Jahresrückblick Krisen und Konflikte: Die Kirchen und das Jahr 2018

Nach den Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum 2017 brachte das Jahr 2018 für die beiden großen christlichen Kirchen vor allem Herausforderungen. Los ging es aber mit einer eher kuriosen Meldung.

von Susanne Sturm

Keine Glimmstängel mehr auf päpstlichem Gelände

Gleich zu Beginn des Jahres überraschte der Papst mit einem Verbot: Im Vatikan dürfen keine Zigaretten mehr verkauft werden. In den meisten Räumen des Vatikans herrschte bereits Rauchverbot, aber das Tabakgeschäft war jahrhundertelang eine sprudelnde Einnahmequelle des Heiligen Stuhls gewesen. Die Zisterzienser brachten den Tabak nach Italien, und die Päpste förderten Tabakunternehmen auf ihrem Territorium. Nun zog Papst Franziskus einen Schlussstrich. Der Heilige Stuhl wolle keine Geschäfte unterstützen, die der Gesundheit schadeten.

Am 11. März stirbt Kardinal Lehmann im Alter von 81 Jahren

In ganz Deutschland wird um den populären Kirchenmann getrauert. Lehmann genoss Sympathie und Respekt über die katholische Kirche hinaus. 33 Jahre war er Bischof in Mainz und fast 20 Jahre Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er scheute keine Spannungen mit der Kirche in Rom. Unvergessen ist 1999 sein vergeblicher Kampf um den Verbleib der Kirche im System der Schwangerschaftskonfliktberatung. Mit seiner weltoffenen, liberalen Haltung prägte der Kardinal aus Mainz das Bild seiner Kirche.

Streit unter den deutschen Bischöfen

Mehr als 40 Prozent der Christen in Deutschland leben in einer Ehe mit einem Partner aus einer anderen Konfession. Im Frühjahr sah es für eine Weile so aus, als ob es für diese Paare ökumenisch voranginge. Mit Zwei-Drittel-Mehrheit hatten sich  die katholischen Bischöfe  auf eine pastorale Handreichung geeinigt. Sie beschrieb, unter welchen Voraussetzungen evangelische Christen gemeinsam mit ihrem katholischen Ehepartner zur Kommunion gehen dürfen. Vielerorts wird das bereits praktiziert und auch akzeptiert, aber es geschieht quasi in einer theologischen Grauzone.

Die Orientierungshilfe sollte nun Klarheit bringen. Überraschend distanzierten sich sieben Bischöfe in einem Brief an den Papst von diesem Text, unter anderem der Görlitzer Bischof  Wolfgang Ipolt. Bischof Gerhard Feige aus Magdeburg wiederum gehörte zu den Verfassern und Verteidigern der Handreichung.

Nach monatelangem Hin und Her und dem vatikanischen Eingreifen ist es nun jedem Bischof überlassen, wie er den Zugang evangelischer Christen zur Eucharistie regeln will. Für betroffene Paare keine wirklich befriedigende Lösung, bleibt Deutschland doch in dieser Hinsicht ein ökumenischer Flickenteppich.

Kirchenasyl und Kreuzerlass

Im Juni fassten die Innenminister der Länder einen Beschluss, der es Gemeinden künftig erschwert Menschen im sogenannten Kirchenasyl aufzunehmen. Die meisten Geflüchteten müssen künftig anderthalb Jahre im geschützten Raum der Kirche ausharren, bis sie ein Asylverfahren bekommen. Vorher waren es sechs Monate. Ein Jahr mehr bedeutet für die Kirchengemeinden und die Betroffenen eine immense Anstrengung.

Ebenfalls im Juni kam es zur öffentlichen Kreuzaufhängung in bayerischen Amtstuben. Ministerpräsident Markus Söders Kabinett hatte im April beschlossen, dass in allen staatlichen Behörden in Bayern ein deutlich sichtbares Kreuz hängen muss. Einige Kirchenvertreter, wie Kardinal Reinhard Marx,  sahen diese Aktion kritisch und befürchten, das Kreuz werde politisch vereinnahmt.

Die Missbrauchsstudie der katholischen Kirche

Das Thema verunsichert  Kirche und Gesellschaft seit 2010, seit Klaus Mertes, der Leiter des Canisius-Kollegs der Jesuiten in Berlin, den Missbrauchsskandal an seiner Schule publik machte. 2014 hatten die Bischöfe einen Forschungsverbund um den Mannheimer Psychiater Harald Dreßing mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung beauftragt.

Im September 2018 wurde die Studie der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Forscher hatten nicht nur quantitative Erhebungen vorgenommen, sondern auch Täterstrategien analysiert, die Langzeitfolgen für die Opfer beschrieben und  das Verhalten der kirchlichen Verantwortlichen dokumentiert.

"Ich schäme mich für das Vertrauen, das zerstört wurde", sagte Kardinal Reinhard Marx und sprach von einem Wendepunkt für die katholische Kirche. Sein Amtsbruder, der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, ging in einem Interview noch weiter und sprach von einer "Struktur des Bösen"  und forderte einen radikalen Wandel.

 Und die evangelische Kirche?

Auch die evangelische Kirche musste sich 2018 dem Thema Missbrauch stellen. Intensiver und konsequenter als zunächst angenommen. Lange hatte man geglaubt, weniger „missbrauchsgefährdet“ zu sein. Die evangelischen Kirchen sind schließlich basisdemokratisch organisiert, ordinieren Frauen und kennen kein Zölibat. Aber auch hier gibt es Strukturen, die es Betroffenen schwer und Tätern leicht machen. Die Bischöfin Kirsten Fehrs wurde bei der Synode zur Missbrauchsbeauftragten der EKD bestimmt. Sie soll dafür sorgen, dass es auch in den evangelischen Kirchen ein verbindliches und wirksames Schutzkonzept und eine lückenlose Aufklärung gibt.

Aber es gab auch Grund zum Feiern

In Magdeburg wurde am 22. September dem Mauritius-Tag, an den Gründer des Bistums gedacht. Kaiser Otto I. legte 968 den Grundstein und machte seine Lieblingsstadt zu einem starken christlichen Zentrum. In einem ökumenischen Gottesdienst im Dom feierten katholische und evangelische Christen gemeinsam 1050 Jahre Bistumsgeschichte.

Museum zum Magdeburger Dom Königin Editha, Kaiser Otto I. und das Erzbistum

Lange wurde die Eröffnung erwartet. In den vergangenen Tagen wurde die Ausstellung noch auf Hochtouren vorbereitet. Nun ist das neue Dommuseum "Ottonianum" in Magdeburg eröffnet worden.

Ottonianum. Das Museum informiert auf rund 650 Quadratmetern Ausstellungsfläche über Kaiser Otto den Großen (912-973) und Königin Editha (910-946), das Erzbistum Magdeburg und die archäologischen Forschungen im und am Dom. Es werden rund 100 Exponate - darunter viele Originalfunde - gezeigt.
Am Sonnabend wurde das Dommuseum "Ottonianum" mit einem Festakt eingeweiht. Bildrechte: dpa
Ottonianum. Das Museum informiert auf rund 650 Quadratmetern Ausstellungsfläche über Kaiser Otto den Großen (912-973) und Königin Editha (910-946), das Erzbistum Magdeburg und die archäologischen Forschungen im und am Dom. Es werden rund 100 Exponate - darunter viele Originalfunde - gezeigt.
Am Sonnabend wurde das Dommuseum "Ottonianum" mit einem Festakt eingeweiht. Bildrechte: dpa
Ottonianum. Das Museum informiert auf rund 650 Quadratmetern Ausstellungsfläche über Kaiser Otto den Großen (912-973) und Königin Editha (910-946), das Erzbistum Magdeburg und die archäologischen Forschungen im und am Dom. Es werden rund 100 Exponate - darunter viele Originalfunde - gezeigt.
Im Dom gab es am Sonnabend bereits Rundgänge für geladene Gäste. Bildrechte: dpa
Ottonianum. Das Museum informiert auf rund 650 Quadratmetern Ausstellungsfläche über Kaiser Otto den Großen (912-973) und Königin Editha (910-946), das Erzbistum Magdeburg und die archäologischen Forschungen im und am Dom. Es werden rund 100 Exponate - darunter viele Originalfunde - gezeigt.
Im neuen Dommuseum, das sich im ehemaligen Reichsbankgebäude untergebracht ist, das acht Jahre lang umgebaut worden war, finden sich jetzt mehr als 100 Exponate. Bildrechte: dpa
Ottonianum. Das Museum informiert auf rund 650 Quadratmetern Ausstellungsfläche über Kaiser Otto den Großen (912-973) und Königin Editha (910-946), das Erzbistum Magdeburg und die archäologischen Forschungen im und am Dom. Es werden rund 100 Exponate - darunter viele Originalfunde - gezeigt.
Das Museum hat dann am Sonntag auch für die große Öffentlichkeit die Pforten geöffnet. Bildrechte: dpa
Ottonianum. Das Museum informiert auf rund 650 Quadratmetern Ausstellungsfläche über Kaiser Otto den Großen (912-973) und Königin Editha (910-946), das Erzbistum Magdeburg und die archäologischen Forschungen im und am Dom. Es werden rund 100 Exponate - darunter viele Originalfunde - gezeigt.
Zu sehen sind Exponate aus drei großen Themenkomplexen: Königin Editha, Otto I und das Erzbistum Magdeburg. Aber auch alles rund um die bisherigen Grabungen am und um den Dom finden sich zahlreiche Ausstellungsstücke. Bildrechte: dpa
Ottonianum. Das Museum informiert auf rund 650 Quadratmetern Ausstellungsfläche über Kaiser Otto den Großen (912-973) und Königin Editha (910-946), das Erzbistum Magdeburg und die archäologischen Forschungen im und am Dom. Es werden rund 100 Exponate - darunter viele Originalfunde - gezeigt.
Der Magdeburger Dom erhält damit in unmittelbarer Nähe einen Ort, an dem die Geschichte zu ihm und rund um das Herrschergeschlecht der Ottonen näher beleuchtet wird.

Das Thema im Programm:

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir I 04. November 2018 I 10 Uhr

Quelle: MDR/mg
Bildrechte: dpa
Alle (6) Bilder anzeigen

Der Görlitzer Bischof Ipolt konnte -  nach 200 Jahren Unterbrechung -  in Neuzelle wieder ein Zisterzienser-Kloster errichten. 750 Jahre nach der Gründung des ersten Klosters war es 1817 vom preußischen Staat geschlossen worden. Jetzt leben wieder sechs Mönche dort. Die Neugründung fand im Rahmen der Bistumswallfahrt des Bistums Görlitz statt, auf dessen Gebiet Neuzelle liegt. 

Kloster Neuzelle
Das Kloster Neuzelle Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Reformationstag jetzt auch in Norddeutschland arbeitsfrei

Nachdem aus Anlass des 500. Reformationsjubiläums im letzten Jahr einmalig in allen Bundesländern der 31. Oktober Feiertag war, haben 2018 einige weitere Länder entschieden, den Reformationstag zum gesetzlichen Feiertag zu erklären: Künftig wird auch in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein arbeits- und schulfrei sein. In Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen war das schon vorher so. 

Kirchensteuerzuwachs trotz Mitgliederschwund

Schaut man auf die aktuellen Zahlen, gab es auch 2018 keine Trendwende. Die Kirchen schrumpfen langsam, aber kontinuierlich. Bei den Protestanten gingen die Mitgliederzahlen 2017 im Vergleich zu 2016 um 390.000 auf gut 21,5 Prozent zurück. Das entspricht einem Minus von 1,8 Prozent. Die Katholiken verloren 268.000 Mitglieder, das entspricht einem Minus von 1,1 Prozent.

Doch trotz rückläufiger Mitgliedszahlen können die Kirchen Rekordeinnahmen verzeichnen. Gemeinsam erhalten die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer 12,6 Milliarden Euro an Kirchensteuererträgen. Grund dafür ist die gute Wirtschaftslage. Dass sich diese Situation langfristig ändern wird, ist den Kirchenleitungen bewusst, und so werden heute schon Gemeinden zusammengelegt, Kirchbauten aufgegeben. Prozesse, die gerade in Mitteldeutschland evangelische wie katholische Gemeinden herausfordern und das kirchliche Leben verändern.

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2019, 09:51 Uhr