03.05.2020 | Zum Nachschauen in der Mediathek Evangelischer Gottesdienst aus der St. Jakobikirche Chemnitz

Trotz Lockerungen sind Gottesdienste mit größerer Gemeinde noch immer nicht möglich. Deshalb übertrug der MDR im Video-Livestream aus der St. Jakobikirche Chemnitz. Die Predigt hielt Pfarrer Stephan Tischendorf. Die Musikalische Leitung hatte Kantor Stephen Walter. Musikalisch unterstützt wurde er von Ekkehard Hering.

Die St. Jakobikirche ist - neben dem alten Rathaus am Markt - eines der ältesten Gebäude in Chemnitz, das heute noch erhalten ist.

Das gotische Hallenlanghaus der Jakobi-Kirche war als Nachfolgebau einer ursprünglich romanischen Anlage errichtet worden. Die Bürger der wirtschaftlich aufstrebenden Stadt brauchten im 14. Jahrhundert eine größere Kirche. So baute die Stadtgemeinde zwischen 1402 und 1412 einen Chor nach böhmisch-süddeutschem Vorbild an, der einzigartig in Sachsen ist und dessen kunstgeschichtliche Bedeutung weit über Chemnitz hinaus reicht.

Doch die von Augustiner-Chorherren aus Wechselburg gestiftete St. Jakobikirche war ursprünglich nicht größer als eine der zahlreichen Dorfkirchen ringsum, die zum Kloster gehörten. 

1136 wurde das Kloster hier in Chemnitz gegründet. Das zumindest ist die älteste Zahl, die wir als Chemnitzer so vor uns hertragen. Und das Kloster ist gar nicht weit weg von hier. Die heutige Schloßkirche zeugt noch davon. Die Stadtkirche St. Jakobi ist eine kleine Stadtkirche gewesen schon aus romanischer Zeit um 1170. Von dieser romanischen Kirche sieht man heute freilich nichts mehr.

Pfarrer Stephan Tischendorf

Über viele Jahrhunderte hinweg bildete St. Jakobi den geistig-kulturellen Mittelpunkt der Stadt.

Zerstörung 1945

Jesus-Figur am Kreuz
Kruzifix im Inneren von St. Jakobi Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Chemnitzer Innenstadt wurde bei den schweren Luftangriffen vom 5. März 1945 weitgehend zerstört und auch St. Jakobi war betroffen. Der hölzerne Dachstuhl der Kirche brannte ebenso aus, wie der innere Ausbau mit Emporen und Gestühl und Orgel. Auch Teile des Hochaltars von Peter Breuer und Hans Hesse aus dem frühen 16. Jahrhundert wurden zerstört. Allein die Altarflügel mit der Kreuzigungsgruppe blieben erhalten. Heute erinnert kaum noch etwas an die Kriegsruine.

Das ist eine Ruine gewesen bis lange nach der Wende. Erst in den letzten Jahren ist sie erst wieder zu einem so schönen Raum geworden.

Pfarrer Stephan Tischendorf

Seit 2009 können wieder Gottesdienste im Kirchenschiff gefeiert werden. Eine Glaswand trennt den Chor vom Langhaus ab, sodass ein separater Raum für Andachten entstanden ist.  

Was heute den Altarraum ausmacht, ist ein neu gestalteter Altar, wo alt und neu zusammenfinden: goldglänzend, was beeindruckend ist für alle, die hier reinkommen.

Pfarrer Stephan Tischendorf
St. Jakobi-Kirche Chemnitz
Außenansicht von St. Jakobi Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Noch etwa 30.000 lutherische Christen gehören zum Chemnitzer Kirchenbezirk. Die Jakobi-Innenstadtgemeinde und die Kreuzkirchgemeinde auf dem Chemnitzer Kaßberg haben sich zur Evangelisch-Lutherischen St.-Jakobi-Kreuz-Kirchgemeinde zusammengeschlossen. Die Schließung vieler Industriebetriebe nach 1990 und der Wegzug junger Leute hinterließen auch in den Kirchgemeinden Spuren.

Ich erlebe Chemnitz manchmal als etwas wehmütig, gleichzeitig aber auch als sehr innovativ. Denn die Leute, die hiergeblieben sind, machen das Beste aus der Stadt (...).

Pfarrer Stephan Tischendorf

Wieder Möglichkeit stiller Einkehr

St. Jakobi-Kirche Chemnitz
Pfarrer Stephan Tischendorf Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Während Museen, Theater und Kaufhäuser ringsum geschlossen blieben, konnten seit vergangener Woche wieder Andachten und kleine Gottesdienste mit bis zu 15 Personen in der Jakobikirche gefeiert werden. Das sei erst ein vorsichtiger Neuanfang, sagt Pfarrer Tischendorf. Bei aller gebotenen Vorsicht, können einzelne Besucher zumindest stundenweise die Möglichkeit stiller Einkehr finden.

Der MDR übertrug den Gottesdienst bei MDR Kultur und im Video-Livestream aus der Kirche St. Jakobi Chemnitz. Die Predigt hielt Pfarrer Stephan Tischendorf. Die Musikalische Leitung hatte Kantor Stephen Walter. Er spielte auch die Orgel. Musikalisch unterstützt wurde er von Ekkehard Hering. Weitere Mitwirkende waren Solisten aus dem Gemeindechor.

#Miteinander stark: Gottesdienste in der MDR-Mediathek

Gottesdienst im Erfurter Dom Erfurt 66 min
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