Kinder mit selbst gebastelten Weidenpferdchen
Bildrechte: imago/Gustavo Alabiso

"Mariä Lichtmess" Warum die Weihnachtszeit erst am 2. Februar endet

Spätestens am 2. Februar ist Schluss: Zu "Mariä Lichtmess" werden Tannenbäume aus Kirchen und Stuben geräumt. Der christliche Feiertag ist traditionell somit das letzte Fest der Weihnachtszeit und zugleich ein Neubeginn, wenn Kerzen in Lichterprozessionen für das neue Jahr geweiht werden. Woher stammt dieser Brauch?

Kinder mit selbst gebastelten Weidenpferdchen
Bildrechte: imago/Gustavo Alabiso

Mariä Lichtmess ist in traditionsbewussten christlichen Familien der Zeitpunkt, ihre Krippe abzubauen und ihren Weihnachtsbaum zu entsorgen, denn mit Mariä Lichtmess oder "Mariä Reinigung", wie das Fest früher auch genannt wurde, endet traditionell die Weihnachtszeit.

Das Reinigungsopfer

Hintergrund ist ein alter jüdischer Brauch: Nach den Vorschriften des Alten Testaments galt eine Frau 40 Tage nach der Geburt eine Kindes als unrein. Danach musste sie ein Reinigungsopfer darbringen, zum Beispiel eine Taube oder ein Schaf.

Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Mose's kamen, brachten sie ihn gen Jerusalem, auf daß sie ihn darstellten dem HERRN (wie denn geschrieben steht in dem Gesetz des HERRN: "Allerlei männliches, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem HERRN geheiligt heißen") und das sie gäben das Opfer, wie es gesagt ist im Gesetz des HERRN: "Ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.

aus: Lukas, Kapitel 2 (Luther 1912)

Auch Maria ging den jüdischen Gesetzen entsprechend nach 40 Tagen in den Tempel, um ihr Opfer darzubringen. Da Jesus ihr erster Sohn war, galt er als Eigentum Gottes und musste von seinen Eltern im Tempel "ausgelöst" werden. Dazu musste er zum Rabbi gebracht und vor Gott "dargestellt" werden. Deshalb wird Mariä Lichtmess auch "Fest der Darstellung des Herrn" genannt.

Prozessionen und Kerzen-Weihen

Der Name "Mariä Lichtmess" bezieht sich auf Lichter-Prozessionen und dazugehörige Kerzenweihen an diesem Tag. Kaiser Justinian I. hatte sie erstmalig 542 für Byzanz angeordnet. Diese Tradition wurde von der römischen Kirche übernommen und wird noch heute zelebriert: Zur Lichtmesse werden die Kerzen für das neue Jahr geweiht, eine Symbolik, die sich ebenfalls aus dem Bericht Lukas ableitet:

HERR, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitest hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel.

Lukas 2,29-32 (Luther 1912)

Zwei Männer in Kostümen gehen hintereinander auf einer Straße in einem Festumzug. Rechts und links von ihnen laufen zwei Personen, die völlig in Stroh eingepackt sind. Hinter der Gruppe marschiert ein Spielmannszug.
Mit einem traditionellen Festumzug wird in Jüchsen bei Meiningen die Lichtmess gefeiert. Angeführt wurde der Umzug von zwei sogenannten Strohbären, die den Winter austreiben sollen. Die Lichtmess-Feiern in Jüchsen gibt es seit mehr als 900 Jahren. Der Umzug im Ort gilt als einer der größten Karnevalsumzüge der Region. Bildrechte: MDR/Mathias Streisel

Brauch in den USA: Murmeltiertag

In Nordamerika wird dagegen ein ganz anderer Brauch gefeiert. Dort ist der 2. Februar "Murmeltiertag". Der Mythos geht auf deutsche Siedler in den USA zurück: Erwacht an Mariä Lichtmess ein Murmeltier aus seinem Winterschlaf, sieht seinen Schatten und zieht sich erschrocken zurück, bleibt es winterlich. Ist kein Schatten sichtbar, kommt der Frühling. Für die Vorhersage muss Murmeltier "Phil" in Punxsutawney im US-Bundesstaat Pennsylvania herhalten. Seit mehr als 100 Jahren zieht dort der amtierende Präsident des Murmeltiervereins einen der Nager bei Sonnenaufgang aus seinem Bau.

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2019, 14:15 Uhr