Interreligiöser Kalender Religiöse Feiertage im September 2018

Für die griechisch-orthodoxen Christen beginnt das Kirchenjahr. Juden und Muslime feiern Neujahr. Der September ist ein Monat voller Neuanfänge.


1. September: Beginn des Kirchenjahres - Gebetstag für die Natur

Landschaft mit Wald auf Rhodos
Landschaft auf Rhodos Bildrechte: IMAGO

(griechisch-orthodox)

In der griechisch-orthodoxen Kirche beginnt das Kirchenjahr am 1. September. Dieses Datum geht auf die Zeit des Byzantinischen Reiches zurück. Dort begann am Ende des Sommers ein neues Sternenjahr. Mit dem neuen Kirchenjahr wird, ähnlich wie beim Erntedankfest, für die Bewahrung der gesamten Schöpfung gebetet. Die Idee eines Gebetstages für die Natur wurde auch von Papst Franziskus aufgegriffen. Er benannte im Zuge der Veröffentlichung seiner Umwelt-Enzyklia "Laudato Si" den 1. September für die römisch-katholische Kirche als katholischen Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung.


8. September: Mariä Geburt - Geburt der Gottesmutter

(römisch-katholisch/griechisch-orthodox; russisch-orthodox/altorientalisch)

Mit Mariä Geburt feiert die christliche Kirche die Geburt der späteren Gottesmutter. Ein Ereignis, das einem Wunder gleicht, denn Marias Eltern, Anna und Joachim, blieben bis ins hohe Alter kinderlos. An dem Ort, an dem Maria der Überlieferung zufolge geboren worden sein soll, bauten Christen im 5. Jahrhundert eine Kirche. Diese Kirche wurde an einem 8. September geweiht. Der Weihetag bestimmte das Datum für das Fest zu Mariä Geburt. Symbol für dieses Fest ist die Schwalbe. Mancherorts war es deshalb Brauch, zu Mariä Geburt eine Schwalbe zu fangen und in ihrem Magen nach einem Stein zu suchen, der ein Heilmittel gegen Krankheiten sein sollte. Im Julianischen Kalender der russisch-orthodoxen Kirche wird Mariä Geburt am 21. September gefeiert.


9. - 11. September: Rosch ha-Schana - Jüdisches Neujahrsfest

Mit dem Neujahrsfest Rosch ha-Schana, was so viel bedeutet wie "Haupt des Jahres", begehen jüdische Gläubige das Hochfest der Erschaffung der Welt. Der Überlieferung zufolge hat dieses Ereignis vor 5.778 Jahren stattgefunden - am sechsten Tag der Schöpfung, dem Tag also, an dem Gott den Menschen geschaffen hat. Aus diesem Grund wird Rosch ha-Schana auch als Tag des göttlichen Gerichts begangen. Das bedeutet, viele Gläubige nutzen die Gelegenheit, um auf ihr Leben und ihre Taten im vergangenen Jahr zurückzublicken. Gleichzeitig fassen sie, wie auch hierzulande zu Neujahr üblich, gute Vorsätze für das neue Jahr - allen voran den Vorsatz, Gutes zu tun.

Ein orthodoxer jude bläst an der Klagemauer in Jerusalem, Israel, ein Schofar, das Horn eines Widders.
Durch das Blasen des Schofar wird das Neujahrsfest Rosch ha-Schana eingeleitet. Bildrechte: dpa

Traditionell versammeln sich die Gläubigen zu Rosch ha-Schana in der Synagoge zum Gebet. In vielen Gemeinden ist es Brauch, den Betraum für den Neujahrsgottesdienst feierlich zu gestalten. Um die Erhabenheit des Tages herauszustellen, greifen die Gläubigen dabei vornehmlich auf weiße Stoffe und Elemente zurück.

Während des Gebets erklingt mehrfach das Schofar - ein Blasinstrument aus Widderhorn, das die Gläubigen zur Besinnung mahnen und das Lob Gottes verkünden soll. Im Anschluss an den Gottesdienst wird in den Familien Neujahr gefeiert. Wichtigste Zutaten sind hierbei rund gewickelte Brote und in Honig getauchte Apfelstückchen, die für den Wunsch nach einem guten und süßen neuen Jahr stehen. Die runden Brote hingegen symbolisieren den Jahreskreis.


11. September: Beginn Muharrem-Fasten

(alevitisch)

Während der zwölftägigen Fastenzeit erinnern sich die alevitischen Gläubigen an die zwölf Imame, die nach ihrem Verständnis die rechtmäßigen Nachfolger des Propheten Mohammed sind. Besonders verehrt wird Imam Hussein. Hussein war um 680 n. Chr. Anführer eines Aufstandes gegen die Kalifenlinie. Der Aufstand wurde jedoch niedergeschlagen und Hussein in der Schlacht von Kerbela von den Truppen des Kalifen getötet. Da Hussein und sein Gefolge während der Schlacht tagelang in der Wüste zu Kerbela Durst leiden mussten, gedenken die Aleviten seiner mit Fasten. 


11./12. September: Islamisches Neujahr - Jahr 1439

(islamisch)

Grundlage des islamischen Neujahrsfestes ist die Wanderung des Propheten Mohammed. Im Jahr 622 n. Chr. zog er mit seinen Anhängern von Mekka nach Medina aus. Im Gedenken an dieses Ereignis beginnt die islamische Zeitrechnung am 16. Juli 622. In diesem Jahr fällt das islamische Neujahr auf den 12. September und läutet dann das Jahr 1440 islamischer Zeitrechnung ein. Anders als vielerorts üblich, wird im Islam ein neues Jahr nicht mit Böllern oder Raketen, sondern mit großen, traditionellen Blasinstrumenten begrüßt. Das traditionelle Neujahrsessen symbolisiert die Hoffnung der Menschen auf ein gutes Jahr. Es enthält zahlreiche Symbole für Glück, Gesundheit, Wohlergehen und Fruchtbarkeit wie Mehlbeeren, Süßgebäck, Münzen, grüne Weizentriebe, Äpfel, Essig und Knoblauch.


14. September: Kreuzerhöhung

(römisch-katholisch/griechisch-orthodox; russisch-orthodox)  

Das Fest der Kreuzerhöhung nimmt Bezug auf die Legende der Heiligen Helena. Die Mutter Kaiser Konstantins grub, der Überlieferung zufolge, um 350 auf Golgatha drei Kreuze aus. Um herauszufinden, welches das Kreuz Christi sei, ließ Helena die Kreuze auf den Körper eines Toten legen. Das Kreuz, unter dem der Leichnam zu neuem Leben erwachte, galt als das echte Christuskreuz. Am Fundort der Kreuze ließ Kaiser Konstantin eine große Kirche errichten und präsentierte am Tag ihrer Weihe den Gläubigen das gefundene Kreuz. Das Fest der Kreuzerhöhung erinnert an diese Begebenheit. Es wird in allen östlichen Kirchen und seit dem siebten Jahrhundert auch im Westen gefeiert. Als sogenannter "Holy Cross Day" wird es auch in Teilen der Anglikanischen Kirche begangen.

Die Grabeskirche

Blicken Sie auf und in die Grabeskirche, indem Sie den Regler hin- und herschieben!

Grabeskirche Golgota
Bildrechte: MDR/Saskia Barthel
Grabeskirche Golgota
Bildrechte: MDR/Saskia Barthel
Die Grabeskirche von Innen.
Bildrechte: MDR/Saskia Barthel
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17. September: Radhastami

(hinduistisch)

An diesem Tag gedenken Hindus Srimati Radharani, der ewigen Gefährtin Krishnas. Krishna ist eine hinduistische Form des Göttlichen. Srimati Radharani erschien vor 5.000 Jahren zwei Wochen nach Krishna. Dieser Tag wird Radhastami genannt und bei den Hindus gefeiert.


19. September: Jom Kippur

(jüdisch)

Der Versöhnungstag Jom Kippur ist einer der wichtigsten Tage im jüdischen Festtagskalender. Er wird als Tag der Reue, der Buße und der Umkehr begangen, an dem nach talmudischer Tradition die am Neujahrsfest gefällten Urteile über die Menschen besiegelt werden. Aus diesem Anlass fasten die Juden vom Vorabend von Jom Kippur an und verbringen einen Großteil des Festes in der Synagoge. Nach Sonnenuntergang treffen sie sich zum so genannten "Anbeißen", einem festlichen Mahl, und wünschen sich gegenseitig ein gutes Jahr und eine gute Besiegelung.


20. September: Aschura-Fest

(islamisch)               

Das Fest erinnert an mehrere große Ereignisse, wie die Erschaffung der Erde und des Himmels, die Anerkennung der Reue Adams durch Gott, die Errettung Noahs von der Sintflut oder die Rettung des Propheten Mose in Ägypten. Aschura findet am zehnten des ersten Monats, Muharram, im islamischen Kalender statt. Der Tradition des Propheten Mohammad folgend, fasten an diesem Tag viele Muslime. Zudem bereiten sie eine Aschura-Süßspeise zu, die auf Noah zurückgeführt wird. Gleichzeitig erinnert Aschura an die Ermordung Husseins, den Enkel des Propheten, in Kerbala. Somit ist dieser Tag auch ein Tag der Trauer.


23. September: Aschure-Tag

(alevitisch)

Im Anschluss an das zwölftägige Muharrem-Fasten feiern die Aleviten ein großes Fest. Sie kochen eine süße Suppe (Aschure) und verteilen diese als Symbol der Dankbarkeit an Verwandte, Bekannte und Nachbarn. Die Zahl zwölf spielt eine wichtige Rolle: Die Suppe besteht aus zwölf Zutaten und die zwölf Tage des Fastentage sollen an das Leid der heiligen zwölf Imame erinnern.


24. - 30. September: Sukkot (Laubhüttenfest)

(jüdisch)

Das Laubhütten-Fest wird sieben Tage lang gefeiert und ist vergleichbar mit den Erntedankfesten hierzulande. Es erinnert an die Wüstenwanderung der Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten. Während der Flucht konnten sie nur in unbefestigten Hütten, in "Laubhütten" aus Ästen und Zweigen wohnen. Daran soll bis heute erinnert werden. In der Thora heißt es:

Gott ordnet an, dass alle Einheimischen in Israel jedes Jahr sieben Tage lang in Hütten wohnen sollen, damit ihre Nachkommen wissen, dass ihre Vorfahren in Hütten wohnten, als sie von Gott aus Ägypten geführt wurden und vierzig Jahre lang durch die Wüste zogen.

Deshalb ist es an Sukkot bis heute Brauch, in einer Hütte zu wohnen. Man macht sich bewusst, dass Gottes Schutz wichtiger ist als ein festes Dach über dem Kopf. Gläubige Juden bauen sich jedes Jahr eine eigene Laubhütte – im Garten oder auf dem Balkon. Diese Hütte besteht nur aus Zweigen, Reisig oder Stroh. Durch das Dach soll man tagsüber die Sonne und nachts die Sterne sehen können. In der Hütte wird gegessen und geschlafen, soweit es das Wetter erlaubt.

Wichtig für die Bedeutung des Festes ist auch ein aus Zitrusfrüchten, Dattelpalm-, Myrten- und Bachweidenzweigen gebundener Strauß, der die Einheit des Volkes Israel symbolisieren soll.

Laubhüttenfest in Israel Ultra-Orthodox
Für Sukkot kaufen gläubige Juden in Israel Palmzweige, um daraus eine Laubhütte zu bauen. Bildrechte: IMAGO

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2018, 11:28 Uhr