Eine Hand hält eine Blutprobe
Bildrechte: imago/Westend61

Pränataldiagnostik Vorgeburtliche Bluttests - Wie weit wollen wir gehen?

Seit 2012 werden Schwangeren vorgeburtliche Bluttests angeboten, die unter anderem untersuchen, ob ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt kommen würde. Über Hundert Bundestagsabgeordnete dringen nun auf eine Diskussion über ethische Fragen bei diesen Bluttests. Hintergrund ist ein laufendes Verfahren, in welchen Fällen Tests künftig von den Krankenkassen bezahlt werden könnten.

Eine Hand hält eine Blutprobe
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Seit 2012 haben Schwangere mit einem vorgeburtlichen Bluttest die Möglichkeit, ihr ungeborenes Kind auf Trisomie 21 untersuchen zu lassen. Gegenwärtig wird geprüft, ob gesetzliche Krankenkassen für die Kosten eines Tests aufkommen sollen. Bereits heute werden die Tests als Selbstzahlerleistung angeboten, auf Antrag können die Kosten auch von Krankenkassen übernommen werden. Kritiker der Pränataldiagnostik warnen, dass die Tests zu steigenden Abtreibungszahlen bei Kindern mit Down-Syndrom führen könnten.

Parlamentarische Debatte eingefordert

Parteiübergreifend haben sich nun über hundert Bundestagsabgeordnete gegen vorgeburtliche Bluttests auf Down-Syndrom ausgesprochen. Sie fordern eine parlamentarische Debatte, um ethische und gesetzgeberische Fragen zu diskutieren, die sich mit der Zulassung solcher Diagnoseverfahren ergeben. An der Initiative beteiligen sich Parlamentarier von CDU, SPD, FDP, Linken und Grünen. Jedes menschliche Leben sei lebenswert, ethisch habe jeder Mensch einen natürlichen Anspruch, gewollt und willkommen zu sein, so der CDU-Abgeordnete Rudolf Henke.

Die Fortschritte in der genetischen Diagnose zwingen uns als Gesellschaft dazu, die Frage zu beantworten, wie wir mit den dadurch erzeugten Erkenntnissen umgehen wollen.

Rudolf Henke, CDU-Abgeordneter im Bundestag

Auch Dagmar Schmidt von der SPD fordert einen breiten gesellschaftlichen Diskurs, der Menschen mit Trisomie, Ärzte und Eltern einschließe. Menschen mit Down-Syndrom seien nicht glücklicher oder unglücklicher als andere Menschen. Sie litten nicht unter Trisomie 21, sondern darunter, nicht angemessen und respektvoll behandelt zu werden. "Eltern von Kindern mit Trisomie 21 sollten niemals in die Gefahr geraten, sich für die Geburt ihres Kindes rechtfertigen zu müssen", fordert sie.

Der Bundestag sei der richtige Ort, um diesen Diskurs anzustoßen und in die Gesellschaft zu tragen.

Dagmar Schmidt, SPD-Abgeordnete

Die Linken-Abgeordnete Kathrin Vogler warnt, eine Kassenzulassung der Bluttests könne eine Türöffnerfunktion für die Anwendung weiterer vorgeburtlicher Analyseverfahren haben. "Jetzt ist es noch möglich, eine gesellschaftliche Debatte darüber zu führen, ob und in welchen Fällen vorgeburtliche Gentests legitim sind", sagte Vogler.

Wir müssen wegen der rasanten Entwicklung diagnostischer Möglichkeiten zu einer gesetzlichen Regulierung kommen, die jede Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen vermeidet.

Kathrin Vogler, Linken-Abgeordnete

Schwangere Frauen müssten immer selbst entscheiden können, ob sie ein Kind bekommen möchten, erklärt auch die Grünen-Politikerin Corinna Rüffer. Ihr Selbstbestimmungsrecht werde aber nicht durch immer mehr Tests gestärkt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | selbstbestimmt! Die Reportage | 14. Oktober 2018 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2018, 15:49 Uhr

Religion

Prof. Faber untersucht eine Schwangere.
Professor Faber vom Zentrum für Pränatale Medizin in Leipzig untersucht Schwangere und erkennt mit seinem hochauflösenden Ultraschall kleinste Abweichungen von der Norm. Ab der 12. Woche kann Professor Faber Anzeichen für eine Trisomie 21 finden: zu kurze Oberschenkel, das Nasenbein ist nicht zu erkennen, es gibt eine auffällige Nackentransparenz. Seine Diagnose entscheidet über Schicksale. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK