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Zur Palmsonntags-Prozession ziehen mehrere tausend Menschen durch Heiligenstadt
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Stichwort: Karwoche Von Palmsonntag bis Ostermontag

Warum feiern Christen Ostern? Für die meisten hat das Osterfest wahrscheinlich mehr mit dem Eintritt des Frühlings zu tun – die religiöse Bedeutung und Herkunft ist in den Hintergrund getreten. Wir zeigen kurz, was sich hinter dem Palmsonntag verbirgt, woran die Christen am Karfreitag denken und was Ostern eigentlich passiert ist.

Zur Palmsonntags-Prozession ziehen mehrere tausend Menschen durch Heiligenstadt
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Die Christen nennen die Woche vor Ostern auch "Karwoche". Das Wort ist abgeleitet vom althochdeutschen Wort "kara" = Trauer, Klage. Die Karwoche beginnt am Palmsonntag und endet am Karsonnabend. Die Christen denken in dieser Zeit an Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu. Die Osterzeit dauert fünfzig Tage bis zum Pfingstfest.

Palmsonntag – der Einzug Jesu in Jerusalem

Eröffnet wird die Karwoche mit dem Palmsonntag, der auch Palmtag genannt wird. Der Name erinnert an den Brauch, an diesem Tag Palmzweige zum Gottesdienst mitzunehmen. Dort wird die Leidensgeschichte Jesu vorgelesen. In der Liturgie (römisch-katholische sowie orthodoxe Kirche) steht die Segnung der Zweige im Mittelpunkt. Der Palmsonntag erinnert auch an die Geschichte in den Evangelien, die den Einzug Jesu in Jerusalem schildert: Die Menschen jubelten Jesus zu und streuten ihm grüne Zweige auf den Weg in die Stadt.

Zum Teil haben sich Vorstellungen und Bräuche bis heute erhalten. Der gesegnete Palm soll Haus, Wohnung und Stall gegen alles Böse schützen. In Bayern steckt man die Palmzweige (Palmbuschen) hinters Kreuz. In vielen Gegenden erfolgt das Binden der Buschen nach alt überlieferten Gesetzen. Eine der größten Palmsonntagsprozessionen in Deutschland ist die Heiligenstädter Leidens- und Szenenprozession. Seit dem späten 16. Jahrhundert zieht sie Jahr für Jahr mehrere tausend Gläubige und auch immer mehr Zuschauer an. Selbst zu DDR-Zeiten waren Teilnehmerzahlen von bis zu 4.000 Gläubigen nicht ungewöhnlich.

Das Besondere an dieser wahrscheinlich auf Jesuiten zurückgehenden Heiligenstädter Palmsonntagsprozession sind die überlebensgroßen Figuren, die dabei durch die Straßen der Stadt getragen werden - Figuren mit ausdrucksstarken Gesichtern und Gewändern aus Stoff, die Jesus in den verschiedenen Phasen seines Leidens und Sterbens darstellen sollen. Bis auf eine Ausnahme stammen alle diese Figuren aus den mittelalterlichen Anfängen der Prozession. Die Heilgenstädter Palmsonntagsprozession ist 2016 von der deutschen UNESCO-Kommission in die Liste des immateriellen Kulturerbes Deutschlands aufgenommen worden.

Gründonnerstag – das letzte gemeinsame Mahl

Der Gründonnerstag erinnert an das Passahmahl (später Abendmahl), das Jesus als Abschieds- und Hoffnungsmahl am Abend vor seiner Gefangennahme am Karfreitag mit seinen engsten Vertrauten, den Jüngern, gefeiert hat (Markusevangelium 14, 22 - 25). Jesus forderte seine Jünger an diesem Abend auf, fortan gemeinsam das Abendmahl zu feiern - die Gabe von Wein und Brot (symbolisch als Oblate gereicht) erinnert daran.

Der Name "Grün"-Donnerstag leitet sich wahrscheinlich von "gronan" = weinen ("greinen") ab. Damit waren die Tränen der Büßer gemeint, die zu Beginn der Fastenzeit aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen und nach entsprechenden Bußhandlungen wieder aufgenommen wurden.

In einer anderen Deutung weist das "Grün" auf das Erwachen der Natur im Frühling und das Grünwerden der Pflanzen.

Glasmalerei mit Darstellung aus dem Leben Christi im Basler Münster - Das letzte Abendmahl - Jesus und seine Jünger
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Karfreitag – die Kreuzigung von Jesus

Der Karfreitag ist der Überlieferung nach der Todestag Jesu. Er ist seit dem vierten Jahrhundert als Gedächtnistag an die Kreuzigung Jesu bezeugt. Für die evangelischen Christen ist der Karfreitag der höchste Feiertag im Jahr und wird häufig kirchenmusikalisch besonders ausgestaltet. Messen dürfen am Karfreitag und Karsamstag nicht gefeiert werden. An diesem Tag fand der Prozess, die Hinrichtung und die Beerdigung von Jesus in Jerusalem statt. Pilatus, römischer Statthalter, sprach Jesus wahrscheinlich des Landfriedensbruchs für schuldig und verurteilte ihn zur Kreuzigung.

In der Bibel finden sich in den vier Evangelien die Abläufe und Ereignisse der Geschehnisse in den Passionsgeschichten wieder. Der so genannte "Kreuzweg" schildert die Stationen:

1. Jesus wird zum Tode verurteilt
2. Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
3. Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
4. Jesus begegnet seiner Mutter
5. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
6. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
7. Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
8. Jesus begegnet den weinenden Frauen
9. Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
10. Jesus wird seiner Kleider beraubt
11. Jesus wird ans Kreuz genagelt
12. Jesus stirbt am Kreuz
13. Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
14. Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt.

Abbildung von Jesus Christus am Kreuz.
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Ostersamstag – Alltag nach der Kreuzigung

Der Karsamstag oder auch Ostersamstag bzw. Ostersonnabend ist der erste Tag nach dem Tod von Jesus - es ist auch der jüdische Ruhetag, der Sabbat. Er setzt schon mit Einbruch der Nacht am Freitag ein und dauert bis zum Einbruch der Dunkelheit am Samstag. An diesem Tag darf nicht gearbeitet werden. Jesus Leichnam wurde der Überlieferung nach deshalb noch am Freitagabend beerdigt.

Symbolisch steht der Karsamstag für einen Tag, an dem das Leben trotz hoffnungsloser Lage für die Christen und Jünger Jesus weitergeht.

Erst in der Nacht zum ersten Ostertag oder sogar in der Frühe des Ostermorgens, also nach dem Sabbat, kommen die Christen zur Feier der Auferstehung zusammen, verbunden mit der Weihung des Osterwassers, des Osterfeuers und der Osterkerze.

Bei Nacht stehen Menschen gemeinsam vor einem Osterfeuer.
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Ostersonntag – die Auferstehung von Jesus

Der Ostersonntag ist für die Katholiken der wichtigste Tag der Osterfeiertage. An diesem Tag freut sich die christliche Gemeinschaft über die Auferstehung von Jesus. Die Auferstehung Jesu ist das Fundament des christlichen Glaubens, sie wird als Sieg über den Tod gefeiert. Die Liturgie (röm.-kath./orthodox) besteht aus vier Teilen: Lichtfeier, Wortgottesdienst, Tauffeier und Eucharistiefeier.

Bereits die ersten Christen müssen eine Jahresfeier des Todes und der Auferstehung Jesu Christi gekannt haben. Die Feier beginnt in der Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag mit einem Gottesdienst. In diesem Gottesdienst wird an die Auferstehung Jesu erinnert. Dabei spielt die Osterkerze eine besondere Rolle. In ihr vereinen sich griechische, jüdische, römische und christliche Lichttradition. Symbolisch und lchtsymbolisch steht die Osterkerze für den Sieg Jesu über Tod und Sterben.

Papst Franziskus I. spendet den traditionellen Segen Urbi et Orbi von der Loggia des Petersdom nach der Ostermesse auf dem Petersplatz.
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Ablauf eines katholischen Gottesdienstes

Dem alten Brauch nach wird die Osterkerze zu Beginn der Osternachtfeier von Karsamstag auf Ostersonntag am geweihten Osterfeuer entzündet und in die vollkommen dunkle Kirche getragen, womit bezeugt werden soll, dass Jesu der Ursprung des Lebens ist und Licht in die Dunkelheit bringt. Diese Bedeutung wird durch das Absenken der Osterkerze in das Wasser bei der Weihung des Taufwassers und dem Entzünden der Taufkerzen an der Osterkerze verstärkt.

Im Wortgottesdienst sind mindestens fünf Lesungen aus der Bibel vorgesehen, darunter auch eine Auferstehungserzählung.

In der Tauffeier werden die Täuflinge in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen und verpflichten sich, nach christlichen Maßstäben zu leben.

In der Eucharistiefeier versammeln sich die Gläubigen als durch Jesus Christus Gerettete sagen Gott sei Dank und feiern das neue Leben in Christus.

Ostermontag – der letzte Feiertag der Karwoche

Auch am Ostermontag besucht die christliche Gemeinde den Gottesdienst. Der Tag steht ansonsten im Zeichen der Familie. Mittelpunkt ist das gemeinsame Familienmahl, bei dem das Osterlamm wiederum der Mittelpunkt des Ostertisches ist.

Entstanden ist das Osterlamm aus dem Ritual der Juden, zum Passahfest ein Lamm zu schlachten und zu verspeisen. Dabei wird das Lamm zum Gedenken an Gott geschlachtet. Mit seinem weißem Fell ist es auch ein Symbol für die Reinheit und die friedliche Lebensweise.