Interreligiöser Kalender Religiöse Feiertage im September 2021

Der September ist ein Monat voller Neuanfänge. Für die griechisch-orthodoxen Christen beginnt das Kirchenjahr. Jüdische Gläubige begehen ebenfalls ihr Neujahrsfest und mit Jom Kippur einen ihrer wichtigsten Feiertage.

1. September: Beginn des Kirchenjahres - Gebetstag für die Natur

Landschaft mit Wald auf Rhodos
Landschaft auf Rhodos Bildrechte: IMAGO

(griechisch-orthodox)

In der griechisch-orthodoxen Kirche beginnt das Kirchenjahr am 1. September. Dieses Datum geht auf die Zeitrechnung des Byzantinischen Reiches zurück. Mit dem neuen Kirchenjahr wird, ähnlich wie beim Erntedankfest, für die Bewahrung der Schöpfung gebetet. Die Idee eines Gebetstages für die Natur wurde auch von Papst Franziskus aufgegriffen. Er benannte im Zuge der Veröffentlichung seiner Umwelt-Enzyklia "Laudato Si" den 1. September für die römisch-katholische Kirche als Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung.

Einen ökumenischen Tag der Schöpfung gibt es am 4. September 2021. Erstmals wird die zentrale Feier am Bodensee gemeinsam vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) und der ACK in Deutschland gemeinsam mit vielen lokalen Partnerinnen und Partnern gestaltet.

06./08. September: Rosch ha-Schana - Jüdisches Neujahrsfest

Mit dem Neujahrsfest Rosch ha-Schana, was so viel bedeutet wie "Haupt des Jahres", begehen jüdische Gläubige das Hochfest der Erschaffung der Welt. Ihrem Glauben nach fand dieses Ereignis vor mehr als 5.000 Jahren statt. Rosch ha-Schana wird auch als Tag des göttlichen Gerichts begangen. Das bedeutet, viele Gläubige nutzen die Gelegenheit, um auf ihr Leben und ihre Taten im vergangenen Jahr zurückzublicken. Gleichzeitig fassen sie, wie auch hierzulande zu Neujahr üblich, Vorsätze für das neue Jahr – allen voran den Vorsatz, Gutes zu tun.

Traditionell versammeln sich die Gläubigen zu Rosch ha-Schana in der Synagoge zum Gebet. In vielen Gemeinden ist es Brauch, den Gebetsretraum für den Neujahrsgottesdienst zu schmücken. Um die Erhabenheit des Tages herauszustellen, greifen die Gläubigen dabei vornehmlich auf weiße Stoffe und Elemente zurück.

Während des Gebets erklingt mehrfach der Schofar – ein Blasinstrument aus Widderhorn, das die Gläubigen zur Besinnung mahnen und das Lob Gottes verkünden soll. Im Anschluss an den Gottesdienst wird in den Familien Neujahr gefeiert. Wichtigste Speisen sind rund gewickelte Brote und in Honig getauchte Apfelstückchen, die für den Wunsch nach einem guten und süßen neuen Jahr stehen. Die runden Brote symbolisieren den Jahreskreis.

8. September: Mariä Geburt - Geburt der Gottesmutter

(römisch-katholisch/griechisch-orthodox; russisch-orthodox/altorientalisch)

Mit Mariä Geburt feiert die Kirche die Geburt der Gottesmutter. Ein Ereignis, das einem Wunder gleicht, denn Marias Eltern, Anna und Joachim, blieben bis ins hohe Alter kinderlos. An dem Ort, an dem Maria der Überlieferung zufolge geboren worden sein soll, bauten Christen im 5. Jahrhundert eine Kirche. Diese Kirche wurde an einem 8. September geweiht. Der Weihetag bestimmte das Datum für das Fest zu Mariä Geburt. Symbol für dieses Fest ist die Schwalbe. Mancherorts war es deshalb Brauch, zu Mariä Geburt eine Schwalbe zu fangen und in ihrem Magen nach einem Stein zu suchen, der ein Heilmittel gegen Krankheiten sein sollte. Im Julianischen Kalender der russisch-orthodoxen Kirche wird Mariä Geburt am 21. September gefeiert.

14. September: Kreuzerhöhung

(römisch-katholisch/griechisch-orthodox; russisch-orthodox)  

Das Fest der Kreuzerhöhung nimmt Bezug auf die Legende der Heiligen Helena. Die Mutter Kaiser Konstantins grub der Überlieferung zufolge um 350 auf Golgatha drei Kreuze aus. Um herauszufinden, welches das Kreuz Christi sei, ließ Helena die Kreuze auf den Körper eines Toten legen. Das Kreuz, unter dem der Leichnam zu neuem Leben erwachte, galt als das echte Christuskreuz. Am Fundort der Kreuze ließ Kaiser Konstantin ein großes Gotteshaus, die Grabeskirche in Jerusalem, bauen und präsentierte am Tag ihrer Weihe den Gläubigen das gefundene Kreuz. Das Fest der Kreuzerhöhung erinnert an diese Begebenheit. Es wird in allen östlichen Kirchen und seit dem siebten Jahrhundert auch im Westen gefeiert. Als sogenannter "Holy Cross Day" wird es auch in Teilen der Anglikanischen Kirche begangen.

Die Grabeskirche

Blicken Sie auf und in die Grabeskirche, indem Sie den Regler hin- und herschieben!

Grabeskirche Golgota
Bildrechte: MDR/Saskia Barthel
Grabeskirche Golgota
Bildrechte: MDR/Saskia Barthel
Die Grabeskirche von Innen.
Bildrechte: MDR/Saskia Barthel
Alle (2) Bilder anzeigen

15./16. September: Jom Kippur

(jüdisch)

Ein Mann schwenkt ein Huhn über dem Kopf eines betenden Kindes
Ritual vor Jom Kippur Bildrechte: dpa

Der Versöhnungstag Jom Kippur ist einer der wichtigsten Tage im jüdischen Festtagskalender. Er wird als Tag der Reue, der Buße und der Umkehr begangen, an dem nach talmudischer Tradition die am Neujahrsfest gefällten Urteile über die Menschen besiegelt werden. Aus diesem Anlass beginnen jüdische Gläubige am Vorabend von Jom Kippur zu fasten und verbringen einen Großteil des Festes als strengen Ruhetag in der Synagoge. Nach Sonnenuntergang treffen sie sich zum so genannten "Anbeißen", einem festlichen Mahl, und wünschen sich gegenseitig ein gutes Jahr. Zusammen mit dem Neujahrsfest Rosch ha-Schana bildet Jom Kippur die "Hohen Feiertage" des Judentums und den Abschluss der zehn Tage der Reue und Umkehr.

20.-27. September: Sukkot (Laubhüttenfest)

(jüdisch)

Das Laubhütten-Fest wird sieben Tage lang gefeiert und ist vergleichbar mit den Erntedankfesten hierzulande. Es erinnert an die Wüstenwanderung der Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten. Während der Flucht konnten sie nur in unbefestigten Hütten, in "Laubhütten" aus Ästen und Zweigen wohnen. Daran soll bis heute erinnert werden. In der Thora heißt es:

Gott ordnet an, dass alle Einheimischen in Israel jedes Jahr sieben Tage lang in Hütten wohnen sollen, damit ihre Nachkommen wissen, dass ihre Vorfahren in Hütten wohnten, als sie von Gott aus Ägypten geführt wurden und vierzig Jahre lang durch die Wüste zogen.

Deshalb ist es an Sukkot bis heute Brauch, in einer Hütte zu wohnen. Man macht sich bewusst, dass Gottes Schutz wichtiger ist als ein festes Dach über dem Kopf. Gläubige Juden bauen sich jedes Jahr eine eigene Laubhütte – im Garten oder auf dem Balkon. Diese Hütte besteht nur aus Zweigen, Reisig oder Stroh. Durch das Dach soll man tagsüber die Sonne und nachts die Sterne sehen können. In der Hütte wird gegessen und geschlafen, soweit es das Wetter erlaubt.

Wichtig für die Bedeutung des Festes ist auch ein aus Zitrusfrüchten, Dattelpalm-, Myrten- und Bachweidenzweigen gebundener Strauß, der die Einheit des Volkes Israel symbolisieren soll.

28./29. September: Simchat Tora – Fest der Gesetzesfreude

Das Fest der Gesetzesfreude schließt das Laubhüttenfest ab. Jeden Schabbat, also jeden Samstag, werden in der Synagoge Abschnitte aus der Tora vorgelesen. Im Ablauf eines Jahres wird die Tora im Gottesdienst komplett vorgelesen. Zu Simchat Tora wird der Zyklus der Tora-Lesung abgeschlossen und anschließend von vorne begonnen. Es ist ein sehr fröhliches Fest. Die Gläubigen tanzen mit den Tora-Rollen auf dem Arm durch die Synagoge, um ihre Freude und Verbundenheit zur Schrift auszudrücken.

Mehr aus Religion und Gesellschaft im MDR

Religion

Auf eine rissige Häuserwand wurde ein Kirchedach mit einem Kreuz gezeichnet.
Bildrechte: Colourbox

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. September 2021 | 14:45 Uhr