Selbstbestimmt leben Inklusives Kunst-Projekt: "Gemeinsame Leidenschaften"

Fast jeder zehnte Mensch in Deutschland hat eine schwere Behinderung, doch in der Kunstszene sind sie kaum sichtbar. Der Verein Club 68 Köln – ein Verein für behinderte und nichtbehinderte Menschen - will das ändern und plant Ausstellungen in Köln, in der diese Kunstschaffenden ihre Werke präsentieren können. Aktuell wird die Schau "Gemeinsame Leidenschaften" vorbereitet, die vom 15. Juli bis 5. August in der Kulturkirche Ost zu sehen sein wird.

Fotografin Anke Steinbrügge
Die Fotografin Anke Steinbrügge unterwegs in Berlin Bildrechte: MDR

Anke Steinbrügge ist viel unterwegs. In Berliner Stadträumen findet die Fotografin ihre Motive. Vor allem interessieren sie Orte, die bald verschwinden werden. Und sie sucht nach ungewöhnlichen Perspektiven.

"Ich sehe was, was Du nicht siehst" ist das Motto, das sich wie ein roter Faden durch ihre Fotoarbeiten zieht. Die Berlinerin will mit ihren Bildern zu neuem Sehen anregen. Perspektiven und Wahrnehmung sind ihr Lebensthema. Anke Steinbrügge wurde 1961 mit Contergan-Schäden geboren:

Ich rede eher ungern darüber, weil ich finde, das ist immer so diese Reduzierung auf die Behinderung. Das finde ich ehrlich gesagt nicht so toll.

Anke Steinbrügge, Fotografin

Anke Steinbrügge nimmt mit ihren Fotos an der Ausstellung "Gemeinsame Leidenschaften" teil. Der Kölner Verein Club68 organisiert die Gruppenschau. Werke von sieben Künstlern mit und ohne Behinderung sollen in der Kulturkirche Ost gezeigt werden. Dass Arbeiten von Menschen mit Behinderung an einem renommierten Kunst-Ort ausgestellt werden, ist alles andere als selbstverständlich.

Viele Menschen mit Behinderung stellen in Reha-Zentren aus, in Krankenhäusern und kommen meist nicht darüber hinaus. Wir wollen hier Raum und Zeit schaffen, damit Begegnungen stattfinden können.

Hans Günter Brands, Kurator

Kurator Hans Günter Brands
Kurator Hans Günter Brands in der Kulturkirche Ost Bildrechte: MDR

Noch immer sind Kunst- und Kulturschaffende mit Behinderung so gut wie unsichtbar und das, obwohl fast jeder zehnte Mensch in Deutschland behindert ist. Begegnungen auf Augenhöhe, genau das wollen der Verein und Kurator Hans Günter Brands schaffen – Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung.

Zur Ausstellung "Gemeinsame Leidenschaften" Fotografie, freie Malerei, Tanz

Kulturkirche Ost
Kopernikusstraße 34
Köln-Buchforst

vom 15. Juli bis 5. August in der Kulturkirche Ost

Das Verbindende betonen

Auch René Böll aus Köln nimmt an der inklusiven Ausstellung teil. Der Maler und Sohn von Schriftsteller Heinrich Böll sieht vor allem die gemeinsame Leidenschaft für die Kunst als Bindeglied zwischen Künstlern mit und ohne Behinderung.

Maler René Böll
Der Maler René Böll in seinem Kölner Atelier Bildrechte: MDR

Das ist die Kunst: Kunst zu machen, Kunst zu erleben. Sich mit Kunst zu beschäftigen. Das verbindet uns. Das ist wichtiger als das Trennende.

René Böll, Maler und Grafiker

Kunst und Kultur als verbindende Kraft in einer Gesellschaft, die niemanden mehr ausgrenzt. Das ist auch Anke Steinbrügges Wunsch: "Es geht eigentlich um Respekt. Der Behinderte muss nicht mehr Respekt bekommen als der Nicht-Behinderte. Jedem Menschen gebührt Respekt. Und wenn das bei allen ankommt, dann wäre die Welt eine andere."

Teilnehmende Künstler:Innen: Rasso Bruckert, Fotograf; Benjamin Schmidt, Fotograf; Stefan Seelge, bildender Künstler; Anke Steinbrügge, Fotografin; Lilly Eben, Malerin; Rene Böll, Maler und Grafiker; Karima Tarchouni, Malerin; AminaTarchouni, Malerin

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt - Das Magazin | 10. Juli 2022 | 08:00 Uhr