Reformationstag | 31. Oktober 2022 Die Geburtsstunde der evangelischen Kirche

"Mich wundert, daß bei solchem unermeßlichem Wucher die Welt noch steht", meinte Martin Luther und setzte am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablass in Umlauf. Ihre Veröffentlichung leitet eine Epoche voller Umbrüche ein. Der Reformationstag erinnert an diese Ereignisse und wird traditionell in der Lutherstadt Wittenberg mit zahlreichen Veranstaltungen und Gottesdiensten gefeiert. Die ARD überträgt einen Gottesdienst zum Reformationstag aus der Stadtkirche St. Michael in Jena.

Lutherdenkmal in Wittenberg
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Am Reformationstag gedenken evangelische Christen Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg im Jahr 1517. Der Überlieferung nach hat der Mönch und Theologieprofessor am Tag vor Allerheiligen 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen. Damit führte er einen Disput über die vorherrschende Praxis des Ablasshandels herbei.

Hintergrund ist, dass Luther die Möglichkeit, sich von seinen Sünden freizukaufen, bestritt. Da diese Praxis schon vorher in der Kritik stand, wendeten sich durch die Streitigkeiten um Luthers Thesen viele Gläubige von der katholischen Kirche ab.

Ob Martin Luther 1517 wirklich seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche schlug, ist historisch nicht gesichert. Sicher ist aber: Seine Kirchenkritik war der Auslöser für die reformatorische Bewegung, die in den Folgejahren Europa ergriff und schließlich die protestantische Kirche hervorbrachte.

Moderator im Studio 3 min
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Auf Anordnung des Kurfürsten

Der Reformationstag ist seit 1667 ein offizieller Gedenktag. Mit seinem Erlass sorgte Kurfürst Georg II. von Sachsen außerdem zur Vereinheitlichung des Datums am 31. Oktober. Vorher unterschieden sich die Termine der einzelnen Landeskirchen.

In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aber auch in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gehört der Reformationstag zu den gesetzlichen Feiertagen. Außerhalb Deutschlands wird er zudem in Slowenien und Chile gefeiert. In der Schweiz begehen die reformierten Kirchen am ersten Sonntag nach dem 31. Oktober den Reformationssonntag.

Kulinarische Besonderheiten

Reformationsbrötchen
Reformationsbrötchen oder -stollen gehören in Mitteldeutschland zum Feiertag. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

In vielen Regionen gibt es die sogenannten Reformationsbrötchen. Das sind viereckige Hefeteigtaschen mit einem Klecks Marmelade in der Mitte. Die Marmelade symbolisiert die Lutherrose, mit der der Reformator seine Schriften versah. Reformationsbrötchen sind vor allem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, insbesondere in der Gegend um Leipzig, bekannt. Im Dresdner Umland und im Vogtland ist das Reformationsbrot, eine Art Stollen mit Aprikosenkonfitüre und Fondant, verbreiteter.

Feierlichkeiten, Gottesdienste und Programmschwerpunkt 2022

In Wittenberg gibt es traditionell um den Feiertag ein Reformationsfest mit verschiedenen Veranstaltungen. In diesem Jahr beginnen die Feierlichkeiten mit einer öffentlichen Stadtführungen am 28. Oktober. In der Schlosskirche findet am 29.10. eine Zugabe des 17. Wittenberger Renaissance Musikfestival mit Musik von Heinrich Schütz statt.

In der Lutherstadt wird es in diesem Jahr wieder verschiedenen Gottesdienste geben, die an das Jubiläum erinnern. Am 31. Oktober predigt in der Schlosskirche neben Superintendentin Gabriele Metzner in einem zweiten Gottesdienst auch die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Annette Kurschu. In der nahe gelegenen Stadtkirche St. Marien wird zudem Landesbischof Friedrich Kramer an diesem Tag die Predigt halten.

Auch die ARD überträgt live aus der Stadtkirche Jena einen Evangelischen Gottesdienst zum Reformationstag. Der Gottesdienst knüpft an einen Besuch des Reformators im Frühjahr 1522 an: Damals übernachtete Luther inkognito in der Stadt.

Einen Programmschwerpunkt zum Reformationstag gibt es auch im MDR-Fernsehen. Zu sehen sind u.a. der DDR-Spielfilm "Martin Luther – Der Protest" (1983), ein Porträt der Sendereihe "Glaubwürdig" über die engagierte Christin, Umweltschützerin, und einstige Bürgerrechtlerin Gisela Hartmann sowie die Dokus "Luthers Bibelübersetzung - der erste Bestseller der Welt" und "Das Lutherland“"aus der MDR-Reihe "Mitteldeutschland von oben".

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