18. Mai | 100. Geburtstag Johannes Paul II. – Papst des Umbruchs, Papst der Stagnation

Johannes Paul II. war ein charismatischer Papst, der sich während seines langen Pontifikats wortgewaltig in die Weltpolitik einmischte und wesentlich zur Erosion des Ostblocks beitrug. Anderseits agierte er innerkirchlich konservativ, hielt strikt am Zölibat und der Sexualmoral der katholischen Kirche fest. Am 18. Mai wäre Karol Wojtyla 100 Jahre alt geworden.

Karol Wojtyla als Papst Johannes Paul II.
Papst Johannes Paul II. war volksnah und wird noch heute von vielen Gläubigen verehrt. Bildrechte: imago/United Archives

Gott habe ihn gewählt, um die Kirche ins dritte Jahrtausend zu führen, so prophezeite es der polnische Primas Wyszynski dem frisch gewählten Johannes Paul II. – und nicht nur das tat der Pole Karol Wojtyla. 1978 wurde er als erster Nichtitaliener nach 455 Jahren zum Papst gewählt. In seinem Pontifikat, das über ein Vierteljahrhundert dauerte, prägte er die katholische Kirche  – und mischte auch in der Weltpolitik mit.

Johannes Paul II., der mit bürgerlichem Namen Karol Wojtyla hieß, wurde 1920 in Wadowice, Polen geboren. Seine Mutter starb früh, ein prägendes Erlebnis für den neunjährigen Karol.

Wojtyla war sehr sportlich und künstlerisch talentiert, er schrieb Gedichte und spielte leidenschaftlich gerne Theater. Ab 1938 studierte er Philosophie und Literatur in Krakau. Unter dem Eindruck des nationalsozialistischen Regimes entschied sich Wojtyla früh, Prister zu werden.

Papst Johannes Paul II. - heiliger Held der Polen 11 min
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Karol Wojtyla war ein Papst der Superlative. In seiner Heimat Polen genießt er Kult- und Heldenstadt. Sogar eine ganze Generation ist nach ihm benannt. (Sendung vom 25. April 2014)

Fr 25.04.2014 10:00Uhr 11:16 min

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1942 trat er dem Priesterseminar der Erzdiözese Krakau bei, das im Untergrund noch existierte, 1946 wurde er zum Priester geweiht. Karol Wojtyla promovierte an der Universität von Lublin – an der er später auch als Professor lehrte und 1958, im Alter von nur 38 Jahren, wurde er Weihbischof von Krakau.

Nicht-Italiener auf dem Papstthron

Im Jahr 1967 wurde er zum Kardinal berufen. Im Dreipäpste-Jahr 1978 trat er mit nur 58 Jahren überraschend die Nachfolge von Johannes Paul I. an. Seit dem Niederländer Hadrian VI. (1459 -1523) saß damit erstmals wieder ein Nicht-Italiener auf dem Papstthron.

Papst Johannes Paul hat am 24.4.1985 im Vatikan den DDR-Staatsrats- und Parteichef Erich Honecker empfangen. Es war die erste Begegnung eines DDR-Staatsmannes mit dem Papst. Johannes Paul II. Dieser übernahm am 16. Oktober 1978 als erster Nichtitaliener seit 1522 das Amt des Oberhauptes der Katholischen Kirche.
Dialog statt Konfrontation: Papst Johannes Paul II. empfängt Erich Honecker 1985 im Vatikan Bildrechte: dpa

Papst Johannes Paul II. hatte eine enorme Medien-Präsenz und Bekanntheit. Dank seines charismatischen Auftretens gelang es ihm, sich in der Welt Gehör zu verschaffen. So mischte er sich immer wieder lautstark in die Politik während der Zeit des Kalten Krieges ein. Der Papst machte aus seinem Konfrontationskurs gegen die kommunistischen Machthaber keinen Hehl. Offen warb er für die Einheit der Christen von West und Ost und wurde so zur Symbolfigur des Widerstands gegen das kommunistische System.

Einsatz für Frieden und Dialog der Religionen

Bis an die Grenzen seiner Kräfte und auf mehr als 100 Reisen durch die ganze Welt setzte sich Johannes Paul II. für Frieden und Gerechtigkeit ein. Besonders heftig prangerte er den Irakkrieg und seine Konsequenzen an.

Krieg ist niemals ein unabwendbares Schicksal. Krieg bedeutet immer eine Niederlage für die Menschheit.

Papst Johannes Paul II. am 13. Januar 2003 zum Irak-Krieg

Immer wieder drängte der Papst auf die Einheit der Christen, den Dialog mit den orthodoxen Kirchen und den interreligiösen Dialog mit den anderen großen monotheistischen Religionen Judentum und Islam.

Im heiligen Jahr 2000 überraschte er mit einem "Mea Culpa" - einem großen Schuldeingeständnis für die Verfehlungen der Kirche, insbesondere für die Judenverfolgungen, die Inquisition und Glaubenskriege.

Kritik an seinem Pontifikat

Doch so sehr Karol Wojtyla in seiner polnischen Heimat stets die Reformen in der Kirche unterstützte - betrieb er als Papst in Zeiten größter Umbrüche innerhalb der katholischen Kirche einen Konsolidierungskurs, der besonders unter den Gläubigen der westlichen Welt auf Kritik stieß.

Das Festhalten am Zölibat, das Gebot der Ehelosigkeit für Priester, sein wertkonservatives Bild der traditionellen Familie, seine rigorose Ablehnung von Verhütung und Abtreibung hielten längst auch viele Anhänger der katholischen Kirche für überholt. Als Papst selbst regierte er autoritär, beschnitt die Unabhängigkeit der Ortskirchen und maßregelte Theologen.

Papst Johannes Paul II.  starb am 2. April 2005 im Alter von 84 Jahren nach schwerer Krankheit und einem langen öffentlichen Leiden. Schon bei der Trauerfeier forderten viele Gläubige mit dem Ruf "Santo subito" seine sofortige Heiligsprechung. Im April 2014, neun Jahre nach seinem Tod - in kürzest möglicher Zeit - wurde er von Papst Franziskus heilig gesprochen.

Buchtipp: Matthias Drobinski, Thomas Urban
Johannes Paul II.: Der Papst, der aus dem Osten kam
C.H.Beck, 2020
ISBN-10: 3406749364
24,95 EUR


Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Religion und Gesellschaft | 16. Mai 2020 | 08:45 Uhr