Kein Platz im Leben für den Tod? Wie unsere Gesellschaft mit Tod und Trauer umgeht

Nichts im Leben ist so sicher wie der Tod. Und dennoch: Mit der Endlichkeit des eigenen Lebens, mit dem Sterben, beschäftigen sich viele nicht gerne. Wie geht unsere Gesellschaft mit dem Sterben um?

Ein Sofa, dovor ein kleiner Tisch mit Vasen in denen sich vetrocknete und verwelkte Blumen befinden. 29 min
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Echtes Leben So 01.11.2020 17:30Uhr 29:20 min

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07.12.20: LR TEASER: Kein Platz im Leben für den Tod? Wie unsere Gesellschaft mit Tod und Trauer umgeht

Anmod: Nichts im Leben ist so sicher wie der Tod. Und dennoch: Mit der Endlichkeit des eigenen Lebens, mit dem Sterben, beschäftigen sich viele nicht gerne. Wie geht unsere Gesellschaft mit dem Sterben um? Dieser Frage ist unsere Reporterin Raja Kraus nachgegangen. Und ihre Recherche begann in einer Tischlerei in Leipzig:

[Atmo Maschinen, Sägen]

"Man sagt auch Erdmöbelstück. Kennst du das? Erdmöbel? [lachen] Es gibt auch eine Band, die Erdmöbel heißt und ich hatte darüber noch nie nachgedacht. Oder Erdmöbel, fand ich einfach so ein witziges Wort. Ein--- Erdmöbel."

Quaderförmig, in hellem Birkenholz, 1,30 Meter lang. So viel ist im Sommer schon zu erkennen von dem Sarg, an dem Julie Hanisch baut. Es wird ihr Gesellenstück: Ein Kindersarg als Spende für das Leipziger Kinderhospiz Bärenherz. Schon lange hatte die 38-Jährige die Idee, wie es dazu eigentlich kam, weiß sie selbst nicht mehr so richtig:

„Ich habe weder eine besondere Affinität zu dem Thema, gibt’s ja auch [lacht], noch besondere Ängste.“

Wenn Julie Hanisch Menschen davon erzählt, dass sie einen Kindersarg baut, reagierten viele erst geschockt, dann neugierig und anerkennend. Der Soziologe Stefan Dreßke sagt:

"Wir haben die Erwartung, dass wir am Ende des Lebens, also möglichst hochaltrig, friedlich einschlafen. […] Und dieses Friedliche, dass ist sozusagen die zentrale Sterbeerwartung, die wir haben."

Früher sei der Tod durch Infektionskrankheiten viel plötzlicher gekommen und habe vor allem Kinder getroffen. Heute sei das umgekehrt. Wenn ein Kind stirbt, kann die Gesellschaft damit nur schwer umgehen. Das hat auch Maria Radusch aus Plauen erfahren. 2018 ist ihre Tochter Emma mit 12 Jahren an den Folgen eines Gendefektes gestorben:

"Also das haben wir schon deutlich gespürt, dass die Leute nicht wissen, was sie tun sollen in so einer Situation. Also klar ist: Man schreibt ne Karte, das scheint irgendwie jedem klar zu sein.“ „Mir hats auch schon geholfen, wenn jemand gesagt hat: Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Dann ist das authentisch und dann ist das ok.“

[Atmo Sarg anliefern, Transport]

Der Kindersarg, Julie Hanischs Gesellenstück, ist fertig. Sie übergibt ihn an Trauerbegleiterin und Kunsttherapeutin Adeline Kremer im Bärenherz. [Atmo O schön, Rührung]  ++Eine bedürftige Familie soll den Sarg geschenkt bekommen. Adeline Kremer weiß: Jede Familie braucht in der Trauer etwas anderes. Für sich selbst hat sie durch ihre Arbeit im Kinderhospiz rausgefunden:

„Der Umgang mit dem Sterben kann dadurch das Leben so bereichern, weil einfach die  Dinge bewusster werden. Also dieses Verdrängen von der eigenen Sterblichkeit nimmt einem finde ich oder kann einem auch ganz schön viel Leben nehmen."

Abmod: Das sagt Trauerbegleiterin Adeline Kremer. Und die ganze, ausführliche Reportage zum Thema Tod und Trauer in unserer Gesellschaft – die hören Sie heute Abend um 19.05 Uhr hier bei uns im Programm.

Dieses Thema im Programm: 19. November 2020 | 22:40 Uhr