Reformationstag | 31.10.2019 20 Jahre Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Am 31. Oktober wird in einem zentralen ökumenischen Gottesdienst in Stuttgart das 20-jährige Jubiläum der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (GER) gefeiert. Dabei wirken Vertreter der fünf Konfessionen mit, die 1999 die Gemeinsame Erklärung unterzeichnet oder sich ihr seitdem angeschlossen haben.

Der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Christian Krause (l), und der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen
Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre am 31.10.1999 in Augsburg: Landesbischof Dr. Christian Krause und Kardinal Edward Idris Cassidy Bildrechte: dpa

Martin Luthers Lehre von der Rechtfertigung des sündigen Menschen vor Gott wurde vor 500 Jahren zum theologischen Streitfall, der letztlich zur Kirchenspaltung in Europa führte. Der Reformator hatte der damals vorherrschenden theologischen Lehre widersprochen, der Mensch könne durch religiöse Leistungen wie Beten, Fasten und Ablass zahlen sein Verhältnis zu Gott in Ordnung bringen. Er berief sich dabei auf den Apostel Paulus, der im Römerbrief schrieb, der Mensch werde nicht durch eigene "Werke", sondern allein durch "Glauben" gerecht.

Das Konzil von Trient (1545 bis 1563) wandte sich gegen die reformatorischen Lehren und hielt an der traditionellen Gnadenlehre von Augustinus fest. Gute Werke und Leistungen, etwa Teilnahme an Gottesdienst, Wallfahrt, Beichte oder Abendmahl, trügen sehr wohl zum Seelenheil bei, hieß es. Die Rechtfertigungslehre bildete somit seit dem Konzil ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen evangelischer und katholischer Kirche.

Späte Annäherung

Stadtansicht von Stuttgart
In der Stiftskirche in Stuttgart soll der Jubiläums-Gottesdienst abgehalten werden. Bildrechte: dpa

Eine gemeinsame Annäherung erfolgte erst Ende des letzten Jahrhunderts. Nach rund 30-jährigem Dialog hoben Lutheraner und Katholiken 1999 in einer Gemeinsamen Erklärung ihrer früheren gegenseitigen Lehrverurteilungen auf. Danach schlossen sich der Weltrat Methodistischer Kirchen, die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen und die Anglikanische Kirche der Erklärung an.

Am Reformationstag kommen Katholiken, Lutheraner, Methodisten, Reformierte und Anglikaner in der Stuttgarter Stiftskirche zusammen und feiern den Gottesdienst mit einer Liturgie, die speziell für das Jubiläum entwickelt wurde. Die Predigt werden Landesbischof July und Bischof Feige aus Magdeburg halten.


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