Verschlungene Wege Spirituelle Gärten: Das Pflanzen-Labyrinth im Kloster Helfta

Ein schöner Garten – das kann ein Ort des Rückzugs sein, der Ruhe – ein Ort, an dem Menschen zu sich selbst finden, kurz: ein kleines Paradies. So ein Garten ist im Kloster Helfta bei Eisleben zu finden. Im Mittelalter war das Frauenkloster ein Zentrum der christlichen Mystik, nach der Reformation wurde es geschlossen, zu DDR-Zeiten wurden die Gebäude als Volkseigenes Gut genutzt. Seit 1999 leben wieder Zisterzienserinnen in Helfta. Bekannt ist der Ort inzwischen auch wegen seines Labyrinths.

Pflanzenlabyrinth im Kloster Helfta
Weg durchs Pflanzen-Labyrinth im Kloster Helfta Bildrechte: MDR/Saskia Barthel

Elf Zisterzienserinnen leben heute im Kloster Helfta. Eine von ihnen ist Schwester Sandra Gelbe. Am Eingang des Pflanzen-Labyrinths, das hinter den Klostermauern liegt, erläutert sie ihren Blick auf den 350 Meter langen, verschlungenen Weg hindurch: "Ein Labyrinth ist nicht verschlungen in dem Sinn, dass da irgendwelche Sackgassen drin sind. Der Weg führt zum Ziel. Aber er ändert immer mal die Richtung, wie der Lebensweg auch. So entstehen beim Gehen neue Eindrücke und Einsichten."

Inspiriert von der Tradition der Frauenklöster

Angelegt wurde das Labyrinth vor sieben Jahren mit insgesamt knapp 3.000 Pflanzen: Katzenminze, Johanniskraut, Frauenmantel – insgesamt 58 verschiedene Pflanzen, darunter viele Kräuter und Heilpflanzen, blühen hier zwischen März und Oktober und verströmen ihren Duft. Inspiriert ist es von einer alten Tradition der Frauenklöster, denn die waren oft verbunden mit Spitälern, wie Schwester Sandra Gelbe erläuert: "Wenn man Kranke hat, dann braucht man auch Medizin und die Medizin im Mittelalter kam aus dem Garten."

Labyrinth als "Türöffner" ...

Pflanzenlabyrinth im Kloster Helfta
Verschlungene Wege Bildrechte: MDR/Saskia Barthel

Das halb verfallene Kloster, dessen Sprengung 1988 so eben noch verhindert werden konnte, ist nach der Wende zum Teil wiederaufgebaut worden. 1999 zogen die ersten Zisterzienserinnen ein. Die Idee zum Labyrinth von Helfta hatte die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands. Die Merseburgerin Barbara Striegel ist Vorsitzende des Trägervereins "Lebendiges Labyrinth" und erinnert sich, dass der Wiederaufbau zunächst etwas argwöhnisch beäugt wurde, nach dem Motto die reiche Kirche habe das Geld, das andernorts fehle. Das Labyrinth sollte helfen, eine andere Art von Zugang zum Kloster zu schaffen: "Wir haben gedacht, mit dem Labyrinth können wir es den Menschen leichter machen, diesen spirituellen Ort zu besuchen und eigene Erfahrungen zu sammeln."

... und altes christliches Symbol

Pflanzenlabyrinth im Kloster Helfta
Blick in den Klosterhof Bildrechte: MDR/Saskia Barthel

Das Labyrinth sei ein altes christliches Symbol und nicht zu verwechseln mit einem Irrgarten, betont Schwester Sandra Gelbe:  "Der Irrgarten ist eine Entwicklung der Gartenkultur. Das hat im 16. Jahrhundert in Italien angefangen, das ist nichts Christliches. Da geht es darum, dass es irgendwo nicht weitergeht." Ein christliches Labyrinth sei dagegen ein Symbol für die Umkehr im Leben, nachdem man Christus begegnet sei: "Ein Labyrinth geht von außen nach innen durch verschlungene Wege und von der Mitte kehrt man um und geht wieder hinaus. Das ist ja auch der Sinn des christlichen Lebens: 'Ich komme in Berührung mit dem, was Gott mir auf den Weg legt.'"

Herz statt Kreuz

Die meisten christlichen Labyrinthe sind von der Grundform als Kreuz angelegt. Das in Helfta aber ist ein Herz – mit einem Zentrum, das durch den dichten Bewuchs wie ein grüner Schutzraum wirkt. Nicht nur die Nonnen suchen das Labyrinth oft auf:   "Da gibt es auch ein Schloss, wo zwei Liebende sich die Treue versprochen haben", weiß die Zistersienserin.

Das Labyrinth werde sehr gut angenommen, sagt Barbara Striegel, die auch Mitglied im Bundesvorstand der Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands ist: "Jeder Mensch kann in seiner eigenen Freiheit das Symbol suchen und finden. Es ist wie im Leben auch: Manche machen das sehr oberflächlich, aber es gibt auch Menschen, die diese Wegstrecke des Labyrinths ganz intensiv abgehen und den Ort so nutzen, wie wir ihn erträumt haben."

Mittlerweile – sagt Barbara Striegel stolz – sei das grüne Labyrinth nicht mehr wegzudenken aus Helfta.

Kloster Helfta besuchen Kloster St. Marien zu Helfta
Lindenstraße 36
06295 Lutherstadt Eisleben
Tel: 03475 / 711 400

Führungen über das Klostergelände können per Mail vereinbart werden:
fuehrung.kloster@gmail.com

Treffpunkt für Führungen ist die Klosterkirche. Bei gutem Wetter beginnen die Führungen draußen und enden in der Kirche. Es bietet sich daher an, die Führung so zu legen, dass im Anschluss eine der Gebetszeiten der Schwestern ist.

Eine Führung dauert eine Stunde. Danach kann auch das Labyrinth eigenständig erkundet werden.

Spirituelle Orte

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. August 2021 | 09:15 Uhr

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