Auszeichnung für das MDR-TV-Magazin "Brückenschlag": Inklusionspreis 2022 für MDR Selbstbestimmt

Das MDR-Magazin "Selbstbestimmt" steht seit 30 Jahren für Inklusion und dafür, Menschen mit Behinderung eine Stimme zu geben. Das Engagement wurde jetzt mit dem Inklusionspreis "Brückenschlag" gewürdigt. Vergeben wird die Auszeichnung vom Berufsbildungswerk Leipzig (BBW), einem Verbund sozialer Einrichtungen. "Ein Klasse Preis", lobte Verena Bentele als Präsidentin des Sozialverbands VdK und forderte, Politik und Medien müssten diverser werden. Nur so würden Inklusion und Teilhabe über bestimmte Formate hinaus Thema für alle.

Menschen stehen nebeneinander und freuen sich
Inklusionspreis "Brückenschlag" für MDR Selbstbestimmt: Foto v.l.n.r. Bastian Schmiedel (Kaufmännischer Geschäftsführer BBW-Leipzig-Gruppe), Gina-Elisa Sebastian-Yolcu (Vorsitzende der Teilnehmendenvertretung), Jana Lindner (Produzentin Selbstbestimmt), Anette Reiß (MDR), Prof. Dr. Karola Wille (MDR-Intendantin), Tobias Schmidt (Hauptgeschäftsführer BBW-Leipzig-Gruppe) Bildrechte: BBW-Leipzig-Gruppe

Seit mehr als 30 Jahren macht sich das MDR-Magazin "Selbstbestimmt" für Inklusion stark. Dafür wurde das Team am Mittwochabend mit dem "Brückensschlag"-Preis des Berufsbildungswerkes Leipzig (BBW) ausgezeichnet. MDR-Intendantin Karola Wille bedankte sich für die Anerkennung: "Dieser Preis macht uns stolz und spornt uns weiter an", sagte sie bei der Verleihung vor rund 300 Gästen aus Politik, Kirche, Sozialwesen, Gesundheit und Kultur in der Alten Wollkämmerei.

Wille: Teilhabe als Auftrag

Menschen sitzen an Tischen, einige heben die Hand, andere applaudieren
Bei Preisverleihung und Jubiläumsfeier der BBW-Leipzig-Gruppe Bildrechte: BBW-Leipzig-Gruppe/Swen Reinhold

Der MDR setze sich als modernes Medienhaus kontinuierlich für Menschen mit Behinderung ein: "Denn Teilhabe gehört zu unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag." Das MDR-Magazin "Selbstbestimmt" engagiere sich seit mehr als 30 Jahren für die Belange von Menschen mit Behinderung, sorge so für Sichtbarkeit und Akzeptanz von Diversität in der Gesellschaft.

"Barrierefreiheit beginnt im Kopf – es braucht Partner und Netzwerke bei der Umsetzung in Politik und Gesellschaft – z.B. auf dem Weg von der Schule in den Beruf. Einer davon ist das BBW", so Wille. Das Berufsbildungswerk Leipzig feierte am Abend auch das 30. Gründungsjubiläum unter dem Motto "Bildung bringt Wandel".

Starke Stimme für Menschen mit Behinderung

In den Aufbruchzeiten nach der Wende entstanden, habe "Selbstbestimmt" erstmals Themen von Menschen mit Behinderung auf einem eigenen Sendeplatz verhandelt, so Wille: "Was uns heute selbstverständlich erscheint, war damals ein Durchbruch." Dazu gehöre auch, dass erstmals im deutschen Fernsehen ein Mann im Rollstuhl die Sendung moderiert habe. Motto der Sendung sei passend zum Titel von Anfang an gewesen: "Nicht über Menschen mit Behinderung sprechen, sondern ihnen eine starke Stimme geben."

Dass heute Menschen mit Behinderung selbstbewusst im Licht der Öffentlichkeit stehen und dass sich Unternehmen und Einrichtungen an ihrer Barrierefreiheit messen lassen müssten, dazu hat 'Selbstbestimmt' einen Beitrag geleistet.

Karola Wille MDR-Intendantin

700 Sendungen, nun mit DGS, Audiodeskription und UT

Inzwischen seien fast 700 "Selbstbestimmt"- Sendungen produziert worden, auch online und über die Sozialen Medien sei das Team im Austausch mit den Zuschauerinnen und Usern. Die Macherinnen und Macher könnten für sich in Anspruch nehmen, die gesellschaftliche Debatte um Inklusion und Teilhabe maßgeblich vorangebracht zu haben. Doch obwohl sich seit 1991 politisch und rechtlich viel getan habe – selbstbestimmt leben zu können, sei nach wie vor herausfordernd, erklärte Wille weiter.

Martin Fromme und Hans-Reiner Bönning stoßen miteinander an
Martin Fromme stößt mit dem Moderator der ersten Stunde, Hans-Reiner Bönning aufs 30. Selbstbestimmt-Jubiläum 2021 an. Bildrechte: MDR/Mia Media

Der MDR leiste einen weiteren Beitrag zur Barrierefreiheit, indem inzwischen 90 Prozent der Sendungen im MDR-Fernsehen untertitelt würden. Für vier Stunden des täglichen Fernsehprogramms würden mit Hörfassungen angeboten. Hinzu kämen 32.000 Sendeminuten pro Jahr in Gebärdensprache und eine inklusive Audio-App.

VdK-Präsidentin Bentele: "Klasse-Preis" als Ansporn zu mehr Diversität

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland e.V., Verena Bentele, erklärte im MDR-Gespräch, der Preis sei "klasse" und sollte Ansporn sein, Inklusion und Teilhabe über bestimmte Formate hinaus zum Thema zu machen. Politik und Medien müssten diverser werden: "Ich vermisse, dass zugehört wird. Aber das ist sehr schwierig, weil manche Themen vermeintlich nicht alle Menschen gleichermaßen angehen." Umso wichtiger seien "Berührungspunkte" für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen – über gemeinsames Lernen, Arbeiten und Freizeitgestaltung: "Ich finde es positiv, dass immer häufiger – wenigstens medial – solche Berührungspunkte geschaffen werden." Das sei enorm wichtig, weil nur so die Belange von Menschen mit Behinderungen nachvollziehbar würden. Hilfreich wäre es Bentele zufolge, wenn Moderatorinnen und Moderatoren mit Behinderung präsenter im deutschen Fernsehen wären. 

Fromme, Krauthausen und Jennifer Sonntag als Botschafter der Inklusion

Die Leipziger BBW-Gruppe vergibt den "Brückenschlag"-Preis seit 2006 Jahren an Unternehmen, Vereine und Projekte, die Inklusion und Teilhabe stark im Blick haben, darunter das BMW Werk Leipzig oder Persönlichkeiten wie Gregor Meyer, künstlerischer Leiter des Gewandhaus Chores Leipzig.

Das "Selbstbestimmt"-Magazin wird immer am zweiten Sonntag im Monat gesendet, nicht aus dem Studio: Moderator Martin Fromme besucht dazu Orte, an denen Inklusion und Teilhabe gelingt. Inklusionsaktivist Raul Krauthausen lenkt in seiner Kolumne "Die Neue Norm" den Blick auf bestehende Barrieren ebenso wie Inklusionsbotschafterin Jennifer Sonntag in ihrer Kolumne "Mit anderen Augen".

Inklusion & Teilhabe: Reportage, Webdoku, Diskussion

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 01. Juni 2022 | 21:45 Uhr