Aktionswoche Kirchen eröffnen "Woche für das Leben"

Unter dem Motto «Leben im Sterben» thematisiert die ökumenische Aktionswoche die Sterbebegleitung sowie die Hospiz- und Palliativversorgung von Sterbenden und Schwerkranken. Den assistierten Suizid lehnen beide Kirchen ab.

Ökumenischer Gottesdienst
Georg Bätzing (m.l) und Heinrich Bedford-Strohm (m.r) beim Eröffnungsgottesdienst. Bildrechte: Schnall/Bistum Augsburg

Im Auftakt-Gottesdienst haben sich die Kirchenvertreter für eine menschenwürdige Sterbebegleitung und gegen den assistierten Suizid ausgesprochen. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, warnte vor einer möglichen Legalisierung des assistierten Suizids. Ein entsprechendes Verbot hatte das Bundesverfassungsgericht im vergangenen Jahr gekippt.

Bätzing befürchte, dass der Druck auf alte und kranke Menschen, dem Leben selbst ein Ende zu setzen, wachsen werde: "Für mich ist hier die Gefahr eines Dammbruchs gegeben, wenn eine Legalisierung der Beihilfe zur Selbsttötung möglich wird."

Bedford-Strohm für Stärkung der Palliativversorgung

Auch die evangelische Kirche Deutschland lehnt den geschäftsmäßig assistierten Suizid ab. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedfohrd-Strom, sprach sich stattdessen für eine Stärkung der Palliativversorgung von Schwerkranken und Sterbenden aus: "Die Pflegeversicherung muss so ausgestattet werden, dass genügend Personal zur Verfügung steht, und dass auch die Zeit, um Menschen zu begleiten, mit eingerechnet werden kann in das Zeitbudget."

Damit lehnte der Ratsvorsitzende ein Plädoyer einiger Vertreter der Evangelischen Kirche, den assistierten Suizid auch in kirchlichen Einrichtungen zu ermöglichen, erneut ab.

Kritik von Patientenschützern

Kritik gab es seitens der Stiftung Deutscher Patientenschutz. Wie ihr Vorsitzender, Eugen Brysch, nach dem Eröffnungs-Gottesdienst mitteilte, geht es in der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nicht allein um Sterbende. Der Anspruch auf Selbsttötung habe nichts mit Leidenskriterien oder Alter zu tun. Zudem müsse, wie Brysch betonte, das Tun von Suizidhelfern in den Fokus genommen werden.

Im Rahmen der "Woche für das Leben" finden bis zum 24. April bundesweit Veranstaltungen statt. Die Aktion wurde 1991 von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken gegründet. Seit 1994 ist es eine ökumenische Initiative.

Peter Dabrock, ehemaliger Chef des Deutschen Ethikrates, 2018 9 min
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Über die beiden Entwürfe zum neuen Sterbehilfe-Gesetz spricht Annett Mautner mit dem Theologen und Ethiker Peter Dabrock.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 01.02.2021 06:00Uhr 08:45 min

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