Interreligiöser Kalender Religiöse Feiertage im Oktober 2019

Am 3. Oktober ist "Tag der offenen Moschee" und Nicht-Muslime können die islamischen Gotteshäuser besichtigen. Buddhisten feiern das Lichterfest Pavarana. Evangelische Christen gedenken am Reformationstag Martin Luther und seiner Reformation der Kirche.


3. Oktober: Tag der offenen Moschee

(islamisch)

Den "Tag der offenen Moschee" gibt es seit 1997. An diesem Tag laden Muslime alle Menschen ein, ihre Gotteshäuser zu besichtigen. In Deutschland werden dann mehr als tausend Moscheen geöffnet sein. In jedem Jahr kommen mehr als 100.000 Menschen, um etwas über das Leben der Muslime und über ihren Glauben zu erfahren. Es gibt Führungen, Vorträge, Ausstellungen und die Möglichkeit, mit Imamen und Gläubigen ins Gespräch zu kommen.


6. Oktober: Erntedank

(christlich)

Kürbisse und Mais in einem Korb.
Bildrechte: Colourbox.de

Seit dem dritten Jahrhundert danken Christen in aller Welt zu Beginn des Herbstes für die Erntegaben. Einen verbindlichen Termin gibt es hierfür allerdings nicht und auch keine Verpflichtung für die Gemeinden, das Fest zu begehen. In den katholischen Gemeinden Deutschlands werden seit einer Festlegung der deutschen Bischofskonferenz im Jahr 1972 am ersten Sonntag im Oktober die Kirchen mit Äpfeln, Birnen, Kürbissen und Blumen geschmückt. In evangelischen Gemeinden dankt man für das "täglich Brot" am ersten Sonntag nach Michaelis, das heißt, meist am ersten Sonntag im Oktober.


8. Oktober: Vijayadashami Dussehra

(hinduistisch)

Am 8. Oktober feiern Hindus das Fest des Sieges der Göttin Durga gegen den Dämonen Mahishasura und den Sieg über das Schlechte.


8./9. Oktober: Jom Kippur
(jüdisch)

Der Versöhnungstag Jom Kippur ist einer der wichtigsten Tage im jüdischen Festtagskalender. Er wird als Tag der Reue, der Buße und der Umkehr begangen, an dem nach talmudischer Tradition die am Neujahrsfest gefällten Urteile über die Menschen besiegelt werden. Aus diesem Anlass fasten die Juden vom Vorabend von Jom Kippur an und verbringen einen Großteil des Festes in der Synagoge. Nach Sonnenuntergang treffen sie sich zum so genannten "Anbeißen", einem festlichen Mahl, und wünschen sich gegenseitig ein gutes Jahr und eine gute Besiegelung.


10. Oktober: Todestag des Heiligen Hüseyin

(alevitisch)

Viele Aleviten gedenken an diesem Tag des Heiligen Hüseyin, einem Enkel des Propheten Mohammed, der vermutlich am 10. Oktober 680 starb.


13. Oktober: Scheich-Adi-Fest

(jesidisch)

An diesem Tag wird dem Scheich Adis in Lalish, dem bedeutendsten Heiligen der Jesiden, gedacht. 


13. - 20. Oktober 2019: Sukkot (Laubhüttenfest)

(jüdisch)

Laubhüttenfest in Israel Ultra-Orthodox
Laubhüttenfest in Israel Bildrechte: IMAGO

Das Laubhütten-Fest wird sieben Tage lang gefeiert und ist vergleichbar mit den Erntedankfesten hierzulande. Es erinnert an die Wüstenwanderung der Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten. Während der Flucht konnten sie nur in unbefestigten Hütten, in "Laubhütten" aus Ästen und Zweigen wohnen. Daran soll bis heute erinnert werden. In der Thora heißt es:

Gott ordnet an, dass alle Einheimischen in Israel jedes Jahr sieben Tage lang in Hütten wohnen sollen, damit ihre Nachkommen wissen, dass ihre Vorfahren in Hütten wohnten, als sie von Gott aus Ägypten geführt wurden und vierzig Jahre lang durch die Wüste zogen.

Deshalb ist es an Sukkot bis heute Brauch, in einer Hütte zu wohnen. Man macht sich bewusst, dass Gottes Schutz wichtiger ist als ein festes Dach über dem Kopf. Gläubige Juden bauen sich jedes Jahr eine eigene Laubhütte – im Garten oder auf dem Balkon. Diese Hütte besteht nur aus Zweigen, Reisig oder Stroh. Durch das Dach soll man tagsüber die Sonne und nachts die Sterne sehen können. In der Hütte wird gegessen und geschlafen, soweit es das Wetter erlaubt.

Wichtig für die Bedeutung des Festes ist auch ein aus Zitrusfrüchten, Dattelpalm-, Myrten- und Bachweidenzweigen gebundener Strauß, der die Einheit des Volkes Israel symbolisieren soll.


21./22. Oktober: Simchat Tora - Fest der Gesetzesfreude

(jüdisch)

Das Fest der Gesetzesfreude schließt das Laubhüttenfest ab. Jeden Schabbat, also jeden Samstag, werden in der Synagoge Abschnitte aus der Tora vorgelesen. Im Ablauf eines Jahres wird die Tora im Gottesdienst komplett vorgelesen. Zu Simchat Tora wird der Zyklus der Tora-Lesung abgeschlossen und anschließend von vorne begonnen. Es ist ein sehr fröhliches Fest. Die Gläubigen tanzen mit den Tora-Rollen auf dem Arm durch die Synagoge, um ihre Freude und Verbundenheit zur Schrift auszudrücken.


14. Oktober: Pavarana

(buddhistisch)

Pavarana ist das Lichterfest am Ende der Regenzeit. In Sri Lanka heißt es Wap. Buddhistische und hinduistische Nonnen und Mönche ziehen sich seit Jahrtausenden in der Regenzeit zur Meditation zurück, so auch Buddha. Seine Rückkehr aus dieser Abgeschiedenheit feiern die Buddhisten am Ende der Regenzeit noch heute mit dem Lichterfest Pavarana. An diesem Tag werden in buddhistischen Klöstern die üblichen Ordensregeln außer Kraft gesetzt. Bei einer gemeinsamen Feier sprechen Mönche und Nonnen miteinander darüber, was ihnen während der drei Monate am anderen aufgefallen ist. Doch es geht nicht darum, den anderen öffentlich zu kritisieren, sondern darum, ihm Tipps zu geben, sich gegenseitig zu fördern und zu stärken. Von den Gläubigen bekommen die Nonnen und Mönche zu Pavarana neue Umhänge geschenkt. Diese sind allerdings ungefärbt – die typischen Farben rot und orange werden speziell von den Nonnen und Mönchen in den Klöstern hergestellt. Zudem leuchten an Pavarana an fast allen Häusern Lichter und Lampions. Brennende Schwimmkerzen werden in Schalen aus Blättern auf den Fluss gesetzt. Die Lichter der Kerzen symbolisieren, dass alle, die dem Licht des Buddhismus folgen, über den Fluss des Unwissens in das Land der Wahrheit getragen werden.


21. Oktober: Schemini Azareth - Schlussfest

 (jüdisch)

Schemini Azereth ist zwar ein eigener Feiertag, gehört aber zum Laubhüttenfest. Am achten Tag des Laubhüttenfestes bitten die Gläubigen Gott um Regen und eine gute neue Ernte.


31. Oktober: Reformationstag

(evangelisch)

Am Reformationstag gedenken die evangelischen Christen Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg im Jahre 1517. Der Überlieferung nach soll der Mönch und Theologieprofessor am Tag vor Allerheiligen 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben, was eine Legende ist. Fakt ist, dass er seine 95 Thesen in Umlauf brachte, um einen akademischen Disput über die vorherrschende Praxis des Ablasshandels herbeizuführen. Denn Luther bestritt, dass es die Möglichkeit gäbe, sich von seinen Sünden freizukaufen. Doch statt einen Disput herbeizuführen, leitete er die Reformation der Kirche und damit die Aufspaltung der christlichen Kirche in eine römisch-katholische und eine protestantische Kirche ein.

Schloßkirche Wittenberg, Blick auf Altar
Schloßkirche Wittenberg: Blick auf den Altar Bildrechte: MDR/André Damm

Zum offiziellen Gedenktag erhoben wurde der Reformationstag im Jahr 1667 durch eine Anordnung Kurfürst Georgs II. von Sachsen, der mit seiner Anordnung zudem für eine Vereinheitlichung des Datums sorgte. Gab es vorher verschiedene Gedenktermine in den verschiedenen Landeskirchen, Luthers Geburts- und Sterbetag zum Beispiel, setzte sich bald darauf mehrheitlich der 31. Oktober durch. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist der Reformationstag gesetzlicher Feiertag. Außerhalb Deutschlands wird er zudem in Slowenien und Chile gefeiert. In der Schweiz feiern die reformierten Kirchen am ersten Sonntag nach dem 31. Oktober den Reformationssonntag.

In Wittenberg wird der 31. Oktober traditionell mit verschiedenen Veranstaltungen begangen. Festgottesdienste in der Stadt- und Schlosskirche stehen dabei ebenso auf dem Programm wie ein Mittelaltermarkt, eine wissenschaftliche Diskussion in der alten Wittenberger Universität, Konzerte, Theater und Kabarett. Dazu werden traditionell sogenannte Reformationsbrötchen gereicht, kleine viereckige Hefeteigtaschen mit einem Klecks Marmelade in der Mitte - eine kulinarische Erinnerung an die Lutherrose, mit der der Reformator seine Schriften einst versah. Reformationsbrötchen sind in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vor allem in der Region um Leipzig bekannt. In der Gegend um Dresden und im Vogtland kennt man hingegen Reformationsbrot, ein stollenartiges Brot, das mit Aprikosenkonfitüre bestrichen und mit einer Fondant-Glasur überzogen wird.

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2019, 13:11 Uhr