Nah dran | 02.07.2020 | In der Mediathek Wenn Mütter trauern - Leben nach dem Unfalltod

Drei Berliner Mütter, die ihre schon erwachsenen Kinder durch schwere Unfälle verloren haben, erzählen von den tragischen Geschehnissen um den Tod ihrer Kinder und die nachfolgende juristische Aufarbeitung. Jede von ihnen leistet Trauerarbeit auf eigene Weise. Die emotionale Reportage von Gunther Scholz ermöglicht sehr persönliche Einblicke in das Leben nach einem tragischen Verlust.

Eine Frau legt Blumen nieder
Bildrechte: rbb

Vaja Marcone verlor 2011 ihren Sohn Guiseppe (22), als er einer Schlägerei ausweichen wollte und auf dem Berliner Kaiserdamm in ein Auto lief.

Man schreit richtig vor Schmerz, das hätte ich nicht gedacht, diese Nachricht war ein extrem körperlicher Schmerz, der einen so eng trifft, dass man nur noch schreien kann, man will ihn ja loswerden […]

Vaja Marcone

Fabienne Martini (21) wurde im Januar 2018 getötet, als ihr Auto nahe dem Tunnel am Alexanderplatz von einem Einsatzfahrzeug der Polizei gerammt wurde und sie noch am Unfallort verstarb. Noch immer müssen Britta und Christian Martini, ihre Eltern, auf einen klärenden Gerichtsprozess warten.

Das Bild einer jungen Frau neben Kerzen
Platz des Gedenkens: Die Unfallstelle von Fabienne Bildrechte: rbb

Ein Kind, was man unterm Herzen getragen hat, neun Monate. Kann man gar nicht mit Worte beschreiben, was man da für Schmerzen erleidet. Und manchmal frage ich mich: wie haben wir diese Zeit rumgekriegt, 19 Monate ohne sie?

Britta Martini

Johanna Hahn stand mit ihrem Fahrrad an einer Kreuzung in Berlin-Charlottenburg, als eine von Zivilstreifen verfolgte Diebesbande bei Rot über die Kreuzung raste. Sie war sofort tot, niemand konnte mehr helfen. Die Mutter Susanne versucht zur Zeit bei einer Reha in der Nähe von Berlin Hilfe bei ihrer Trauer zu bekommen, nachdem der Prozess gegen den Todesfahrer, an dem sie jeden Tag teilnahm, vor dem Berliner Landgericht mit einer lebenslangen Haftstrafe zu Ende ging.

Zwei Frauen und ein Mann sitzen auf einer Bank
Susanne Hahn mit ihren beiden Kindern Bildrechte: rbb

Es hat sich ja zuhause nur noch alles um Hanni gedreht. So nach dem Motto: Ich vermisse Hanni und wenn die negativen Gefühle kommen, die Trauer, die Traurigkeit und alles, dann ist alles andere vergessen, dann geht es nicht weiter. Deswegen ist es jetzt der richtige Zeitpunkt, das Leben vielleicht noch mal neu, irgendwie anders zu sehen.

Susanne Hahn

Drei Mütter, die sich inzwischen auch kennen, geeint durch den so frühen und tragischen Tod ihrer Kinder. Jede trauert auf ihre Weise und doch lassen sie die Kamera daran teilhaben. Die emotionale Reportage ermöglicht sehr persönliche und unterschiedliche Einblicke in das Leben nach einem tragischen Verlust.