Landesgartenschau Torgau "Nimm Platz, atme auf": Das Kirchenwäldchen auf der LAGA Torgau

Auf der Landesgartenschau Torgau laden Christinnen und Christen im "Kirchenwäldchen" zum Ausspannen und Aufatmen. Projektleiterin Nicol Speer sieht es auch als ort der Begegnung und des Gesprächs in Zeiten, "in denen die Menschen durch Corona, durch den Krieg in der Ukraine auch eine Last auf der Seele haben."

Landesgartenschau Torgau
Die LAGA Torgau 2022. Bildrechte: IMAGO / Richard Wareham

Auf den Altar unter den Bäumen stellt Elisabeth Kölz Flieder und Pfingstrosen. Sie hat sie in ihrem Garten in Großwig gepflückt: "Mein Garten rettet mich jeden Tag. Darin habe ich viel Arbeit, ich müsste ihm böse dafür sein – aber nein, das ist ein Geschenk."

"Ein Geschenk"

Auch die Torgauer Landesgartenschau ist ein Geschenk für Elisabeth Kölz. Und eine Rettung. Vor acht Monaten ist ihr Mann gestorben – nun steht sie an dem aus einem dicken Pappelstamm gesägten Altar im Kirchenwäldchen. Ein, zwei Mal pro Woche ist sie hier und begleitet Besucher. Das ist gut gegen das Alleinsein, sagt Kölz: "Dieses Staunen über die Blumen, über die Beete ist für mich wunderbar. Gerade wurde wieder neu gepflanzt. Und alle Menschen gehen hier mit so einer Freude, so einer Begeisterung entlang."

Von Mönchen, Domen und Gärten

Gott und die Welt: Gespräche in der Natur

Im Kirchenwäldchen hält Elisabeth Kölz ihre erste Andacht zusammen mit ihrer Freundin und Nachbarin Erika Süptitz. Sie deckt danach einen hölzernen Tisch unter den Bäumen des Kirchenwäldchens: die Küchenecke. Erika Süpitz ist wichtig, dass die Küchenecke Gemütlichkeit ausstrahlt: "Ich möchte zum Gespräch über Gott und die Bibel einladen, nicht nur das Essen im Kopf haben."

Kirchenwäldchen
Das Kirchenwäldchen im Aufbau. Bildrechte: Mathias Schaefer

Die Küchenecke ist nicht der einzige Ort im Kirchenwäldchen, an dem rund 40 Christinnen und Christen aus ganz verschiedenen Kirchen zum Verweilen einladen. Es gibt Kirchenbänke unter den Bäumen, eine Hängematte, eine Jurte oder eine Terrasse mit Blick über die Elbe. Gemäß des Mottos "Nimm Platz, atme auf" sucht auch Nicol Speer unter den Bäumen das Gespräch mit den Besucherinnen und Besuchern. Genau das ist für die Projektleiterin der Sinn des christlichen Angebots auf der Landesgartenschau:

Wir sehen ja, dass die Menschen durch Corona, durch den Krieg in der Ukraine auch eine Last auf der Seele haben. Wir wollen ihnen einen schönen Ort bieten, wo sie sie einfach zur Ruhe kommen können.

Nicol Speer Projektleiterin

Garten als Symbol für den Lebenszyklus

Wenn Nicol Speer zur Andacht läutet, hängt die Glocke im Kirchenwäldchen auch an einem Baum. Das Ganze ist ein Experiment. Es gehört zu den "Erprobungsräumen" der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Es soll Menschen erreichen, die sonst kaum in eine Kirche gehen, sagt Nicol Speer: "Wir merken hier, dass Menschen, die vorbeigehen, während eine Andacht stattfindet, ganz inspiriert stehen bleiben und dann auch bereichert weitergehen. Das ist in einem Kirchengebäude so nicht möglich."

Doris und Christoph Schaarschmidt sind aus Lichtenau bei Chemnitz zur Torgauer Gartenschau gefahren. Sie haben das Kirchenwäldchen ganz gezielt angesteuert, erzählt Doris Schaarschmidt: "Wir haben das als sehr schönen Platz empfunden, zum Ruhe-Finden, zum Rückzug auch, um die Natur noch einmal bewusst zu genießen." Für Christoph Schaarschmidt gehören Natur und Glaube eng zusammen, wie er sagt: "Man sieht das Wachsen und Entstehen, das Neuentstehen und das Leben, wie es sich vermehrt und wie es vergeht. Im Garten kann man den ganzen Lebenszyklus erkennen."

Wäldchen statt Worte

Und ein Garten kann Trost spenden – so wie für Elisabeth Kölz. Blühen und vergehen, sprießen und sterben – hier gehört es zusammen. Und wenn sie auf die Osterglocken schaut, die langsam welk werden, staunt sie über deren Schönheit: "Man tritt aus seiner Haustür, atmet und schon ist alles nur noch halb so schwer. Und das kommt doch irgendwoher: Der liebe Gott ist überall, er ist vor allem auch draußen."

Die Schönheit all der Blumen und Bäume hier: Sie öffnet für Elisabeth Kölz den Blick noch für etwas Größeres. Für etwas, das Worte kaum fassen können. Ein Kirchenwäldchen aber schon.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Mai 2022 | 08:15 Uhr