Feiertage im Judentum | 21. - 22.10.2019 Simchat Tora – ein Freudenfest auf die Tora

Noch am Abend des letzten Tages des jüdischen Laubhüttenfestes Sukkot künden Freudentänze in der Synagoge von einem neuen Feiertag: Simchat Tora, ein Freudenfest für die Heilige Schrift. Mit ihm endet das alte und beginnt ein neues Tora-Jahr. Die beiden christlichen Kirchen haben diesen Tag zum Anlass genommen, der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen ein ganz besonderes Geschenk zu machen.

Ein Kantor liest 2003 vor dem Thora-Schrein, er hat das traditionelle weiße Tuch um, den "Taleth", auf dem Haupte trägt er die so genannte "Kippa".
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Die Tora ist ein Teil der hebräischen Bibel. Für Juden und ihren Glauben ist sie von großer Bedeutung, enthält sie doch die fünf Bücher Mose, die von der Entstehung des jüdischen Volkes berichten, seinem Bund mit Gott, der Besiedlung des Gelobten Landes und vor allem von den Zehn Geboten, die Mose auf dem Berg Sinai von Gott bekommen haben soll.

Im Laufe eines Jahres lesen Juden die Tora im Gottesdienst einmal komplett durch. An Simchat Tora werden das Ende und auch gleich wieder der Anfang der Heiligen Schrift gelesen. Auf diese Weise kommt die Lesung nie zu einem Ende.

Das Lesen der Tora an ihrem Festtag ist für gläubige Juden eine besonders ehrenvolle Aufgabe. Die Vorleser haben an diesem Tag sogar besondere Namen. Den Vorleser des letzten Tora-Teils nennt man Chatan Tora, das heißt Bräutigam der Tora. Der Vorleser des ersten Abschnittes heißt Chatan Bereschit, das bedeutet Bräutigam des Anfangs.

Hintergrund: Tora

Der Tanach ist das Heilige Buch der Juden. Ein Teil der Hebräischen Bibel ist die Tora. Die anderen beiden Teile sind die Propheten (Nevi’im) und die Schriften (Ketuvim). Die Tora besteht aus den fünf Büchern Mose.

Der Begriff Tora bedeutet "Lehre, Gesetz". Die Tora ist in hebräischen Buchstaben auf handgefertigtem Pergament aus der Haut koscherer ("reiner“) Tiere geschrieben.

Die Torarolle ist auf zwei Holzstäbe aufgewickelt. Die Stäbe werden als "Baum des Lebens" (hebr. "Ez Hachajim") bezeichnet. Um die Torarolle wird ein spezielles Stoffband gebunden. Dann wird sie mit einem bestickten Mantel, der sie beschützen und verzieren soll, bedeckt. Die Torarolle darf nicht mit bloßen Händen berührt werden. Daher dient ein silberner Stab als Lesehilfe. An dessen Ende befindet sich eine kleine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger. Die Lesehilfe heißt Jad, nach dem hebräischen Wort für "Hand".

Der Sofer ist ein "Schreiber". Er restauriert und fertigt neue Kopien einer Tora und anderer Ritualgegenstände an. Zum Schreiben werden Gänsekiele und reine Tinte verwendet. Das Schreiben der Tora gilt als besonders ehrenvoll. Vor jeder Schreibsitzung bittet der Sofer Gott um genügend physische und mentale Kraft. Macht er einen einzigen Fehler, muss er von vorne anfangen.

Quelle: Zentralrat der Juden

In der Synagoge feiert die Gemeinde das Fest der Torafreude mit einem besonderen Ritual: Am Vorabend sowie am Morgen des eigentlichen Festtages werden alle Schriftrollen der Synagoge aus dem Schrein gehoben und in einem fröhlichen Umzug, Hakafot genannt, siebenmal durch das Gebetshaus getragen. Anschließend wird der Segensspruch auf die Tora gesprochen.

Ein kleines Mädchen hält 2009 eine Puppe und ihren Vater, der mit einer Torah-Rolle zwischen jüdischen Siedlern tanzt.
Ausgelassene Feiern beim Simchat Tora in Israel Bildrechte: dpa

Das Fest, das in der Bibel nicht vorkommt, ist geprägt von Ausgelassenheit und gilt als Inbegriff freudiger Festlichkeit. Nicht nur die Tora bietet einen Grund für Freude und Dankbarkeit. Auch die Vergebung der Sünden am großen Versöhnungstag Jom Kippur, der erst wenige Tage zurückliegt, ist Anlass zum fröhlichen Feiern. Mit Simchat Tora endet auch das Laubhüttenfest Sukkot.

Geschenk, als Zeichen der Verbundenheit

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen lädt am 23. Oktober – ein Tag nach Simchat Tora - zu einem äußerst seltenen Ereignis ein: zu einer "Zeremonie des Schreibens des ersten Buchstabens".           

Anlass für diese Zeremonie ist ein Geschenk: Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und das katholische Bistum Erfurt schenken der jüdischen Gemeinde eine neue Tora-Rolle. Diese wird von Hand geschrieben, Buchstabe für Buchstabe, eigens von einem ausgebildeten Schreiber, dem Sofer.

Die ersten Buchstaben und Wörter der neuen Schrift-Rolle soll Sofer Yaacobov aus Berlin mit einer Vogelfeder in der Zeremonie in der Neuen Synagoge in Erfurt auf das Pergament schreiben. Zwei Jahre wird er,  immer wieder auch öffentlich an der Schrift-Rolle arbeiten. Dann folgt erneut eine Zeremonie: die des Schreibens des letzten Buchstabens. Die Tora-Rolle -nun vollendet - kann fortan in den Gottesdiensten der Jüdischen Landesgemeinde genutzt werden.

Mit ihrem Geschenk an die Jüdische Landesgemeinde unterstreichen beide Kirchen die enge Verbundenheit von Juden und Christen. Beide Religionen verstehen die Tora als die von Gott offenbarte Heilige Schrift.

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Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2019, 11:05 Uhr