Klostergemeinschaft in Magdeburg Prämonstratenser: Gemeinsam beten, wohnen und arbeiten

Die Prämonstratenser sind ein aktiver katholischer Orden, der in diesem Jahr 900. Jubiläum feiert. Auch in Magdeburg, wo etwa 10.000 Katholikinnen und Katholiken leben, gibt es die Prämonstratenser seit Anfang der 90er-Jahre wieder. Dort leben und arbeiten vier Ordensbrüder in einer Klostergemeinschaft. Für sie wird neben der Universitätskirche St. Petri derzeit ein neues Kloster gebaut.

Prämonstratenser-Chorherr
Den Magdeburger Prämonstratenser-Orden gibt es wieder seit 1991. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Universitätskirche St. Petri in Magdeburg ist die größte Kirche des örtlichen Prämonstratenser-Ordens. Direkt daneben wird ein neues Kloster gebaut. Hier sollen die vier Ordens-Brüder Pater Michael, Pater Clemens, Pater Andreas und Pater Ulrich bald leben und arbeiten. Pater Clemens erklärt das Konzept ihrer Wohngemeinschaft: "Die Kirche soll schön sein, das Ordensgebäude zweckmäßig."

Per Youtube-Kanal bei den Menschen

Im Mittelpunkt ihres Zusammenlebens steht das Gemeinsame. Das gilt auch für die Zusammenarbeit mit Gläubigen und der Kirchgemeinde. In der Coronavirus-Pandemie hat Pater Michael einen Youtube-Kanal gestartet mit dem Ziel, die Menschen auch in der Isolation zu erreichen. Nicht nur auf Youtube lautet eine Herausforderung, die Menschen für Kirche und Religion zu interessieren.

Während die Ordensbrüder den Lockdown mit dem Kanal halbwegs umschiffen konnten, erschwert ihnen ein anderes Thema vor allem den Kontakt zu jungen Menschen.

Die Missbrauchskandale in der katholischen Kirche beeinflussen auch Pater Michaels Aufgaben als Schulseelsorger: "Es schmerzt mich, wenn zum Beispiel ein Kommunionkind, also dritte Klasse, auf mich zugerannt kommt, ruft 'Hallo Pater Michael!" und mich umarmt. Mittlerweile stockt mir da das Herz, weil ich denke, wenn das jetzt jemand sieht. Wobei ich finde, das ist der falsche Weg, da schütten wir das Kind auf der anderen Seite der Badewanne aus. Es gibt natürlich ganz viele schwarze Schafe, die so etwas ausnutzen, das dürfen wir nicht vergessen. Die machen mir die Arbeit echt schwer."

Wechselvolle Ordensgeschichte – Blick in die Zukunft gerichtet

Die Geschichte des Ordens in der Stadt ist eine wechselvolle. Gegründet wurde der Orden vor etwa 900 Jahren im französischen Ort Prémontré von dem Heiligen Norbert von Xanten. In Magdeburg waren die Prämonstratenser bis zur Reformation im Kloster "Unser Lieben Frauen" ansässig. 1989 unternahm Pater Ulrich zusammen mit damaligen Mitstudenten einen Versuch, den Orden wieder ins Leben zu rufen. Doch erst 1991 gründeten Abgesandte der Mutterabtei in Duisburg-Hamborn wieder eine Konvent in der Stadt.

Pater Andreas ist seit mehr als als 50 Jahren dabei. Als Jugendlicher trat er den Prämonstratensern direkt nach dem Abitur bei. Bei Pater Michael dauerte es etwas länger, bis er zu dem Orden fand. Ein Grund, aus dem er sich für das Zusammenleben entschieden hat war, wie er sagt, nicht alleine im Pfarrhaus "versauern" zu wollen.

Auf ihren bisherigen Weg blicken die Ordensbrüder zufrieden zurück und gleichzeitig zuversichtlich nach vorne: "Wir haben den Eindruck, etwas sinnvolles in unserem Leben zu tun. Das ist heutzutage ja geradezu luxuriös! Ich hoffe, wir werden in Zukunft Menschen finden, die diese Erfahrung auch machen möchten", erklärt Pater Andreas.

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Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg 4 min
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 30. September 2021 | 22:40 Uhr