Nach dran | MDR FERNSEHEN | 25.02.2021 | 22:40 Uhr Die Norm ist der Mensch, nicht der Mann

Drei Frauen aus drei Generationen sprechen miteinander übers Gendern, über Verhütung und die Dominanz von Männern. Jede hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht, und doch haben sich bestimmte Dinge noch nicht verändert. Den einen Grund, weiter für Gleichberechtigung zu kämpfen, finden alle drei.

Zwei Frauen sitzen auf einem Sofa 7 min
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Félice Eisner, Helena-Ilona Eisner und Barbara Knorn: Das sind drei Frauen aus einer Familie, aber unterschiedlichen Generationen. Félice (20) ist Ilona-Helenas (54) Tochter und die Enkelin von Barbara Knorn (73).

Félice und ihre Mutter Ilona-Helena bezeichnen sich selbst als Feministinnen. Genderneutrale Sprache ist beiden wichtig. Oma Barbara dagegen sagt, sie fühle sich nicht diskriminiert, wenn sie in der männlichen Form angesprochen werde, zum Beispiel als Rentner, Patient oder Kontoinhaber.

Männliche Dominanz in der Partnerschaft

Nach ihrer Scheidung erzog Oma Barbara ihre vier Kinder allein. Auch Félices Mutter war alleinerziehend mit ihr und den drei Geschwistern. Oma Barbara erzählt, dass sie nicht immer frei entscheiden konnte: "Als ich noch verheiratet war, als meine Kinder alle noch klein waren, hatten wir ein Auto und da hätte ich liebend gern die Fahrerlaubnis gemacht, aber mein lieber Mann hat gesagt, nein, das brauchst du nicht, kümmere dich um die Kinder."

Enkelin Félice sagt, sie nehme nach wie vor Unterschiede zwischen Männern und Frauen wahr, die etwa in der Partnerschaft verankert seien. "Zum Beispiel, dass der Mann dafür da ist, die Frau zu beschützen. Wo ich aber gerade ein bisschen eine Wandlung sehe und man sich fragt, ob das wirklich so ist."

Pille oder Natürliche Familienplanung?

Trotzdem weiß Félice, dass sie heute mehr Freiheiten hat, als ihre Mutter oder ihre Oma. Vielleicht ist es für sie sogar leichter, eine Frau zu sein. Zum Beispiel bei der Geburtenregelung, stellt ihre Mutter Ilona-Helena fest: "Ich muss sagen, ich kann mich nicht erinnern, dass mich ein Mann von sich aus gefragt hat, ob oder wie ich verhüte." Oma Barbara ging es ähnlich: "Verhütung gab es damals schon,  aber dafür mussten die Männer das ja wollen und die wollten das nicht. Und als dann dein Bruder geboren war, gab es ja die Pille. Die habe ich dann genommen."

Dagegen nimmt Félice Veränderungen war beim Thema Sexualität und Verhütung: "Ich merke, dass die Natürliche Familienplanung (NFP-Methode) immer hipper wird. Also dass man sich mit seinem Körper auseinandersetzt, nicht einfach die Pille nimmt und dass das Thema partnerschaftlicher wird."

Gründe, um auf die Straße zu gehen

Die Frauen sind sich einig, dass vollständige Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht ist. Es muss klar werden, dass die Norm nicht der Mann, sondern der Mensch ist. Jede der drei findet Gründe, für die sie auf die Straße gehen würde. "Die Frau macht ihre Arbeit, genau wie ein Mann. Aber es ist nicht in Ordnung, dafür nicht oder weniger bezahlt zu werden. Da würde ich vielleicht auch noch sagen, ich gehe auf die Straße", sagt Oma Barbara.

Ilona-Helena geht es um die Geschlechterrollen: "Also ich würde glatt auf die Straße gehen dafür, dass Produkte, die nach Jungs und Mädchen geteilt werden, verboten werden. Diese Festschreibung von Rollen und Geschlecht über Spielsachen, über Tee, über Klamotten finde ich gruselig."

Und Félice fordert, dass die Chancengleichheit im Beruf wirklich präsent wird, anstatt dass Frauen etwa bei Einstellungsgesprächen nach Kinderwunsch und Familienplanung gefragt werden. "Denn wenn Frauen Hilfe brauchen, melden sie sich schon selbst", betont die 20-Jährige.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 25. Februar 2021 | 22:40 Uhr