Interreligiöser Kalender Religiöse Feiertage im September 2019

Für die griechisch-orthodoxen Christen beginnt das Kirchenjahr. Juden und Muslime feiern Neujahr. Der September ist ein Monat voller Neuanfänge.


1. September: Beginn des Kirchenjahres - Gebetstag für die Natur

Landschaft mit Wald auf Rhodos
Landschaft auf Rhodos Bildrechte: IMAGO

(griechisch-orthodox)

In der griechisch-orthodoxen Kirche beginnt das Kirchenjahr am 1. September. Dieses Datum geht auf die Zeit des Byzantinischen Reiches zurück. Dort begann am Ende des Sommers ein neues Sternenjahr. Mit dem neuen Kirchenjahr wird, ähnlich wie beim Erntedankfest, für die Bewahrung der gesamten Schöpfung gebetet. Die Idee eines Gebetstages für die Natur wurde auch von Papst Franziskus aufgegriffen. Er benannte im Zuge der Veröffentlichung seiner Umwelt-Enzyklia "Laudato Si" den 1. September für die römisch-katholische Kirche als katholischen Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung. Einen ökumenischen Tag der Schöpfung gibt es 2019 am 6. September, der mit einem zentralen Gottesdienst in Heilbronn gefeiert wird.


1. September: Islamisches Neujahr - Jahr 1441

(islamisch)

Grundlage des islamischen Neujahrsfestes ist die Wanderung des Propheten Mohammed. Im Jahr 622 n. Chr. zog er mit seinen Anhängern von Mekka nach Medina aus. Im Gedenken an dieses Ereignis beginnt die islamische Zeitrechnung am 16. Juli 622. In diesem Jahr fällt das islamische Neujahr auf den 12. September und läutet dann das Jahr 1440 islamischer Zeitrechnung ein. Anders als vielerorts üblich, wird im Islam ein neues Jahr nicht mit Böllern oder Raketen, sondern mit großen, traditionellen Blasinstrumenten begrüßt. Das traditionelle Neujahrsessen symbolisiert die Hoffnung der Menschen auf ein gutes Jahr. Es enthält zahlreiche Symbole für Glück, Gesundheit, Wohlergehen und Fruchtbarkeit wie Mehlbeeren, Süßgebäck, Münzen, grüne Weizentriebe, Äpfel, Essig und Knoblauch.


2. September: Ganesha Chaturthi                                           

(hinduistisch)

Ganesha ist der Gott mit dem Elefantenkopf. Ganesha Chaturthi ist sein Ehrentag. In seinen vier Händen hält Ganesha einen Donnerkeil, ein Beil, eine Blütenkette und seinen Rüssel. Der Donnerkeil zeigt, dass Ganesha Wissen auf den Punkt bringen kann. Das Beil ist ein Symbol für seine Gabe, Dinge gut voneinander zu unterscheiden. Die Blütenkette drückt aus, dass der Glücksüberbringer alles miteinander verbinden kann. Ganesha reitet auf einer Ratte. Er ist der Gott, der Hindernisse beseitigt und deshalb meist zu Beginn von etwas Neuem um Beistand gebeten wird: zum Beispiel beim Start einer Reise, bei Schulbeginn oder bei einer Geschäftseröffnung.

Indische Anhänger tragen eine Statue des elefantenköpfigen Hindugottes Lord Ganesha zum Eintauchen in das Arabische Meer als Teil eines Rituals am sechsten Tag des Ganpati-Festivals in Mumbai.
Am Ende der Festzeit wird eine Lehmfigur des Gottes in einem Fluss versenkt oder - hier im Bild - ins Arabische Meer getaucht. Bildrechte: dpa

Sein Fest beginnt am vierten (Mond-)Tag im Monat Bhadrapada. Dieser Tag heißt Chaturthi. Das Fest heißt deshalb auch "Ganeshas Vierter". Zu Ganesha Chaturthi formen sich die Hindus Tonfiguren des elefantenköpfigen Gottes oder kaufen sich solche Figuren und stellen sie auf den Hausaltar. Hindus glauben, dass die überall wirkende Kraft des Gottes von einem Brahmanen in einer Zeremonie auf die Tonfigur von Ganesha übertragen werden kann. Für die Zeit des Festes steht diese Figur deshalb für Gott Ganesha selbst und die Familien feiern, dass Gott eine Zeit lang bei ihnen wohnt. Jeden Tag beschenken und verehren sie ihn mit Blumen, Süßigkeiten, Liedern, Gebeten, Weihrauch und Licht in einer Puja (ein Verehrungsritual). Am Ende der Festzeit wird Gottes Anwesenheit in der Figur in einer Zeremonie wieder aufgehoben. Dann wird die Lehmfigur in einem Fluss versenkt, wo sie sich auflöst. Im indischen Bundesstaat Maharashtra dauert das Fest zehn Tage.

Ganesha ist der Sohn der Göttin Parvati und des Gottes Shiva. Er ist nicht nur der Vertreiber von Hindernissen, sondern auch der Überbringer des Glücks und der Gott der Weisheit. Auch Buddhisten und Anhänger der Jaina-Religion verehren den elefantenköpfigen Gott.


6. September: Radhastami

(hinduistisch)

An diesem Tag gedenken Hindus Srimati Radharani, der ewigen Gefährtin Krishnas. Krishna ist eine hinduistische Form des Göttlichen. Srimati Radharani erschien vor 5.000 Jahren zwei Wochen nach Krishna. Dieser Tag wird Radhastami genannt und bei den Hindus gefeiert.


8. September: Mariä Geburt - Geburt der Gottesmutter

(römisch-katholisch/griechisch-orthodox; russisch-orthodox/altorientalisch)

Mit Mariä Geburt feiert die christliche Kirche die Geburt der späteren Gottesmutter. Ein Ereignis, das einem Wunder gleicht, denn Marias Eltern, Anna und Joachim, blieben bis ins hohe Alter kinderlos. An dem Ort, an dem Maria der Überlieferung zufolge geboren worden sein soll, bauten Christen im 5. Jahrhundert eine Kirche. Diese Kirche wurde an einem 8. September geweiht. Der Weihetag bestimmte das Datum für das Fest zu Mariä Geburt. Symbol für dieses Fest ist die Schwalbe. Mancherorts war es deshalb Brauch, zu Mariä Geburt eine Schwalbe zu fangen und in ihrem Magen nach einem Stein zu suchen, der ein Heilmittel gegen Krankheiten sein sollte. Im Julianischen Kalender der russisch-orthodoxen Kirche wird Mariä Geburt am 21. September gefeiert.


9. /10. September: Aschura-Fest

(islamisch)               

Das Fest erinnert an mehrere große Ereignisse, wie die Erschaffung der Erde und des Himmels, die Anerkennung der Reue Adams durch Gott, die Errettung Noahs von der Sintflut oder die Rettung des Propheten Mose in Ägypten. Aschura findet am zehnten des ersten Monats, Muharram, im islamischen Kalender statt. Der Tradition des Propheten Mohammad folgend, fasten an diesem Tag viele Muslime. Zudem bereiten sie eine Aschura-Süßspeise zu, die auf Noah zurückgeführt wird. Gleichzeitig erinnert Aschura an die Ermordung Husseins, den Enkel des Propheten, in Kerbala. Somit ist dieser Tag auch ein Tag der Trauer.


12. September: Ashure-Fest

(alevitisch)

Nach 12-tägigem Moharrem-Fasten wird eine Süßspeise (Ashure) gekocht und als Symbol der Dankbarkeit unter Bekannten, Verwandten und Nachbarn verteilt und gemeinsam gegessen. Aleviten bringen mit Ashure ihren Dank zum Ausdruck, dass Zeynel Abi­din, der Sohn von Imam Hüseyin aufgrund seiner Krankheit das Massaker von Kerbala überlebte.

Ashure ist eine – aus zwölf verschiedenen Zutaten beste­hende – Süßspeise. Die Zutaten können variieren, aber sie müssen zwölf an der Zahl sein, denn diese symbolisieren die 12 Imame. Es sind z.B. Weizen, Bohnen, Sau­bohnen, Kichererbsen, Kastanien, Haselnüsse, Pistazien, Mandeln, Sultaninen, Feigen, Aprikosen und Walnüsse.


14. September: Kreuzerhöhung

(römisch-katholisch/griechisch-orthodox; russisch-orthodox)  

Das Fest der Kreuzerhöhung nimmt Bezug auf die Legende der Heiligen Helena. Die Mutter Kaiser Konstantins grub, der Überlieferung zufolge, um 350 auf Golgatha drei Kreuze aus. Um herauszufinden, welches das Kreuz Christi sei, ließ Helena die Kreuze auf den Körper eines Toten legen. Das Kreuz, unter dem der Leichnam zu neuem Leben erwachte, galt als das echte Christuskreuz. Am Fundort der Kreuze ließ Kaiser Konstantin eine große Kirche errichten und präsentierte am Tag ihrer Weihe den Gläubigen das gefundene Kreuz. Das Fest der Kreuzerhöhung erinnert an diese Begebenheit. Es wird in allen östlichen Kirchen und seit dem siebten Jahrhundert auch im Westen gefeiert. Als so genannter "Holy Cross Day" wird es auch in Teilen der Anglikanischen Kirche begangen.

Die Grabeskirche

Blicken Sie auf und in die Grabeskirche, indem Sie den Regler hin- und herschieben!

Grabeskirche Golgota
Bildrechte: MDR/Saskia Barthel
Grabeskirche Golgota
Bildrechte: MDR/Saskia Barthel
Die Grabeskirche von Innen.
Bildrechte: MDR/Saskia Barthel
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30. September - 01. Oktober: Rosch ha-Schana - Jüdisches Neujahrsfest

Mit dem Neujahrsfest Rosch ha-Schana, was so viel bedeutet wie "Haupt des Jahres", begehen jüdische Gläubige das Hochfest der Erschaffung der Welt. Der Überlieferung zufolge hat dieses Ereignis vor 5.778 Jahren stattgefunden - am sechsten Tag der Schöpfung, dem Tag also, an dem Gott den Menschen geschaffen hat. Aus diesem Grund wird Rosch ha-Schana auch als Tag des göttlichen Gerichts begangen. Das bedeutet, viele Gläubige nutzen die Gelegenheit, um auf ihr Leben und ihre Taten im vergangenen Jahr zurückzublicken. Gleichzeitig fassen sie, wie auch hierzulande zu Neujahr üblich, gute Vorsätze für das neue Jahr - allen voran den Vorsatz, Gutes zu tun.

Traditionell versammeln sich die Gläubigen zu Rosch ha-Schana in der Synagoge zum Gebet. In vielen Gemeinden ist es Brauch, den Betraum für den Neujahrsgottesdienst feierlich zu gestalten. Um die Erhabenheit des Tages herauszustellen, greifen die Gläubigen dabei vornehmlich auf weiße Stoffe und Elemente zurück.

Während des Gebets erklingt mehrfach das Schofar - ein Blasinstrument aus Widderhorn, das die Gläubigen zur Besinnung mahnen und das Lob Gottes verkünden soll. Im Anschluss an den Gottesdienst wird in den Familien Neujahr gefeiert. Wichtigste Zutaten sind hierbei rund gewickelte Brote und in Honig getauchte Apfelstückchen, die für den Wunsch nach einem guten und süßen neuen Jahr stehen. Die runden Brote hingegen symbolisieren den Jahreskreis.

Über dieses Thema berichtet das MDR FERNSEHEN auch in: Gedanken zu Rosch ha-Schana | 30.09.2019 | 18:50 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2019, 09:29 Uhr