Interreligiöser Kalender Religiöse Feiertage im September 2020

Der September ist ein Monat voller Neuanfänge. Für die griechisch-orthodoxen Christen beginnt das Kirchenjahr. Jüdische Gläubige begehen ebenfalls ihr Neujahrsfest und mit Jom Kippur einen ihrer wichtigsten Feiertage.

1. September: Beginn des Kirchenjahres - Gebetstag für die Natur

Landschaft mit Wald auf Rhodos
Landschaft auf Rhodos Bildrechte: IMAGO

(griechisch-orthodox)

In der griechisch-orthodoxen Kirche beginnt das Kirchenjahr am 1. September. Dieses Datum geht auf die Zeitrechnung des Byzantinischen Reiches zurück. Mit dem neuen Kirchenjahr wird, ähnlich wie beim Erntedankfest, für die Bewahrung der gesamten Schöpfung gebetet. Die Idee eines Gebetstages für die Natur wurde auch von Papst Franziskus aufgegriffen. Er benannte im Zuge der Veröffentlichung seiner Umwelt-Enzyklia "Laudato Si" den 1. September für die römisch-katholische Kirche als katholischen Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung. Einen ökumenischen Tag der Schöpfung gibt es 2020 am 4. September, der in diesem Jahr mit einem zentralen Gottesdienst in Landau gefeiert wird.

1. September: Ashure-Fest

(alevitisch)

Mit dem Ashure-Fest beenden alevitische Gläubige die Moharrem-Trauerzeit. Nach 12-tägigem Fasten wird eine Süßspeise (Ashure) gekocht und als Symbol der Dankbarkeit unter Bekannten, Verwandten und Nachbarn verteilt und gemeinsam gegessen. Alevitinnen und Aleviten bringen damit ihren Dank dafür zum Ausdruck, dass Zeynel Abi­din, der Sohn von Imam Hüseyin, aufgrund einer Krankheit nicht an der Schlacht von Kerbala teilnahm und sie so überlebte.

Ashure ist eine aus zwölf verschiedenen Zutaten bestehende Süßspeise. Die Zutaten können zwar variieren, es müssen aber genau zwölf sein, denn sie symbolisieren die zwölf heiligen Imame. Ashure besteht beispielsweise aus Weizen, Bohnen, Saubohnen, Kichererbsen, Kastanien, Haselnüssen, Pistazien, Mandeln, Sultaninen, Feigen, Aprikosen und Walnüssen.

8. September: Mariä Geburt - Geburt der Gottesmutter

(römisch-katholisch/griechisch-orthodox; russisch-orthodox/altorientalisch)

Mit Mariä Geburt feiert die Kirche die Geburt der Gottesmutter. Ein Ereignis, das einem Wunder gleicht, denn Marias Eltern, Anna und Joachim, blieben bis ins hohe Alter kinderlos. An dem Ort, an dem Maria der Überlieferung zufolge geboren worden sein soll, bauten Christen im 5. Jahrhundert eine Kirche. Diese Kirche wurde an einem 8. September geweiht. Der Weihetag bestimmte das Datum für das Fest zu Mariä Geburt. Symbol für dieses Fest ist die Schwalbe. Mancherorts war es deshalb Brauch, zu Mariä Geburt eine Schwalbe zu fangen und in ihrem Magen nach einem Stein zu suchen, der ein Heilmittel gegen Krankheiten sein sollte. Im Julianischen Kalender der russisch-orthodoxen Kirche wird Mariä Geburt am 21. September gefeiert.

14. September: Kreuzerhöhung

(römisch-katholisch/griechisch-orthodox; russisch-orthodox)  

Das Fest der Kreuzerhöhung nimmt Bezug auf die Legende der Heiligen Helena. Die Mutter Kaiser Konstantins grub, der Überlieferung zufolge, um 350 auf Golgatha drei Kreuze aus. Um herauszufinden, welches das Kreuz Christi sei, ließ Helena die Kreuze auf den Körper eines Toten legen. Das Kreuz, unter dem der Leichnam zu neuem Leben erwachte, galt als das echte Christuskreuz. Am Fundort der Kreuze ließ Kaiser Konstantin eine große Kirche errichten und präsentierte am Tag ihrer Weihe den Gläubigen das gefundene Kreuz. Das Fest der Kreuzerhöhung erinnert an diese Begebenheit. Es wird in allen östlichen Kirchen und seit dem siebten Jahrhundert auch im Westen gefeiert. Als sogenannter "Holy Cross Day" wird es auch in Teilen der Anglikanischen Kirche begangen.

Die Grabeskirche

Blicken Sie auf und in die Grabeskirche, indem Sie den Regler hin- und herschieben!

Grabeskirche Golgota
Bildrechte: MDR/Saskia Barthel
Grabeskirche Golgota
Bildrechte: MDR/Saskia Barthel
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19./20. September: Rosch ha-Schana - Jüdisches Neujahrsfest

Mit dem Neujahrsfest Rosch ha-Schana, was so viel bedeutet wie "Haupt des Jahres", begehen jüdische Gläubige das Hochfest der Erschaffung der Welt. Der Überlieferung zufolge hat dieses Ereignis vor mehr als 5.000 Jahren stattgefunden – am sechsten Tag der Schöpfung, dem Tag also, an dem Gott den Menschen geschaffen hat. Aus diesem Grund wird Rosch ha-Schana auch als Tag des göttlichen Gerichts begangen. Das bedeutet, viele Gläubige nutzen die Gelegenheit, um auf ihr Leben und ihre Taten im vergangenen Jahr zurückzublicken. Gleichzeitig fassen sie, wie auch hierzulande zu Neujahr üblich, Vorsätze für das neue Jahr – allen voran den Vorsatz, Gutes zu tun.

Traditionell versammeln sich die Gläubigen zu Rosch ha-Schana in der Synagoge zum Gebet. In vielen Gemeinden ist es Brauch, den Betraum für den Neujahrsgottesdienst feierlich zu schmücken. Um die Erhabenheit des Tages herauszustellen, greifen die Gläubigen dabei vornehmlich auf weiße Stoffe und Elemente zurück.

Während des Gebets erklingt mehrfach der Schofar – ein Blasinstrument aus Widderhorn, das die Gläubigen zur Besinnung mahnen und das Lob Gottes verkünden soll. Im Anschluss an den Gottesdienst wird in den Familien Neujahr gefeiert. Wichtigste Speisen sind rund gewickelte Brote und in Honig getauchte Apfelstückchen, die für den Wunsch nach einem guten und süßen neuen Jahr stehen. Die runden Brote symbolisieren den Jahreskreis.

27./28. Oktober: Jom Kippur

(jüdisch)

Der Versöhnungstag Jom Kippur ist einer der wichtigsten Tage im jüdischen Festtagskalender. Er wird als Tag der Reue, der Buße und der Umkehr begangen, an dem nach talmudischer Tradition die am Neujahrsfest gefällten Urteile über die Menschen besiegelt werden. Aus diesem Anlass beginnen jüdische Gläubige am Vorabend von Jom Kippur zu fasten und verbringen einen Großteil des Festes als strengen Ruhetag in der Synagoge. Nach Sonnenuntergang treffen sie sich zum so genannten "Anbeißen", einem festlichen Mahl, und wünschen sich gegenseitig ein gutes Jahr und eine gute Besiegelung. Zusammen mit dem Neujahrsfest Rosch ha-Schana bildet Jom Kippur die "Hohen Feiertage" des Judentums und den Abschluss der zehn Tage der Reue und Umkehr.

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