Glaubwürdig-Porträt Auf den Spuren jüdischer Geschichte: Wolfram Nagel

Wolfram Nagel ist Kulturjournalist. Hauptsächlich arbeitet er für das Radio, manchmal schreibt er auch für die "Jüdische Allgemeine". Denn seit seiner Kindheit fühlt er sich mit der jüdischen Geschichte verbunden. Vor zwölf Jahren konvertierte er zum Judentum.

Karl Marx mit Dornenkrone. Gibt es nicht? Doch! Als Kunstwerk bei Wolfram Nagel zu Hause. Der 64-Jährige beschäftigt sich mit Dingen, die auf den ersten Blick nicht so recht zueinanderpassen. Die Vermischung von Religionen und philosophischen Ideen beflügeln seine Gedanken.

Der Dresdner arbeitet als Kulturjournalist. Das Radio ist sein Metier. Doch mitunter greift er auch zum Stift und schreibt für die "Jüdische Allgemeine" - die auflagenstärkste Zeitung des deutschen Judentums. Er selbst konvertierte vor zwölf Jahren.

Das ist ein langer Prozess, man entscheidet sich nicht von heute auf morgen, überzutreten, zu konvertieren. Sondern das braucht einige Vorbedingungen und man muss lernen. Plötzlich sehe ich in den Figuren, die es im Evangelium gibt, lauter Juden. Und sie waren es ja auch tatsächlich.

Wolfram Nagel

Viele seiner Beiträge sind politisch. Eindringlich warnt er vor antisemitischen Tendenzen und dem Rechtsruck in der Gesellschaft. Seine Vision ist es, für Mitteldeutschland ein jüdisches Museum zu gründen. Schon lange recherchiert Wolfram Nagel zum Landjudentum. Ihm geht es um die Menschen, die in den kleinen Dörfern enteignet, gejagt und ermordet worden.

Wolfram Nagel
Auf dem jüdischen Friedhof in Gleicherwiesen bei Meinigen Bildrechte: Jan Siegmeier/Werkblende

Mein Interesse, dies aufzuarbeiten, hängt mit meiner eigenen Kindheit zusammen. Ich bin in einem kleinen Dorf in Thüringen groß geworden. Wir Jungs haben oft auf dem Friedhof gespielt. Es war ein jüdischer. Erst als ich längst erwachsen und weggezogen war, habe ich angefangen, mir darüber Gedanken zu machen.

Wolfram Nagel

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Glaubwürdig | 13. Juni 2020 | 18:45 Uhr