11.10.2020 | In der Mediathek ansehen Erntedank-Gottesdienst aus Schmochtitz

Mit dem Erntedank erinnern evangelische und katholische Christen seit Jahrhunderten an das enge Wechselspiel von Mensch und Natur. Eine Erntekrone nahm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Sonntag nach einem ökumenischen Gottesdienst in Schmochtitz entgegen. Nicht wie früher in Berlin also, sondern auf dem Land, dort wo die Ernte mittlerweile unter klimawandelbedingt schweren Verhältnissen eingebracht wird.

Hoher Besuch stand am Sonntag in Schmochtitz an: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurde zum Erntedank in dem kleinen Ort in der Oberlausitz erwartet. Im Anschluss an den ökumenischen Gottesdienst bekam er eine Erntekrone überreicht. Dies geht auf eine Tradition zurück, die der Deutsche Bauernverband gemeinsam mit dem Deutschen LandFrauenverband, dem Evangelischen Dienst auf dem Land und der Katholischen Landvolkbewegung seit langem pflegt.

"Starkes Zeichen der Anerkennung"

"Als starkes Zeichen der Anerkennung für die Menschen hier in der Region und eine Ehre für unser Haus", nahm Sebastian Kieslich, Rektor des Bildungsgutes Schmochtitz Sankt Benno, den Besuch.

Früher fand die Übergabe der Erntekrone für gewöhnlich in einer Berliner Kirche statt. Zuletzt war es der Wunsch des Bundespräsidenten, seine Wertschätzung unmittelbar vor Ort denjenigen zum Ausdruck zu bringen, die mit ihrer Arbeit für das tägliche Brot sorgen und das unter klimawandelbedingt schweren Verhältnissen.

Gottesdienst in einstiger Scheune

Zu dem ökumenischen Gottesdienst wurden als Gäste u.a. der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, der katholische Bischof Heinrich Timmerevers und die Präses der Evangelisch-Lutherischen Landessynode, Bettina Westfeld erwartet.

Die Liturgie gestaltete Pfarrer Clemens Rehor aus Bautzen, Pfarrer Dr. Peter Vogt von der Evangelischen Brüdergemeine in Herrnhut und Tilmann Popp, Superintendent des Kirchenbezirks Bautzen-Kamenz. Unter der Leitung von Andreas Pabst musizierten der Chor und die Instrumentalisten des Sorbischen Nationalensembles. Aufgrund der aktuellen Beschränkungen konnte nur eine kleine Besetzung den Gottesdienst begleiten.

Das "Bischof Benno Haus" ist die katholische Bildungsstätte des Bistums Dresden-Meißen. Es wurde 1992 in einem ehemaligen Herrenhaus eröffnet. Die Kirche, in der der Gottesdienst gefeiert wird, ist das älteste Gebäude auf dem weiträumigen Gelände in der Nähe von Bautzen und war einst eine Scheune. Die Räume und Unterkünfte stehen Christen und Nichtchristen, Vereinen, Verbänden und Unternehmen für Veranstaltungen zur Verfügung. Im September 2020 wurde das frühere Bischof-Benno-Haus in "Bildungsgut Schmochtitz Sankt Benno" umbenannt.

Das Sorbische National-Ensemble, mit den professionellen Sparten Ballett, Chor und Orchester wurde 1952 zur Pflege, Bewahrung und Weiterentwicklung der kulturellen Tradition der Sorben gegründet - als Kulturbotschafter der zweisprachigen Lausitz.

Bildungsgut Schmochtitz 'Sankt Benno'
Das Bildungsgut "Sankt Benno" in Schmochtitz bei Bautzen Bildrechte: Bildungsgut Schmochtitz Sankt Benno / Paul Kuchel

Stichwort: Erntedank

Mit den Erntedankgottesdiensten erinnern evangelische und katholische Christen seit Jahrhunderten an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur. Gott für die Ernte zu danken, gehörte zu allen Zeiten in den religiösen Kalender.

Traditionell werden in den Kirchengemeinden die Altäre zum Abschluss der Ernte mit Feldfrüchten geschmückt. Auch Kindern soll das Erntedankfest die Zyklen des Jahreslaufes und der Nahrungsproduktion bewusstmachen. Termin für Erntedank ist in der Regel der erste Sonntag im Oktober.

Das Fest soll deutlich machen, dass der Mensch die Schöpfung Gottes nicht unter Kontrolle hat. Denn der Mensch ist der Bibel zufolge selbst Teil der Schöpfung. Heute spielen die Themen Tier- und Umweltschutz, Gentechnik und Verschwendung von Lebensmitteln eine wichtige Rolle.

Mit der Bitte des Vaterunsers "Unser tägliches Brot gib uns heute" wird oft bei den Gottesdiensten zugleich an die katastrophale Ernährungssituation in den ärmsten Ländern der Erde erinnert. Im christlichen Verständnis gehören das Danken und Teilen zusammen. Erntedank-Gottesdienste sind daher oft mit einer Solidaritätsaktion zugunsten notleidender Menschen verbunden.