Was die Bischöfe in Mitteldeutschland sagen "Die Osterbotschaft unterliegt keiner Kontaktsperre"

Es wird in diesem Jahr ein stilles Ostern, keine Matthäus-Passion, keine Motteten- und Osternächte in den Gemeinden, auch keine Messen. Auf dem menschenleeren Petersplatz erinnerte der Papst am Karfreitag an das Leiden Jesu auf dessen Weg zur Kreuzigung. Der Vatikan änderte die Liturgie. Zu den zehn Fürbitten wurde eine elfte hinzugefügt, mit der Franziskus für Erkrankte, Ärzte und Pfleger betete. Welche Botschaft die Bischöfe in Mitteldeutschland haben, fasst Uli Wittstock zusammen.


Karfreitagsgottesdienst in der Unterkirche
Karfreitagsgottesdienst in der Unterkirche, der in ARD, MDR und via Internet übertragen wurde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Osterbotschaft unterliegt keiner Kontaktsperre, so heißt es in einem gemeinsamen Wort der leitenden Geistlichen aus Thüringen und Sachsen-Anhalt. Dass die Gottesdienste nur über Fernsehen, Radio oder Internet verfügbar sind, sei schmerzlich, aber eine richtige Entscheidung, betont Friedrich Kramer, Bischof der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands: "Dass wir freiwillig sagen: 'Das leuchtet uns ein. Das ist etwas merkwürdig für viele", überlegt Kramer. Aber:

Ein Pfarrer mit Gitarre schaut in einem Video direkt zur Kamera.
EKM-Bischof Friedrich Kramer online Bildrechte: Onlinekirche / EKM

Ich finde es großartig, dass eine ganze Gesellschaft bereit ist, sich um der Schwachen und Gefährdeten willen einzuschränken. Das ist ja christliche Botschaft pur!

Friedrich Kramer, Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Seelsorge digital und per Telefon

Auch für die katholischen Gemeinden ist der Verzicht auf die Ostermesse ein schwerwiegender Einschnitt. Wenn der Papst am Ostersonntag den Segen Urbi et Orbi spricht, wird er das vor einem menschenleeren Petersplatz tun.

Ulrich Neymeyr, Bischof Bistum Erfurt
Bischof Ulrich Neymeyr, Bistum Erfurt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aber der Rückzug aus den Gotteshäusern ist kein Rückzug aus den Gemeinden. Darauf verweist Ulrich Neymeyr, der katholische Bischof aus Erfurt: "Es ist eine Zeit, in der sich in den Gemeinden die Familien und Hausgemeinschaften neu entdecken, einfach weil sie auch mehr Zeit miteinander verbringen. Und die Pfarrer sagen mir, es ist eine Zeit der Einzelseelsorge. Da die Gemeinde sich nicht mehr treffen kann, greifen die Pfarrer zum Telefon und rufen bei Menschen an. Und viele sagen mir, das sind Gespräche, die hätte es im Rahmen etwa eines Seniorennachmittages so gar nicht gegeben. Es seien gute persönliche Gespräche."

Es ist eine Zeit, in der sich in den Gemeinden die Familien und Hausgemeinschaften neu entdecken.

Ulrich Niemeyer, Bistum Erfurt

Auch auf den Internetseiten des Bistums Erfurt gibt es Hinweise für Haus-Andachten zu Ostern.

Seit über 2.000 Jahren wissen die Christen, dass auf den Karfreitag das Osterfest folgt. In diesem Jahr ist das natürlich auch so. Doch zugleich wird vielen Menschen bewusst, das trotz aller modernen Technologie, trotz aller Planung und Vorbereitung, sich Dinge ganz schnell ändern können. Das sei eine Erfahrung, wie sie bereits in der Ostergeschichte aufscheine, sagt Sachsens Landesbischof Tobias Bilz:

Frohe Botschaft

Ein Kirchenkreuz
"Da zieht einer in Jerusalem ein ..." Bildrechte: imago images/Revierfoto

"Es scheint alles gut zu werden: Da zieht einer in Jerusalem ein. Er soll der neue König werden. Alle jubeln. Und ein paar Tage später stirbt der Mann am Kreuz. Das bedeutet Abbruch, Scheitern, da wird ein Weg verstellt. Es ist nicht so gekommen, wie erhofft. Drei Tage später ist der gleiche Mensch, der Gekreuzigte neu da und zeigt sich.

Ich würde sagen, dieses Ostern macht stärker als sonst klar, dass es Abbrüche, Irritationen gibt, aber am Ende etwas Neues daraus entstehen kann.

Tobias Bilz, Landesbischof Sachsen

Und auch der katholische Amtskollege Heinrich Timmerevers, Bischof von Dresden-Meißen, sieht in diesen Tagen einen besonderen Bezug zu biblischen Ostergeschichte. Er erinnert an die Geschichte der Emmaus-Jünger: "Und der Herr geht mit, und sie erkennen ihn nicht. Ich glaube, das ist etwas, was wir jetzt erleben. Wir dürfen in der Gewissheit sein, dass der Auferstandene mit der Kirche geht, mit den Menschen. Aber wir erkennen ihn im Augenblick nicht. Wir können ihn nicht fassen. Und dann, irgendwann ist die Stunde gegeben: 'Da erkannten sie ihn beim Brot-Brechen.' So in diesem Bewusstsein sind wir als Emmaus-Jünger, als Kirche unterwegs. Und wir hoffen, dass wir in einer neuen und tiefen Weise dem Herrn auch begegnen können."

Ob in den eigenen vier Wänden, bei einem Osterspaziergang auf Abstand oder in stiller Einkehr in einer der geöffneten Kirchen. Es gibt viele Wege, der Osterbotschaft zu folgen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. April 2020 | 09:15 Uhr

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