Konferenz zum Schutz der Minderjährigen in der Kirche "Dem Monster in die Augen schauen"

Die katholische Kirche steht wegen diverser Missbrauchsfälle seit mehr als zehn Jahren unter Druck. Papst Franziskus will nun mit einer viertägigen Kinderschutzkonferenz – ausgerichtet vom 21. bis 24. Februar im Vatikan gegensteuern. Bischöfe aus aller Welt sollen von Donnerstag an über das Thema beraten. Beschlüsse werden jedoch nicht erwartet.

Was ist der Hintergrund der Konferenz?

Tausende Missbrauchsfälle in zahlreichen Ländern stürzten die katholische Kirche in den vergangenen Jahren in eine tiefe Krise. In Deutschland machte im September eine Studie im Auftrag der Bischofskonferenz das Ausmaß sexuellen Missbrauchs durch Geistliche deutlich.

Auch der Papst selbst geriet im Herbst unter Druck, als ihm vorgeworfen wurde, Missbrauchsvorwürfe gegen den kürzlich aus dem Klerikerstand entlassenen US-Kardinal Theodore McCarrick vertuscht zu haben. Am 12. September berief Franziskus dann den Krisengipfel im Vatikan ein.

Ich bitte für dieses Treffen zu beten, das ich gewollt habe als Akt großer pastoraler Verantwortung angesichts einer dringenden Herausforderung unserer Zeit.

Papst Franziskus

Wer nimmt an dem Treffen teil?

Eingeladen sind 190 Kirchenvertreter, darunter die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen weltweit, Ordensobere sowie Mitglieder der Kurie und Experten. Opfergruppen beklagen, dass sie von den Beratungen ausgeschlossen seien. Die Organisatoren der Konferenz kündigten am Montag immerhin Treffen mit Betroffenenverbänden am Rande des Vatikan-Gipfels an. An den Planungen für das Bischofstreffen war unter anderen der deutsche Jesuit Hans Zollner beteiligt. Der Psychologe leitet das Zentrum für Jugendschutz an der Päpstlichen Gregorianischen Universität.

Wie ist der Ablauf?

Nach Angaben des Vatikans beraten die Teilnehmer in Vollversammlungen und Arbeitsgruppen. Zudem sind gemeinsame Gebete und eine Bußliturgie geplant. Papst Franziskus will an allen Konferenztagen teilnehmen. Den Abschluss bildet ein gemeinsamer Gottesdienst am Sonntag. Nach der Messe wird der Papst eine Ansprache halten. In den Tagen danach will der Papst in kleinem Kreis über die Schlussfolgerungen des Treffens und weitere Schritte beraten.

Was ist das Ziel der Konferenz?

Den Bischöfen solle ein klares Verständnis vermittelt werden, was zu tun ist, "um das weltweite Problem des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu bekämpfen und zu verhindern", erklärte der Vatikan im Vorfeld des Treffens.

„Wir brauchen jeden Einzelnen, um dem Monster in die Augen zu schauen, und wir dürfen keine Angst haben, wenn wir es wirklich besiegen wollen“, sagte Vatikan-Sprecher Alessandro Gisotti am Montag bei der Vorstellung des Programms für die Konferenz.

Außerdem gehe es um den Opferschutz und darum, dass kein Fall mehr vertuscht werde. Es handele sich aber nicht um eine "akademische Konferenz", sondern ein Treffen von Seelsorgern. "Abstimmungen oder Beschlüsse über Papiere sind nicht vorgesehen", erklärte der Vatikan. Zollner kündigte in einem "Welt"-Interview an, es gehe vor allem "um Machtstrukturen, darum wie mit Verantwortlichkeit, Rechenschaftspflicht und Transparenz umgegangen wird".

Was fordern Opfer- und Laienverbände?

Sie verlangen konkrete Maßnahmen zum Schutz vor Missbrauch, eine konsequente Bestrafung der Täter und darüber hinaus grundlegende Reformen in der Kirche. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken mahnt das "Ende einer Kultur der Verdrängung und des Selbstschutzes" der Kirche an.

Die Betroffeneninitiative Eckiger Tisch fordert, dass die vom Papst verkündete "Null-Toleranz"-Strategie gegenüber sexuellem Missbrauch konsequent umgesetzt wird. Priester, die Kinder missbraucht haben und Bischöfe, die solche Taten vertuschen, müssten von ihren Ämtern entbunden werden. Die internationale Vereinigung Ending Clergy Abuse ( ECA ) verlangt außerdem die Einrichtung einer unabhängigen Wahrheitskommission im Vatikan und eine Zusammenarbeit mit der staatlichen Justiz, um Missbrauchsfälle und deren mögliche Vertuschung aufzuarbeiten.

Quelle: KNA, AFP

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 11:15 Uhr