Karfreitag: Gottesdienst aus Dresden | 10.04.2020

Wegen der Corona-Pandemie kam der ARD-Fernsehgottesdienst am Karfreitag nicht aus dem Bautzener Dom, sondern aus der Unterkirche der Dresdner Frauenkirche. Die Liturgie gestalteten der neue Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Tobias Bilz, Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke und Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt. Die musikalische Leitung lag bei Frauenkirchenorganist Samuel Kummer und Frauenkirchenkantor Matthias Grünert.

Auch ein Bittgottesdienst am besonderen Ort

Sowohl das Hauptschiff der Frauenkirche als auch die Unterkirche sind dieser Tage völlig menschenleer. Nur Organist Samuel Kummer nutzt die Zeit der Stille, um zu üben. Normalerweise spricht Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke an einem Karfreitag zu hunderten Besuchern, darunter meist Touristen aus aller Welt. Aber die Kirche bleibt geschlossen wie die benachbarten Museen und Restaurants auch: "Das ist einerseits ein merkwürdiges Gefühl, andererseits ist gerade die Unterkirche immer ein Raum der Stille und des Gebets, auch wenn die Kirche geöffnet ist", sagt Behnke und betont: "Der Karfreitagsgottesdienst findet nun ganz bewusst in der Unterkirche bei den Toten statt." Die Seitenkapellen beherbergten ursprünglich Grablegen.

Allein schon der Grundriss des Raumes erinnere an den Kreuzestod Jesu und stelle Fragen für die Gegenwart, erklärt Behnke: "Warum lässt er Leid zu? Das ist ja eine der Grundfragen des Glaubens, mit der wir auch immer hadern." Gerade in Anbetracht der Corona-Pandemie mit den Bildern aus Italien und Spanien, die uns in den Kopf kämen, stelle sie sich nun neu. So sei dieser Karfreitagsgottesdienst in der Unterkirche der Dresdner Frauenkirche auch ein Bittgottesdienst für die Betroffenen und deren Angehörige.

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes
entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten
dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandkraft geben
will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns
selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft
überwunden sein.
Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige
Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer, 1943 Zitiert in der Liturgie zum Karfreitag

Der Karfreitag gilt in der evangelisch-lutherischen Kirche als wichtigster Feiertag. Im Mittelpunkt steht das Leiden und Sterben Christi am Kreuz, wie es die Evangelien überliefert haben. Doch anders als in katholischen Kirchen gibt es keine Kreuzwegprozessionen zu den 14 Stationen. Die Lesung und Auslegung der Heiligen Schrift ist seit Luther zentraler Teil des Gottesdienstes, auch am Karfreitag in der Unterkirche der Dresdner Frauenkirche.

Das Kreuz als Fundament

Blick in die Unterkirche
Blick in die Unterkiche mit den Seitenkapellen: "Immer ein Ort der Stille" Bildrechte: Stiftung Frauenkirche

Unter der Pracht des markanten Kuppelbaus der Dresdner Frauenkirche zeigt sich die Unterkirche in berührender Schlichtheit. Dass die Seitenkapellen im 18. Jahrhundert als Grablege dienten, davon zeugen die Grabplatten. Bestattet wurden hier unter anderem der Komponist Heinrich Schütz und der Baumeister der Frauenkirche, George Bähr. Schon der gotische Vorgängerbau stand auf einem Kirchhof und beherbergte eine Krypta. Nach der Enttrümmerung der Kriegsruine der Frauenkirche und der Freilegung der Krypta wurde das zerstörte Gewölbe erneuert, bereits seit 1996, also neun Jahre vor Vollendung des Wiederaufbaus der Frauenkirche, wurden dort die ersten Gottesdienste gefeiert.

Ein zentraler Altar aus schwarzem Sandstein konzentriert Wege und Gedanken im Zeichen des Kreuzes, das darüber hängt. Es symbolisiert die vier Himmelsrichtungen und die Verbindung von Himmel und Erde. Die Wölbung in der Mitte soll stehen für Gottes Ewigkeit. 

#Miteinander stark: Gottesdienste im MDR