Judenverfolgung im Dritten Reich Gedenken an die Reichsprogromnacht

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 organisieren Truppen der SA und der SS gewalttätige Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung. Synagogen werden angezündet, Geschäfte geplündert, jüdische Bürger verfolgt und deportiert. Rund 100 Menschen werden ermordet. Die Übergriffe gehen als "Kristallnacht" in die Geschichte ein. In diesem Jahr finden coronabedingt nur eingeschränkt Gedenkveranstaltungen statt.

November 1938, eine Frau läuft an einer Druckerei mit kaputten Fensterscheiben vorbei.
Eine Druckerei in Berlin: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden viele jüdische Geschäfte demoliert und geplündert Bildrechte: imago/United Archives International

Die Übergriffe jener Nacht sind nur der Auftakt der systematischen Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten. Zunehmend ausgegrenzt, wirtschaftlich ruiniert und gedemütigt werden die Juden jedoch schon vorher, spätestens seit 1933 nach der Machtübernahme Hitlers. So wird bereits im April 1933 zum Boykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen und Anwaltskanzleien aufgerufen, im Mai 1933 folgen die Bücherverbrennungen. Und mit Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze im September 1935 wird schließlich die juristische Grundlage für die Diskriminierung und Verfolgung jüdischer Mitbürger gelegt.

Der Opfer gedenken

Bundesweit wird jedes Jahr der Opfer der Pogrome gedacht. Doch auf öffentliche Veranstaltungen wird vielerorts wegen der Corona-Pandemie verzichtet. Alternativ lädt beispielsweise Görlitz zum virtuellen Gedenken ein, bei der u.a. Oberbürgermeister Octavian Ursu, Generalsuperintendentin Theresa Rinecker sowie der katholische Bischof Wolfgang Ipolt sprechen werden.

In Dresden wollen sich Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen zu einer Mahnwache an der Tiergartenstraße und vor der Synagoge einfinden. Die Stadt hatte ihr offizielles Gedenken coronabedingt abgesagt, während an dem symbolträchtigen Tag eine Pegida- Großveranstaltung stattfinden wird. In Leipzig gedenkt man der Opfer der November-Progrome mit einem Gottesdienst in der Thomaskirche.

Die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt und die Stadtkirchengemeinde Wittenberg laden gemeinsam zum Gedenken an die Reichspogromnacht ein. Die Veranstaltung am Mahnmal der Stadtkirche Wittenberg wird von Akademiedirektor Christoph Maier geleitet. Eingeladen sind alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt, als Zeichen des Erinnerns kleine weiße Steine auf die Gedenktafel oder an einen der Stolperstein in der Stadt abzulegen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 09. November 2020 | 19:30 Uhr