Bischofskonferenz Missbrauchsfälle: Katholische Kirche bietet Schmerzensgeld an

Bischof Stephan Ackermann, 2017
Bischof Stephan Ackerman, Missbrauchsbeafutragter der katholischen Kirche in Deutschland Bildrechte: dpa

Die katholische Kirche will den Betroffenen sexuellen Missbrauchs individuell eine einmalige Geldsumme zahlen. Vorgesehen seien Leistungen in vergleichbarer Höhe wie Schmerzensgelder bei öffentlichen Gerichtsverfahren, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, am Donnerstag in Mainz. Die Zahlungen sollten der Linderung immaterieller Schäden dienen und sich finanziell am oberen Bereich der Gerichtsrechtssprechung orientieren.

Heftige Kritik von Opfer-Initiative "Eckiger Tisch

Heftige Kritik kam prompt von der Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch". Die Kirche in Deutschland sei nicht bereit, für ihre Verbrechen die Verantwortung zu übernehmen und ihren Opfern eine Entschädigung anzubieten. Die jetzt angekündigte Weiterentwicklung des Systems der Anerkennungszahlungen sei mutlos und bedeute ein Versagen der Bischöfe. Die Schmerzensgelder, die in Deutschland gerichtlich durchgesetzt werden könnten, seien "oft erbärmlich gering".

Die Initiative forderte die Katholiken in Deutschland indirekt auf, aus der Kirche auszutreten und keine Kirchensteuer mehr zu bezahlen. Auch der Staat müsse sich fragen, ob er einer solchen Institution auch weiterhin Kinder und Jugendliche anvertrauen wolle. Notwendig sei zudem ein Unternehmensstrafrecht, das verbrecherische Strukturen bestrafe und angemessene Entschädigungen aus Opfersicht ermögliche.

Verfahrensfragen noch offen

Zum Abschluss ihrer Vollversammlung in Mainz verabschiedete die Bischofskonferenz am Donnerstag erste Grundsätze zur finanziellen Wiedergutmachung. Die jeweilige Summe für die Missbrauchsopfer werde durch ein unabhängiges Gremium augrund einer Plausibilitätsprüfung festgelegt, sagte dazu der Missbrauchsbeauftragte Ackermann. Verfahrensfragen im Einzelnen müssten noch geklärt werden. Neben der materiellen Anerkennung müsse es auch Gespräche und Begleitung für Betroffene geben. Kosten für Psychotherapie würden weiterhin übernommen, ergänzte er.

Das seit 2011 praktizierte kirchliche Verfahren hatten Opferverbände für unzureichend erklärt, weil es in der Regel lediglich einen Pauschalbetrag von 5.000 Euro "in Anerkennung des erlittenen Leids" vorsah. Sie forderten bis zu 400.000 Euro pro Fall.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 05. März 2020 | 16:05 Uhr