Trauer Landesbischof Johannes Hempel gestorben

Wie die sächsische Landeskirche mitteilte, verstarb am Donnerstag (23.April) der ehemalige Landesbischof von Sachsen, Dr. Johannes Hempel. Als herausragender Prediger mit menschlicher Bescheidenheit wurde der evangelische Theologe geschätzt. Seine Amtsjahre waren vor allem geprägt vom Umbruch der gesellschaftlichen Verhältnisse in Ostdeutschland während der Friedlichen Revolution.

Dr. Johannes Hempel, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen
Dr. Johannes Hempel (1929 -2020) Bildrechte: dpa

Im Dresdner Altenzentrum der Diakonissenanstalt starb am Donnerstag (23. April) der ehemalige Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Dr. Johannes Hempel, im Alter von 91 Jahren.

Er war von 1972 bis 1994 sächsischer Landesbischof und von 1991 bis 1997 stellvertretender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Über die Grenzen der Landeskirche hinaus galt Hempel als ein hervorragender Theologe und Prediger. Seine letzten Amtsjahre waren geprägt von den Ereignissen der Friedlichen Revolution und der Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse in Ostdeutschland, die auch erhebliche Auswirkungen für die Kirchen hatten.

In der Nachfolge des 1971 verstorbenen sächsischen Bischofs Dr. Gottfried Noth waren neben dem Bischofsamt vor allem die Kontakte zu Kirchen anderer Länder prägend für Hempels Tätigkeit als leitender Geistlicher. So war er seit 1975 Mitglied des Zentralausschusses und des Exekutivausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf und ab 1983 einer der sieben Präsidenten des ÖRK.

Ab 1981 war er leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in der DDR und ab 1982 Vorsitzender der Konferenz der ostdeutschen Kirchenleitungen.

"Großartigen Theologen und eindrücklichen Prediger mit wunderbarer menschlicher Bescheidenheit"

Von Weggefährten wurde Dr. Hempel wurde als Person der deutsch-deutschen Kirchengeschichte gewürdigt, der die sächsische Landeskirche in schwierigen Zeiten zwischen der notwendigen Abgrenzung und Abwehr ideologischer Übergriffe und der gebotenen Koexistenz mit dem atheistischen Staat und seinen Repräsentanten geleitet habe.

Seine Perspektive der ostdeutschen Landeskirchen sei in die Beratungen des ersten Rates der wiedervereinigten BRD eingebracht worden und trug wesentlich zu einer Integration der unterschiedlichen kirchlichen Traditionen in der neuen EKD bei.

Dr. Hempels unmittelbarer Nachfolger im Bischofsamt, Landesbischof i.R. Volker Kreß, äußert seine "Hochachtung vor einem großartigen Theologen und eindrücklichen Prediger mit wunderbarer menschlicher Bescheidenheit".

Johannes Hempel

Am 23. März 1929 in Zittau geboren, studierte Johannes Hempel von 1949 bis 1952 evangelische Theologie in Heidelberg und Westberlin. 1952 kehrte er in die DDR zurück und schloss sein Erstes Theologisches Examen in Leipzig ab. 1955 wurde er als Hilfsgeistlicher in Gersdorf (Kirchenbezirk Glauchau) ordiniert. 1956 absolvierte er sein Zweites Theologisches Examen in Dresden und war bis 1958 als Pfarrer in Gersdorf tätig.

Von 1958 bis 1966 war Hempel Pfarrer in Leipzig an der Thomas-Matthäi-Kirchgemeinde. Gleichfalls wurde er als Studieninspektor am Leipziger Predigerkolleg St. Pauli abgeordnet. 1963 erlangte er seine Promotion.

Weitere Stationen waren: Studentenpfarrer an der Universität Leipzig (1963 – 1966), Pfarrer der Studentengemeinde Leipzig (1966-1967); hauptamtlicher Studiendirektor am Leipziger Predigerkolleg St. Pauli (1967-1971).

Hempel wirkte als stellvertretender Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen in der DDR (1973 – 1977) und Mitglied des Zentral- und Exekutivausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen. Von 1983 bis 1991 war er einer der sieben Präsidenten des Ökumenischen Rates der Kirchen; von 1982 bis 1986 Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen in der DDR, sowie Stellvertretender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (1991 – 1997).

Johannes Hempel warTräger mehrerer theologischer Ehrenpromotionen: der Karl-Marx-Universität Leipzig, der University of Kent at Canterbury (Großbritannien) sowie des Muhlhouse College/Allentown (USA).

Quelle: Evangelisch-Lutherisches Landeskirche Sachsens   

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