Tag der deutschen Sprache am 12. September Sprachpflege aus Mitteldeutschland

Interview mit Prof. Dr. Uta Seewald-Heeg

Die "Neue Fruchtbringende Gesellschaft" in Köthen/Anhalt wurde erst 2007 gegründet und steht in der Tradition des ersten deutschen Sprachevereins aus dem 17. Jahrhundert. Am 12. September, zum Tag der deutschen Sprache, findet in im Schloss Köthen eine Festveranstaltung statt. Die Vorsitzende Prof. Uta Seewald-Heeg hat mit uns über den Sprachpflegeverein aus Mitteldeutschland gesprochen.

Neue Fruchtbringende Gesellschaft
Bildrechte: Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen/Anhalt e. V.

Was haben sich die Sprachpfleger der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zur Aufgabe gemacht?

Uta Seewald-Heeg: "Die 'Neue Fruchtbringende Gesellschaft' verfolgt das Ziel, in der Öffentlichkeit Interesse an der deutschen Sprache zu wecken, Jung und Alt anzusprechen, um ein Bewusstsein für die Schönheit und den Ausdrucksreichtum der deutschen Sprache zu schaffen. Vor allem jungen Menschen wollen wir Freude an der Beschäftigung mit der deutschen Sprache und am Umgang mit dem Deutschen vermitteln.

Dies versuchen wir mit zahlreichen Veranstaltungen, wie dem Kleinen Volksfest der deutschen Sprache im Rahmen unseres Sprachtags im Sommer eines jeden Jahres, mit Sprechwerkstätten für Kinder und Jugendliche sowie mit unserem Schreibwettbewerb 'Schöne Deutsche Sprache', zu dem wir Schüler der dritten bis 13. Klasse anspornen wollen zu schreiben.

Neben der Förderung der Schreibkompetenz von Kindern und Jugendlichen engagieren wir uns auch in der Leseförderung. Insbesondere am Bundesweiten Vorlesetag lesen Mitglieder unserer Gesellschaft in Kindertagesstätten und Schulen, um den Kindern die Freude am eigenen Lesen zu vermitteln."

Wie knüpfen Sie an die Tradition der "Fruchtbringenden Gesellschaft" aus dem 17. Jahrhundert an?

Uta Seewald-Heeg: "Unsere Sprache ist der Schlüssel zu unserer Kultur, sie ist das Instrument, mit dem wir nicht nur Dinge benennen, sondern auch Neues ersinnen. Aus diesem Grund ist es uns auch wichtig, die deutsche Sprache als Amts-, Kultur-, Landes- und Wissenschaftssprache zu erhalten, zu pflegen, zu schützen und weiterzuentwickeln. Dieses Vorhaben verbindet uns unmittelbar mit der Fruchtbringenden Gesellschaft des 17. Jahrhunderts, deren erster Sitz unter Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen als Oberhaupt im übrigen Köthen war.

Die Mitglieder der Fruchtbringenden Gesellschaft des 17. Jahrhunderts hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die deutsche Sprache als eine dem Hebräischen, Griechischen und Lateinischen ebenbürtige Literatursprache zu entwickeln. In einer Zeit, in der bei Hofe Französisch, in den Wissenschaften Latein und als sogenannte Volkssprache die regionale Mundart der jeweiligen Sprecher gebräuchlich waren, bereicherten zahlreiche Sprachgelehrte der Fruchtbringenden Gesellschaft den Wortschatz der deutschen Sprache um Bildungen, die bis heute zum Kernbestand unseres Wortschatzes zählen. Die Mitglieder der Fruchtbringenden Gesellschaft haben mit ihrer Spracharbeit die Entwicklung der deutschen Sprache wesentlich geprägt."

Was unterscheidet ihre Arbeit in Mitteldeutschland von den anderen Sprachpflegern in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Uta Seewald-Heeg: "Die 'Neue Fruchtbringende Gesellschaft' zählt neben Mitgliedern aus Mitteldeutschland auch eine große Zahl von Sprachbegeisterten aus dem gesamten Bundesgebiet, ferne auch aus Österreich und der Schweiz. Als Sprachpflegevereinigung mit Sitz in Köthen kann die Neue Fruchtbringende Gesellschaft räumlich ganz unmittelbar an die älteste Sprachpflegegesellschaft anknüpfen. Mitteldeutschland, das ja auch das Ursprungsland der Reformation ist, in dem 100 Jahre vor der Fruchtbringenden Gesellschaft Martin Luther seine für die deutsche Sprache wegweisende Übersetzung des Neuen Testaments schuf, ist ein für die Geschichte der deutschen Sprache reicher Raum. Als Sprachgesellschaft mit Sitz in Mitteldeutschland schöpfen wir bei unseren Aktivitäten ganz unmittelbar aus der Sprachgeschichte und beziehen uns auf die Sprachschaffenden, die hier gewirkt haben."

Unsere Sprache ist der Schlüssel zu unserer Kultur, sie ist das Instrument, mit dem wir nicht nur Dinge benennen, sondern auch Neues ersinnen.

Prof. Dr. Uta Seewald-Heeg

Uta Seewald-Heeg: "Ein besonderes Kennzeichen der Sprachpflege der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft ist unser Bestreben, junge Menschen mit ausgewählten Aktionen für die deutsche Sprache zu interessieren und mit außerschulischen Angeboten die sprachliche Bildung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Aus diesem Grund haben wir auch vor einigen Monaten im Köthener Schloss in den Räumen, die Fürst Ludwig, das erste Oberhaupt der Fruchtbringenden Gesellschaft des 17. Jahrhunderts, vor 400 Jahren bewohnte, eine 'Erlebniswelt Deutsche Sprache' geschaffen. In dieser Ausstellung können Menschen jeden Alters auf Entdeckungsreise gehen und Aspekte der deutschen Sprache mit verschiedenen Sinnen erleben.

Die Neue Fruchtbringende Gesellschaft hat ferner das Projekt einer 'Straße der deutschen Sprache' ins Leben gerufen. Die Straße der deutschen Sprache, die zunächst entlang zahlreicher Städte Mitteldeutschlands führen wird, an denen sprachgeschichtlich wichtige Persönlichkeiten die deutsche Sprache bereichert haben oder an denen die deutsche Sprache durch Einrichtungen und Veranstaltungen erlebbar wird, verbindet Sprachpflege und Fremdenverkehr miteinander."