Porträt Wegbereiter der Friedensgebete: Christoph Wonneberger

Christoph Wonneberger gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Friedlichen Revolution. 1986 initiierte er die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche.

Christoph Wonneberger wird als Sohn eines Pfarrers  am 5. März 1944 in Wiesa im Erzgebirge geboren. Sein Elternhaus weckt früh den Drang nach Gerechtigkeit und Freiheit in ihm. Im August 1961, während eines Urlaubs im Allgäu, erfährt die Familie vom Bau der Mauer. Der Vater stellt seinem Sohn frei, im Westen zu bleiben, hier seien seine Zukunftsaussichten besser. Aber Christoph Wonneberger entscheidet sich für die Rückkehr in DDR.

In den Fängen der Stasi

Weil sein Vater Stadtjugendpfarrer in Karl-Marx-Stadt ist, darf Christoph Wonneberger kein Abitur ablegen und beginnt deshalb eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Doch diese Arbeit füllt ihn nicht aus, und noch während der Lehre lernt er an den Abenden Latein, Hebräisch und Griechisch. Er geht an das Theologische Seminar in Leipzig, studiert schließlich in Rostock Theologie.

Während seiner Studentenzeit stiehlt Christoph Wonneberger eine Antenne für seine Studentenbude, wird erwischt - und erpressbar. Die Stasi wirbt ihn als geheimen Informanten an. Um weiter studieren zu können, unterschreibt er. Doch bald bereut er seine Entscheidung. Und als er 1968 den Prager Frühling hautnah miterlebt, gibt es für ihn keinen Zweifel mehr: Er teilt der Stasi schriftlich mit, dass er eine weitere Zusammenarbeit ablehnt. Seither gilt er als "politisch negativ".

Kompromissloses Engagement

Nach dem Studium kehrt Christoph Wonneberger zurück nach Sachsen und wird Vikar in Wurzen. 1977 tritt er eine Stelle als Pfarrer in der Dresdner Weinbergskirche an. 1982 heiratet er und wird Vater einer Tochter und eines Sohns. Er berät junge Männer, die keinen Dienst an der Waffe tun wollen, und das bringt ihn dazu, 1980 eine Initiative  für einen sozialen Friedendienst. Er ruft in Dresden die Friedensgebete ins Leben und gestaltet sie nach seinem Wechsel nach Leipzig zu politischen Veranstaltungen mit systemsprengender Kraft. Sein kompromissloses Engagement reizt die Staatsmacht. Schließlich muss Christoph Wonneberger im Herbst 1988 die Koordinierung der Friedensgebete an der Nikolaikirche aufgeben und ist fortan nur noch Pfarrer an der Lukaskirche.

Ausgerechnet im Herbst 1989 erleidet der 45-Jährige einen Schlaganfall. Es dauert Jahre, bis er sich wieder artikulieren kann. Auch wenn die Montagsdemonstrationen nicht allein seine Idee waren, so trug er wesentlich zum gewaltlosen Ausgang der Revolution 1989 bei.

Heute lebt Christoph Wonneberger in  Leipzig, mischt sich ein, wo es ihm nötig erscheint, und ist mit seiner Vergangenheit im Reinen.

Buchtipps Andreas Peter Pausch: "Widerstehen. Pfarrer Christoph Wonneberger"
Herausgegeben von Uwe Schwabe im Auftrag des Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V.,
240 Seiten,
Berlin : Metropol-Verlag 2014,
ISBN: 978-3-86331-184-1,
Preis: 22,00 Euro

Thomas Mayer: "Der nicht aufgibt : Christoph Wonneberger. Eine Biographie"
220 Seiten,
Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2014,
ISBN: 978-3-374-03733-9,
Preis: 9,90 Euro

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 08. Oktober 2019 | 21:00 Uhr