Nah dran | 25.02.2021 | MDR FERNSEHEN | 22:40 Uhr Gleichberechtigt? Nicht in der Kirche

Neben religiösen Institutionen wie den christlichen Kirchen ist der Glaube eine persönliche und individuelle Angelegenheit. Eine katholische und eine evangelische Christin, eine Muslima und eine Jüdin erzählen von ihrem Glauben, ihren Erfahrungen in religiösen Institutionen und ihren Wünschen.

Rebekka ist Krankenhausseelsorgerin in Halle. Der katholischer Glaube "gibt mir Kraft und Halt im Leben, in meinem Alltag. Ich bin damit aufgewachsen und von Kind an sozialisiert. Der Glaube ist einen wesentlicher Bestandteil meines Lebens", sagt Rebekka.

Auch die Muslima Soniya aus Magdeburg ist fest verankert in ihrem Glauben: "Ich bin sehr stolz eine Muslimin zu sein. Leider entscheidet oft die Tradition nicht der Koran. Für mich da ist kein Zweifel in meinem Glauben."

Unterschiede zwischen Glaube und Institution

Carol lebt in Erfurt und Texas. Als Frau sei für sie das Bereichernde an ihrem jüdischen Glauben, dass "es den Frauen überlassen bleibt, die Traditionen durchzuführen, das Essen, die Feiertage und den Kindern das beizubringen." Obwohl Frauen im Judentum eine wichtige Rolle einnehmen,  machen manche jüdischen Gemeinden Unterschiede zwischen Männern und Frauen: "Es gibt Gemeinden, wo Frauen die Thora tragen und anfassen dürfen, daraus lesen dürfen. In unserer Gemeinde ist das nicht so."

Eine Frau
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Als Frau eine andere Rolle zu haben als Männer, erlebt auch Rebekka in der katholischen Kirche. Sie fühle sich zwar als Teil der Kirche, aber mit geringeren Rechten und manchmal auch geringerer Würde als die Männer. Denn Frauen im Allgemeinen seien aufgrund ihres Geschlechts das Diakonat, Weihe- und Priesterämter vorenthalten. "Ich denke, es kann nicht gottgewollt sein, dass so viele Menschen ihre Berufung nicht leben können", betont Rebekka.

Die Pfarrerin Stephanie zieht eine klare Linie zwischen dem persönlichen Glaube und der Institution Kirche, was die Gleichberechtigung angeht: "Für mich ganz persönlich ist es wichtig, dass nicht der Glaube oder die Religion die Ungleichheit hervorrufen oder Ausgrenzung, sondern dass es die Institution Kirche ist."

Für die Zukunft: Mehr Frauen in Ämtern

Text auf Frau
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Dagegen betont Soniya:

"Ich habe mich immer von Kindheit bis jetzt gleichberechtigt gefühlt. Leider sind es manchmal Kultur oder Traditionen von Ländern, die die Frauen nicht alles machen lassen." Deswegen wünscht sie sich, "das meine Kinder vom Koran ihren Islam lernen. Nicht von Traditionen oder der Familie."

Carol, Rebekka und Stephanie wünschen sich vor allem, dass Frauen in Kirchen und Gemeinden gleichberechtigt eingebunden werden. "Ich würde mir wünschen, dass in meiner (jüdischen) Gemeinde vielleicht irgendwann Frauen gleichberechtigt werden", sagt Carol. Stephanie erklärt: "Ein Pfarrer hat mich getauft, ein Pfarrer hat mich konfirmiert. Das wird in Zukunft ganz sicher anders sein."

Auch für Rebekka ist klar: "Auf die Frage ‚Fühlen Sie sich in Ihrer Kirche gleichberechtigt?‘ würde ich ganz knapp mit ‚Nein‘ antworten. Ich denke, da ist noch ganz viel Luft nach oben."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 25. Februar 2021 | 22:40 Uhr