Leere Kirchenbänke in einer katholischen Kirche
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Jahresstatistiken 2018 Mitgliederschwund bei den Kirchen hält an

Die Zahl der Kirchenmitglieder schwindet weiter deutlich. Das ist das Ergebnis der am Freitag vorgestellten Jahresstatistiken für 2018 der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. Evangelische und katholische Kirche verlieren demnach 2018 noch mehr Mitglieder als bereits im Jahr zuvor.

Leere Kirchenbänke in einer katholischen Kirche
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Die Zahl der Kirchenaustritte in Deutschland ist im vergangenen Jahr gestiegen. 216.000 Menschen hätten 2018 die katholische Kirche verlassen, teilte die Deutsche Bischofskonferenz am Freitag in Bonn mit. Das sind 48.500 Austritte mehr als 2017. Insgesamt sank die Zahl der Katholiken in Deutschland im vergangenen Jahr um gut 300.000 auf 23 Millionen.

Bei den Protestanten traten 220.000 Menschen aus der Kirche aus, 23.000 mehr als 2017, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover mit. Die Gesamtzahl der Protestanten verringerte sich um 1,8 Prozent auf gut 21 Millionen. Durch die positive Entwicklung der Löhne und Einkommen sei jedoch das Kirchensteueraufkommen 2018 trotz des Rückgangs leicht auf 5,79 Milliarden Euro gestiegen.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte dazu, dass jeder Austritt schmerze. Allerdings könne man sich heute anders als früher völlig frei entscheiden, ob man in der Kirche bleiben wolle.

Heinrich Bedford-Strohm
Heinrich Bedford-Strohm Bildrechte: dpa

Wir sind dankbar für die vielen Menschen, die sich heute aus Überzeugung für die Mitgliedschaft in ihrer Kirche entscheiden.

Heinrich Bedford-Strohm

Auf katholischer Seite bezeichnete der Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, die Entwicklung als „besorgniserregend“. Ein Grund für die gestiegene Zahl der Austritte sei sicher die im September veröffentlichte Missbrauchsstudie.

Dadurch sei eine große Debatte ausgelöst worden. "Viele glauben uns nicht mehr, dass wir konsequent und entschlossen gegen Tätervorgehen“, sagte Langendörfer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Der Bischof von Münster, Felix Genn, äußerte, nach der Veröffentlichung der Studie hätten viele wohl gedacht: "Jetzt reicht es mir endgültig."

Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" bezeichnete die Austrittszahlen als "erschütternd".

Auch die Kirchen in Mitteldeutschland mit negativem Trend

Auch die Zahl der Kirchenmitglieder in Mitteldeutschland ist weiter rückläufig. So gab es Ende vergangenen Jahres in Sachsen 730.826 Protestanten, das sind 13.902 weniger als 2017, wie die Evangelische Kirche in Deutschland am Freitag bekannt gab. Der katholischen Kirche gehörten nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 152.321 Sachsen an, 310 weniger als im Vorjahr.

In Sachsen-Anhalt gab es im vergangenen Jahr 263.513 Protestanten, das sind 8.159 weniger als 2017. Der katholischen Kirche gehörten nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 73.659 Einwohner an, 2.228 weniger als im Vorjahr. Und auch in Thüringen ging die Mitgliederzahl zurück: Ende vergangenen Jahres verzeichnete die evangelische Kirche 445.503 Mitglieder, das sind 13.857 weniger als 2017. Der katholischen Kirche gehörten 163.582 Thüringer an, 2.161 weniger als im Vorjahr.

Quelle: dpa/KNA

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 15:58 Uhr