Altar anlässlich einer Fronleichnams-Messe in Heiligenstadt - Thüringen
Altar anlässlich einer Fronleichnams-Messe in Heiligenstadt (Thüringen) Bildrechte: imago/Ina Peek

Was feiern wir Fronleichnam? "Fest des Leibes und Blutes Jesu Christi"

Aus einer mystischen Vision wurde ein Kirchenfest - Fronleichnam, das in diesem Jahr am 20. Juni begangen wird. Luther jedoch sah die Prozessionen als Gotteslästerung an. In Abgrenzung zum evangelischen Glauben wurde so Fronleichnam zu einem Hochfest der katholischen Kirche. Was bedeutet dieser Tag und wie wird er heute gefeiert?

Altar anlässlich einer Fronleichnams-Messe in Heiligenstadt - Thüringen
Altar anlässlich einer Fronleichnams-Messe in Heiligenstadt (Thüringen) Bildrechte: imago/Ina Peek

Fronleichnam ist ein Hochfest der katholischen Kirche. Es wird immer zehn Tage nach Pfingsten, und damit immer am zweiten Donnerstag danach gefeiert . Erinnert wird an die Gegenwart Jesus Christus im geweihten Brot (Hostie) und im Wein. Das Besondere am Fronleichnamsgottesdienst ist eine Prozession, bei der das geweihte Brot in einem wertvollen Gefäß - der Monstranz – durch die Straßen getragen wird.

Ursprung des Festes ist eine Vision der Augustiner-Nonne Juliana von Cornillion in Lüttich. Sie lebte im 13. Jahrhundert in Belgien und sah in einem Wachtraum den Vollmond, dem jedoch zur vollen Rundung ein Stück fehlte. Sie deutete dies als Hinweis Jesu Christu darauf, dass seiner Kirche ein Fest zu besonderen Verehrung der Altarsakramente Brot und Wein fehlt und regte daraufhin ein solches Fest bei Papst Urban IV. (zuvor Erzdiakon in Lüttich) an. Urban IV. folgte Julianas Anregung und führte das Fest im Jahr 1264 ein.

Fronleichnam - Ausdruck der Frömmigkeit im Mittelalter

Der Begriff "Fronleichnam" stammt aus dem Mittelhochdeutschen: "fron" bedeutet "Herr" und "lichnam" meint den lebendigen Leib. Der Ausdruck Fronleichnam entspricht damit dem ursprünglichen lateinischen Namen des Festes, "festum corporis Christi", "festum corpus domini" oder auch "festum sanctissimi corporis Christi" - "Fest des heiligsten Leibes Christi". Mit der Enzyklika "Transisturus de hoc mundo" wurde Fronleichnam zum allgemeinen kirchlichen Fest erhoben. Thomas von Aquin (um 1225 bis 1274) war an dieser Enzyklika wesentlich beteiligt und hat die Texte für das Offizium (Chorgebet der Kleriker) und die Messe zusammengestellt. Von ihm stammt auch die berühmte Sequenz "Lauda, Sion, Salvatorem", die im Fronleichnamsgottesdienst früher niemals fehlte.

Die Dominikaner haben die Ausbreitung des Festes stark gefördert. 1311 wurde es unter Papst Clemens V. auf dem Konzil von Vienne bestätigt und 1317 unter Papst Johannes XXIII. endgültig weltweit angeordnet. Bereits 1264 fanden in Rom, Münster und Orvieto die ersten Fronleichnamsfeiern statt, 1273 in Benediktbeuren, 1274 in Köln, 1276 in Osnabrück.

Eine einzigartige Wallfahrt

Den besonderen Charakter bekommt Fronleichnam durch die Prozession, die schon 1279 durch Köln zog. Diese Fronleichnamsprozession soll gelebtes Christentum versinnbildlichen: Zum Ende des Osterfestkreises symbolisiert sie den christlichen Lebensvollzug, das gläubige "Wallen", das Ziehen durch die Zeit, dem ewigen Vater entgegen.

Es symbolisiert die Heimkehr der Kinder Gottes in das ewige Jerusalem. Der realpräsente Gott wird sichtbar, er verlässt das "fanum" (lat. Tempel, das Allerheiligste) und durchzieht das "profanum" (lat. das dem Allerheiligsten Vorgelagerte). Zu diesem Zweck entstand die Monstranz: ein Ostensorium mit so genannten Lunula (ein halbmondförmiges Schiffchen, in das die Hostie hineingesteckt wird), und der Baldachin (Tragehimmel), ursprünglich ein Herrschaftszeichen der Monarchen.

Fronleichnamsspiele

Wie zu Weihnachten, der Passion und Ostern entstanden parallel Fronleichnamsspiele. Weil jedoch auf keine spezifischen Traditionen zurückgegriffen werden konnte, entwickelten sich überall unterschiedlichste Spiele entweder nach biblischen Stoffen oder nach Sagen und  Legenden. In Düsseldorf gingen die Spiele im 19. Jahrhundert schließlich in ein weltliches Künstlerfest über.