#Mommywars Mütter unter Druck: Konkurrenzkampf mit Kinderwagen

Ein Film von Carolin Hillner

Ob in der Kita, bei Verwandten oder Freunden: Mutter werden gerne belehrt, beleidigt oder kritisiert. Im Netz hat das Phänomen, dass Mütter wetteifern und sich anfeinden sogar schon einen Hasthag: "'#Mommywars." Ein Grund für den Wettkampf ist fehlende soziale Anerkennung.

Nina und Semjon mit den beiden Töchtern Hannah und Palina beim Mittagessen. 30 min
Bildrechte: MDR/Carolin Hillner

"Wenn Du Dein Kind immer nur trägst, verwöhnst Du es nur!", "Was, Deine Kinder dürfen bei Dir im Bett schlafen?", "Iiih, du stillst wohl immer noch?"

Anfeindungen wie diese hat Nina Heidrich aus Leipzig schon überall erlebt. Ob im Geburtsvorbereitungskurs, in der Nachbarschaft, beim Spaziergang mit dem Kinderwagen oder bei der Familienfeier - egal was sie als Mutter tut, andere wissen es immer besser. Doch am gnadenlosesten urteilen oft andere Mütter. Das Mutter-Sein kann offenbar zum regelrechten Wettkampf ausarten.

Mütter im Wettkampf-Modus

Nah dran Konkurrenzkampf Kinderwagen
Nina Heidrich teilt ihr Mutter-Sein im Netz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit "#Mombashing" und "#Mommywars" hat der Mütterkrieg im Netz schon ein feste Schlagwörter. In der Anonymität des Internets fallen oft sogar die letzten Grenzen. Nina Heidrich verdient ihr Geld als Influencerin auf Instagram. Ihre über 50.000 Followerinnen sind hauptsächlich Mütter. Nina Heidrich ist klar: Wer viel von sich zeigt, macht sich angreifbar. Doch wie feindselig Mütter untereinander sein können, überrascht sie immer wieder. Obwohl der Umgangston auf ihrem Profil hauptsächlich respektvoll ist, muss sie immer wieder Kommentare löschen, die zu weit gehen. Zunehmend fühlt sie sich als Zielscheibe für Hass und Frust.

Streben nach Anerkennung

Im realen Leben wird der Mütterkrieg meist subtiler ausgetragen. Soziologen sehen darin ein Streben nach Anerkennung, weil die Gesellschaft den Erfolg einer Mutter stark nach dem des Kindes bemisst. Doch weil die Rollenerwartungen an Mütter so unterschiedlich seien, könnten Frauen an diesen Ansprüchen nur scheitern, sagt Eva Tolasch von der Universität Jena. Die Soziologin ist Frauen- und Geschlechterforscherin und kennt sich mit Mutterbildern aus. Der Konkurrenzkampf unter Müttern sei keineswegs ein persönliches Problem, sagt sie. Denn die Mütter föchten aus, was das gesellschaftliche Ideal ihnen vorgebe. Und wenn in der Familie etwas schieflaufe, werde fast immer die Mutter dafür verantwortlich gemacht, erklärt Tolasch.

Diesen Druck spüren Mütter jeden Tag. Sie stehen unter Beobachtung: Laut einer Forsa-Umfrage sind 77 Prozent der Frauen schon einmal für den Umgang mit ihrem Kind kritisiert worden. Jede zweite Mutter hat sich deswegen schon einmal als schlechte Mutter gefühlt.

Ratschläge können verletzen

Familie Lachmann im Lockdown am Mittagstisch.
Familie Lachmann am Mittagstisch. Bildrechte: MDR/Carolin Hillner

Dass vermeintlich gut gemeinte Ratschläge sich wie Schläge anfühlen können, weiß auch Priska Lachmann nur zu gut. Die 35-Jährige hat Theologie studiert, ist Autorin, Mutter von drei Töchtern und kennt viele dieser scheinbar harmlosen Bemerkungen, in deren Unterton doch eine Bewertung mitschwingt. Auch wenn sie es nicht will, sorgen manche bei ihr für Kopfkino und kommen auch Jahre später in Verzweiflungsmomenten wieder hoch. Das findet sie zermürbend.

Mütter leisten unheimlich viel und stellen eigene Bedürfnisse zurück. Im Spagat zwischen alten Rollenbildern und neuen Anforderungen reiben Frauen sich tagtäglich auf.
Während Nina Heidrich auf ihrem Instagram-Kanal anderen Frauen Mut machen möchte, möchte Priska Lachmann mit ihren Texten anderen Frauen Halt geben und sie ermutigen, sich selbst öfter auf die Schulter zu klopfen.

Priska Lachmann wünscht sich mehr Solidarität und Toleranz. Sie ist überzeugt, dass Frauen sich Hilfe suchen müssen, um nicht am Druck zu zerbrechen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 04. März 2021 | 22:40 Uhr