Erzbischof Rainer Maria Woelki Katholische Kirche: Bischofsrücktritt nur auf Geheiß des Papstes

Dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki wird vorgeworfen, seit Monaten ein ein Gutachten zum Umgang mit sexuellem Missbrauch zurück zu halten. Deshalb fordern Kritiker seinen Rücktritt. Am Donnerstag (18.04.2021) stellt der Bischof nun ein neues Gutachten vor. Dessen Inhalt wird auch über seinen Verbleib im Amt entscheiden. Doch das letzte Wort liegt beim Papst.

Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof
Erzbischof Rainer Maria Woelki. Bildrechte: dpa

"Ich übergebe dir diesen Stab als Zeichen des Hirtenamtes. Trage Sorge für die ganze Herde Christi, denn der Heilige Geist hat dich zum Bischof bestellt, die Kirche zu leiten." Mit diesen Worten wird einem Bischof bei der Weihe der Hirtenstab als Amtszeichen übergeben. Weitere Insignien sind die Mitra und der Bischofsring, die den Oberhirten wie einen kleinen Monarchen in seinem Bistum wirken lassen.

Kirche nicht gefährden

Und doch gilt, wie der Kirchenhistoriker Hubert Wolf sagt:

Die Bischöfe werden zwar hochgejubelt einerseits, sind aber andererseits nur die Oberministranten des Papstes.

Hubert Wolf | Kirchenhistoriker

Der Papst kann einen Bischof  nur dann seines Amtes entheben, wenn dieser aus Sicht des Vatikans Irrlehren vertritt. Wie zum Beispiel 1976 der ultrakonservative Bischof Marcel Lefebvre, der sich gegen die Ökumene und gegen die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils gewandt hatte.

Doch eigentlich versuche der Vatikan, Rücktritte zu vermeiden, sagt Hubert Wolf. In Rom probiere man zunächst, einen fehlgegangenen Bischof durch Korrektur wieder in die richtige Spur zu bringen: "Denn durch jeden Rücktritt gefährdet man das hierarchische System der Bischofskirche", betont der Kirchenhistoriker.

Im Zweifelsfall für den Würdenträger

Thomas Schüller, Professor für Kirchenrecht an der Universität Münster, bestätigt das. Es werde 'in dubio pro clerico' entschieden, sagt Schüller. Im Zweifelsfall stärke der Vatikan dem leitenden Würdenträger zunächst den Rücken. "Denn Rom mag es gar nicht, wenn der Eindruck entsteht, dass ein missliebiger, möglicherweise konservativer Bischof, vom Hofe gejagt wird", erklärt der Kirchenrechtler.

Von sich aus können die katholischen Oberhirten gar nicht zurücktreten. Wer vor dem 75. Geburtstag, sozusagen der Pensionsgrenze für Bischöfe, dem Papst seinen Rücktritt anbietet, wird in der Regel vom Vatikan zu diesem Schritt gedrängt. Wie beispielsweise der Augsburger Bischof Walter Mixa, der, nicht ganz freiwillig, im April 2010 Papst Benedikt seinen Rücktritt anbot. Hubert Wolf: "Es geht darum, das System zu stabilisieren. Da will man keine Verurteilung oder Absetzung von Bischöfen, sondern der Bischof selber wird sich prüfen. Und dann wird er dem Papst seinen Rücktritt anbieten, den der dann annimmt."

Bischof bleibt Bischof

Mit Blick auf den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst meint der Kirchenrechtler Schüller, ein Bischof könne sich auch schon mal einen Skandal leisten. Tebartz-van Elst geriet unter anderem wegen der Luxusausstattung seines Bischofshauses in die Kritik. Zu Fall brachte ihn aber, dass er sich zu weit vom Kirchenvolk entfernt hatte. "Denn wenn kein Vertrauen mehr da ist, das weiß auch Rom, macht es keinen Sinn, einen Bischof auf Dauer im Amt zu lassen", erklärt Schüller.

Doch ein Bischof, der vom Papst aus seinem Bistum abgezogen wird, fällt in der Regel nicht tief. So ist Franz-Peter Tebartz-van Elst heute Kurienbischof in Rom. Dazu sagt der Kirchenhistoriker Hubert Wolf: "Wenn Sie zum Bischof geweiht sind, dann sind Sie zum Bischof geweiht, ob Sie jetzt zurücktreten oder nicht. Sie bleiben Bischof, weil man ein Sakrament nach der Lehre der Kirche nicht verlieren kann."

Bischofsamt auf Zeit?

In der katholischen Kirche bleibt der Bischof in der Regel im Amt, bis er 75 Jahre alt ist. In den meisten evangelischen Kirchen ist das Bischofsamt zeitlich begrenzt. Ein Modell, das sich der katholische Kirchenrechtler Thomas Schüller auch für seine Kirche wünscht: "Denn wenn ich weiß, ich bin ein Amtsträger auf Zeit, verhalte ich mich anders als wenn ich weiß: Einmal ernannt, kann ich tun und lassen, was ich will. Mir kann keiner etwas, weil ich ja Bischof bin."

Ein Thema, das auch beim Synodalen Weg, dem derzeitigen Reformprozess der deutschen Katholiken, diskutiert wird. Dort geht es unter anderem darum, die Macht des Klerus zu beschränken und dem Kirchenvolk mehr Mitwirkung einzuräumen.