Vor Beginn des Fastenmonats Ramadan erneut unter Corona-Bedingungen

Für die rund 1,9 Milliarden Muslime auf der Welt beginnt am 13. April der Ramadan. Zum zweiten Mal in Folge findet der islamische Fastenmonat auch in Deutschland unter Corona-Bedingungen statt. Eine generelle Verschiebung des Ramadan wird es jedoch nicht geben, so der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime Aiman Mazyek.

Minarette einer Moschee zeichnen sich als Schatten vor einem dunklen Himmel mit Halbmond ab.
Beginn mit Erscheinen der Neumond-Sichel Bildrechte: Colourbox.de

"Herz und Seele zu reinigen", darum geht es Musliminnen und Muslimen im Ramadan. Der Fastenmonat, der in diesem Jahr am 13. April beginnt, gehört für die Gläubigen zu den fünf Säulen des Islam. Von innerer Einkehr, aber auch vom Gefühl der Gemeinschaft soll diese Zeit geprägt sein. Allabendlich feiern viele in den Moscheen das Fastenbrechen, besuchen Angehörige oder treffen Freunde. Doch auch in diesem Jahr wird das so nicht möglich sein.

Keine Verschiebung

Zum zweiten Mal in Folge findet der islamische Fastenmonat unter Corona-Bedingungen statt. Viele der geplanten Veranstaltungen in den Moscheen sollen virtuell ablaufen. Wie die Türkisch-Islamische Union Ditib ankündigte, werden etwa Predigten oder Lesungen aus dem Koran online angeboten.

Aiman Mazyek
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland Aiman Mazyek Bildrechte: dpa

Eine Verschiebung des Fastenmonats stehe dagegen nicht zur Diskussion. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland Aiman Mazyek rief allerdings dazu auf, Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Die Muslime müssten sich auf Einschränkungen einstellen. Das gelte etwa für die im Ramadan üblichen Nachtgebete in den Moscheen, sowie die gemeinschaftlichen Abendessen nach Sonnuntergang (Iftar) in den Gotteshäusern oder mit Bekannten. Betroffen davon sei ebenfalls das dreitägige Fest des Fastenbrechens ('Id al Fitr) am Ende des Ramadan. An Corona erkrankte Muslime sind wie andere Kranke auch vom Fastengebot ausgeschlossen. Laut Koran bestünde die Möglichkeit, das Fasten durch eine Art Spende zu ersetzen.

Der Ramadan endet in diesem Jahr am 12. Mai; darauf folgt das Fest des Fastenbrechens.

Stichwort: Ramadan

Der Fastenmonat beginnt in diesem Monat am 13. bzw. 14. April bei Erscheinen der Neumond-Sichel. Der islamische Kalender wird anders berechnet als der christlich-gregorianische und richtet sich nach dem Mond. Deshalb ändert sich der Zeitpunkt. Für Musliminnen und Muslime ist das Fasten, das jeweils im neunten Monat des islamischen Mondjahres stattfindet, eine der fünf Säulen ihrer Religion – neben dem Pilgern nach Mekka, den täglichen Gebetszeiten, dem Glaubensbekenntnis zu Allah als einzigem Gott und dem Spenden. Befreit vom Fasten sind Alte und Kranke, Kinder, Schwangere und Reisende sowie Soldaten im Krieg. Sie können das Fasten nachholen. Höhepunkt ist die "Lailat al Qadr", die "Nacht der Bestimmung", in der nach der Überlieferung dem Propheten Mohammed erstmals Verse des Koran offenbart wurden. Viele Muslime beten dann die ganze Nacht, in der Hoffnung auf die Vergebung ihrer Sünden. Auf das Ende des Ramadan, in diesem Jahr am 12. Mai, folgt das dreitägige Fest des Fastenbrechens, arabisch 'Id al Fitr.

Der Monat der guten Taten

Im Ramadan wurde der Überlieferung zufolge der Koran herabgesandt. Deshalb steht dieser Monat ganz im Zeichen der inneren Einkehr, des sozialen Engagements und der persönlichen Läuterung. Der Ramadan gilt deshalb auch als Monat der guten Taten. Mitmenschlichkeit und Versöhnung stehen im Mittelpunkt. Die Gläubigen entrichten die Armensteuer Zakat und unterstützen Bedürftige.

Regeln im Ramadan: Saum oder "Herz und Seele reinigen"

Von Tagesanbruch bis zum Sonnenuntergang bleiben Tassen und Teller leer. Abhängig vom islamischen Kalender kann so ein Fastentag zwischen 8 und 19 Stunden dauern. Fasten im Ramadan heißt: Radikaler Verzicht nicht nur auf Essen und Trinken. Auch reden sollte man nur das Nötigste, kein Parfum benutzen, nicht rauchen – eben auf Luxus verzichten und auf Sex. Das Wort "Fasten" kommt aus dem Hebräischen und bedeutet: Die Seele beugen. Im Arabischen heißt Fasten: "Saum" – es bedeutet Herz und Seele reinigen, Platz für den Glauben schaffen und an Menschen denken, denen es nicht so gut geht. Wie die Sonne zum Mond, so gehört für die Muslime zum Fasten das Fastenbrechen, sobald die Sonne untergegangen ist. Die Menschen treffen sich: Beten gemeinsam, essen, trinken, lachen, reden – holen all das nach, auf das sie am Tag verzichtet haben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 16. April 2020 | 15:30 Uhr