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Gläubige tragen 2016 bei der Palmsonntagsprozession überlebensgroߟe figürliche Darstellungen aus der Leidensgeschichte Jesu durch Heiligenstadt.
Palmsonntagsprozession in Heiligenstadt Bildrechte: dpa

Stichwort: Karwoche Von Palmsonntag bis Ostermontag

Warum feiern Christen Ostern? Für die meisten hat das Osterfest wahrscheinlich mehr mit dem Eintritt des Frühlings zu tun – die religiöse Bedeutung und Herkunft ist in den Hintergrund getreten. Doch woran wird in der Karwoche erinnert und warum gilt den Christen Ostern als das höchste Fest im Kirchenjahr.

Gläubige tragen 2016 bei der Palmsonntagsprozession überlebensgroߟe figürliche Darstellungen aus der Leidensgeschichte Jesu durch Heiligenstadt.
Palmsonntagsprozession in Heiligenstadt Bildrechte: dpa

Die Christen nennen die Woche vor Ostern auch "Karwoche". Das Wort ist abgeleitet vom althochdeutschen Wort "kara" = Trauer, Klage. Die Karwoche beginnt am Palmsonntag und endet am Karsonnabend. Die Christen denken in dieser Zeit an Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu. Die Osterzeit dauert fünfzig Tage bis zum Pfingstfest.

Palmsonntag – der Einzug Jesu in Jerusalem

Eröffnet wird die Karwoche mit dem Palmsonntag, der auch Palmtag genannt wird. Der Name erinnert an den Brauch, an diesem Tag Palmzweige zum Gottesdienst mitzunehmen. Dort wird die Leidensgeschichte Jesu vorgelesen. In der Liturgie (römisch-katholische sowie orthodoxe Kirche) steht die Segnung der Zweige im Mittelpunkt. Der Palmsonntag erinnert auch an die Geschichte in den Evangelien, die den Einzug Jesu in Jerusalem schildert: Die Menschen jubelten Jesus zu und streuten ihm grüne Zweige auf den Weg in die Stadt.

Zum Teil haben sich Vorstellungen und Bräuche bis heute erhalten. Der gesegnete Palm soll Haus, Wohnung und Stall gegen alles Böse schützen. In Bayern steckt man die Palmzweige (Palmbuschen) hinters Kreuz. In vielen Gegenden erfolgt das Binden der Buschen nach alt überlieferten Gesetzen.

Eine der größten Palmsonntagsprozessionen in Deutschland ist die Heiligenstädter Leidens- und Szenenprozession. Dabei werden sechs überlebensgroße Figuren auf Traggerüsten oder Stangen mitgeführt. Sie erinnern an den Leidensweg von Jesus Christus. Zwischen den Bildnissen gehen Gläubige und singen, unterstützt von Blaskapellen, überlieferte religiöse Lieder. Auch die Lieder thematisieren Leiden, Tod und Auferstehung Jesu. Die Ursprünge der Leidensprozession liegen im 16. und 17. Jahrhundert. Damals belebte der Jesuiten-Orden die katholische Volksfrömmigkeit neu. Bis zum heutigen Tag verstehen die Katholiken des Eichsfeldes ihre Prozession als eine lebendige Form des Glaubensbekenntnisses. Selbst zu DDR-Zeiten waren Teilnehmerzahlen von bis zu 4.000 Gläubigen nicht ungewöhnlich. Heute sind es zwischen 5.000 und 8.000 Menschen.



In der Woche vor Palmsonntag richten ehrenamtliche Mitarbeiter der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien die Traggestelle vor, befestigen die Figuren und legen ihnen Gewänder an. Organisation der Vorbereitungen und Durchführung der Prozession liegt in den Händen der so genannten Bildführer. Getragen werden die Figuren schließlich von festlich in schwarz gekleideten Männern mit weißen Handschuhen und Zylinder. Diese Ehrenämter werden von Generation zu Generation meist innerhalb von Familien weitergegeben. Die Heilgenstädter Palmsonntagsprozession wurde 2016 von der deutschen UNESCO-Kommission in die Liste des immateriellen Kulturerbes Deutschlands aufgenommen.

Gründonnerstag – das letzte gemeinsame Mahl

Der Gründonnerstag erinnert an das Passahmahl (später Abendmahl), das Jesus als Abschieds- und Hoffnungsmahl am Abend vor seiner Gefangennahme am Karfreitag mit seinen engsten Vertrauten, den Jüngern, gefeiert hat (Markusevangelium 14, 22 - 25). Jesus forderte seine Jünger an diesem Abend auf, fortan gemeinsam das Abendmahl zu feiern - die Gabe von Wein und Brot (symbolisch als Oblate gereicht) erinnert daran.

Glasmalerei mit Darstellung aus dem Leben Christi im Basler Münster - Das letzte Abendmahl - Jesus und seine Jünger
Glasmalerei mit Darstellung aus dem Leben Christi im Basler Münster - Das letzte Abendmahl - Jesus und seine Jünger Bildrechte: imago/Werner Otto

Der Name "Grün"-Donnerstag leitet sich wahrscheinlich von "gronan" = weinen ("greinen") ab. Damit waren die Tränen der Büßer gemeint, die zu Beginn der Fastenzeit aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen und nach entsprechenden Bußhandlungen wieder aufgenommen wurden.

In einer anderen Deutung weist das "Grün" auf das Erwachen der Natur im Frühling und das Grünwerden der Pflanzen.

Karfreitag – die Kreuzigung von Jesus

Der Karfreitag ist der Überlieferung nach der Todestag Jesu. Er ist seit dem vierten Jahrhundert als Gedächtnistag an die Kreuzigung Jesu bezeugt. Für die evangelischen Christen ist der Karfreitag der höchste Feiertag im Jahr und wird häufig kirchenmusikalisch besonders ausgestaltet. Messen dürfen am Karfreitag und Karsamstag nicht gefeiert werden. An diesem Tag fand der Prozess, die Hinrichtung und die Beerdigung von Jesus in Jerusalem statt. Pilatus, römischer Statthalter, sprach Jesus wahrscheinlich des Landfriedensbruchs für schuldig und verurteilte ihn zur Kreuzigung.

In der Bibel finden sich in den vier Evangelien die Abläufe und Ereignisse der Geschehnisse in den Passionsgeschichten wieder. Der so genannte "Kreuzweg" schildert die Stationen:

1. Jesus wird zum Tode verurteilt
2. Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
3. Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
4. Jesus begegnet seiner Mutter
5. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
6. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
7. Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
8. Jesus begegnet den weinenden Frauen
9. Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
10. Jesus wird seiner Kleider beraubt
11. Jesus wird ans Kreuz genagelt
12. Jesus stirbt am Kreuz
13. Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
14. Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt.

Ostersamstag

Der Karsamstag oder auch Ostersamstag bzw. Ostersonnabend ist der erste Tag nach dem Tod von Jesus - es ist auch der jüdische Ruhetag, der Sabbat. Er setzt schon mit Einbruch der Nacht am Freitag ein und dauert bis zum Einbruch der Dunkelheit am Samstag. An diesem Tag darf nicht gearbeitet werden. Jesus Leichnam wurde der Überlieferung nach deshalb noch am Freitagabend beerdigt.

Symbolisch steht der Karsamstag für einen Tag, an dem das Leben trotz hoffnungsloser Lage für die Christen und Jünger Jesus weitergeht.

Erst in der Nacht zum ersten Ostertag oder sogar in der Frühe des Ostermorgens, also nach dem Sabbat, kommen die Christen zur Feier der Auferstehung zusammen, verbunden mit der Weihung des Osterwassers, des Osterfeuers und der Osterkerze.

Bei Nacht stehen Menschen gemeinsam vor einem Osterfeuer.
Bildrechte: IMAGO

Ostersonntag – die Auferstehung von Jesus

Der Ostersonntag ist für die Katholiken der wichtigste Tag der Osterfeiertage. An diesem Tag freut sich die christliche Gemeinschaft über die Auferstehung von Jesus. Die Auferstehung Jesu ist das Fundament des christlichen Glaubens, sie wird als Sieg über den Tod gefeiert. Die Liturgie (röm.-kath./orthodox) besteht aus vier Teilen: Lichtfeier, Wortgottesdienst, Tauffeier und Eucharistiefeier.

Bereits die ersten Christen müssen eine Jahresfeier des Todes und der Auferstehung Jesu Christi gekannt haben. Die Feier beginnt in der Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag mit einem Gottesdienst. In diesem Gottesdienst wird an die Auferstehung Jesu erinnert. Dabei spielt die Osterkerze eine besondere Rolle. In ihr vereinen sich griechische, jüdische, römische und christliche Lichttradition. Symbolisch und lchtsymbolisch steht die Osterkerze für den Sieg Jesu über Tod und Sterben.

Ablauf eines katholischen Gottesdienstes

Dem alten Brauch nach wird die Osterkerze zu Beginn der Osternachtfeier von Karsamstag auf Ostersonntag am geweihten Osterfeuer entzündet und in die vollkommen dunkle Kirche getragen, womit bezeugt werden soll, dass Jesu der Ursprung des Lebens ist und Licht in die Dunkelheit bringt. Diese Bedeutung wird durch das Absenken der Osterkerze in das Wasser bei der Weihung des Taufwassers und dem Entzünden der Taufkerzen an der Osterkerze verstärkt.

Im Wortgottesdienst sind mindestens fünf Lesungen aus der Bibel vorgesehen, darunter auch eine Auferstehungserzählung.

In der Tauffeier werden die Täuflinge in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen und verpflichten sich, nach christlichen Maßstäben zu leben.

In der Eucharistiefeier versammeln sich die Gläubigen als durch Jesus Christus Gerettete sagen Gott sei Dank und feiern das neue Leben in Christus.

Ostermontag – der letzte Feiertag der Karwoche

Auch am Ostermontag besucht die christliche Gemeinde den Gottesdienst. Der Tag steht ansonsten im Zeichen der Familie. Mittelpunkt ist das gemeinsame Familienmahl, bei dem das Osterlamm wiederum der Mittelpunkt des Ostertisches ist.

Entstanden ist das Osterlamm aus dem Ritual der Juden, zum Passahfest ein Lamm zu schlachten und zu verspeisen. Dabei wird das Lamm zum Gedenken an Gott geschlachtet. Mit seinem weißem Fell ist es auch ein Symbol für die Reinheit und die friedliche Lebensweise.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Das Wunder von Heiligenstadt | 19. April 2019 | 17:30 Uhr