es ginge nicht darum, etwas Schädliches zu lassen, sondern etwas Gutes wirklich zu entbehren. "Asketische Übungen" wie das Fasten gehörten nicht ins "Schaufenster der Selbstvermarktung", sondern seien "Teil des religiösen Intimlebens, das nur "den lieben Gott und den Betreffenden" angehe.
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