Interreligiöser Kalender

Interreligiöser Kalender Religiöse Feiertage im April 2022

Für die Musliminnen und Muslime beginnt der Fastenmonat Ramadan. Christinnen und Christen feiern Ostern, Jüdinnen und Juden das Pessach-Fest. Jesidinnen und Jesiden starten ins Neue Jahr.

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Warum verzichten Muslime im Fastenmonat Ramadan zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und jeden Luxus? Felix Seibert-Daiker klärt auf.

Religion und Kirche Mo 12.04.2021 18:50Uhr 02:46 min

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02.04.2022 - 02.05.2022 | Ramadan

(islamisch)

Der Fastenmonat Ramadan, der 2022 zum dritten Mal im Zeichen der Pandemie steht, erinnert an die Offenbarung des Koran an Mohammed. Von innerer Einkehr, aber auch vom Gefühl der Gemeinschaft und der Versöhnung soll diese Zeit für Musliminnen und Muslime deshalb geprägt sein. Der Ramadan gilt auch als Monat der guten Taten.

Minarette einer Moschee zeichnen sich als Schatten vor einem dunklen Himmel mit Halbmond ab.
Von Tagesanbruch bis zum Sonnenuntergang bleiben Tassen und Teller leer. Der Fastenmonat ist der inneren Einkehr gewidmet. Bildrechte: Colourbox.de

Der Name bedeutet so viel wie "brennende Hitze und Trockenheit", was anspielt auf das Gefühl im Magen des Fastenden. Zwischen dem Beginn der Morgendämmerung und dem Sonnenuntergang ist Muslimen Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr untersagt. Mit dem "Iftar", dem gemeinsamen Abendessen, wird das Fasten täglich beendet. Spezielle Gebete wie das "Tarawih" können folgen. Höhepunkt ist die "Lailat al Qadr", die "Nacht der Bestimmung", in der nach der Überlieferung dem Propheten Mohammed erstmals Verse des Koran offenbart wurden. Viele Muslime beten dann die ganze Nacht, in der Hoffnung auf die Vergebung ihrer Sünden.

Der Ramadan endet mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens, arabisch "Id al Fitr", nach dem Opferfest der höchste muslimische Feiertag.

Im Arabischen heißt Fasten: "Saum" – es bedeutet Herz und Seele reinigen, Platz für den Glauben schaffen und an Menschen denken, denen es nicht so gut geht. Das Fasten (Saum) gehört neben dem Glaubensbekenntnis (Schahada), dem täglich fünfmaligen Gebet (Salat), der Almosensteuer (Zakat) und der Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch) zu den fünf sogenannten Säulen des Islam. Ausgenommen vom Fastengebot sind Kinder, Alte, Kranke, Schwangere und Reisende.

10.04.2022 | Rama Navami

(hinduistisch)

Mit Rama Navami feiern Hindus die Geburt von Rama, einer Inkarnation des Gottes Vishnu. Der Überlieferung zufolge besiegte Rama einen zehnköpfigen Dämon und rettete damit die Stadt Ayodhya. Zu Ramas Geburtstag werden seine Heldentaten gelesen, große Umzüge veranstaltet und im Kreise der Familie besondere Speisen gekocht. In Südindien reicht man dazu Rannagam, ein süßsaures Getränk.

10.04. - 17.04. 2022 | Karwoche und Ostern

(christlich)

Zu Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu. Die Tage von Gründonnerstag bis Ostersonntag bilden den Höhepunkt des Kirchenjahrs.

Gleichwohl ist Ostern für viele eher ein Frühlings- und Familienfest mit Ostereiern, Osterhasen und Osterfeuer. Wie das zusammenpasst:

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13.04.2022 | Songkran / Neujahr in Thailand

(thai-buddhistisch)

Mit Songkran wird in Thailand der Beginn eines neuen Jahres gefeiert. Gläubige opfern im Tempel Reis, Früchte und andere Speisen und baden Buddha-Figuren, die in einem Umzug durch die Stadt gefahren werden. Im Laufe der Zeit haben sich diese rituellen Waschungen dahingehend entwickelt, dass sich zu Songkran alle Menschen gegenseitig aus Eimern, Flaschen oder Wasserpistolen mit Wasser übergießen. Ebenso ist es Tradition, dass junge Menschen die Älteren besuchen und ihnen Ehre erweisen, indem sie ihnen mit Jasmin-Blüten versetztes Wasser über die Hände gießen.

Eine Frau schaut lächelnd hinter einer Buddhastatue hervor
Festumzug beim thailändischen Neujahrsfest Songkran Bildrechte: IMAGO / Xinhua

14.04.2022 | Vaisakhi

(Sikhismus)

An diesem Tag feiern Sikh ihr Neujahrsfest und gleichzeitig die Gründung einer neuen Gemeinschaft. Am 14. April 1699 soll der 10. Guru Gobind Singh Ji seine Anhänger versammelt und die Gemeinschaft der Khalsa gegründet haben, die zum Wohl der Menschheit betet und arbeitet.

Die Sikh-Religion wurde im 15. Jahrhundert in Nordindien von Guru Nanak gegründet. Der Glaube und die Philosophie dieser Religion schlagen eine Brücke zwischen Hinduismus und Islam. Sikh bedeutet ins Deutsche übersetzt so viel wie "Schüler".

15.04.2022 | Sederabend

(jüdisch)

Am Abend vor Pessach feiern viele jüdische Familien gemeinsam den Sederabend. "Seder" heißt Ordnung. Den Ablauf des Abends gibt ein spezielles Buch, die Haggada, vor. Darin ist die Geschichte vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten aufgeschrieben. Im Verlauf der Zeremonie gibt es Speisen von der Sederplatte. Jede Speise hat eine besondere Bedeutung und erinnert an ein Ereignis während der Sklaverei der Israeliten in Ägypten. So gibt es Salziges, Süßes und Bitteres. Mit dem aramäischen Volkslied "Chad gadja" wird der Abend feierlich beendet.

Vorher wird die Wohnung gründlich gereinigt. Die Kinder können dabei ein kleines, verstecktes Stück Mazzebrot finden, um dann – zu Pessach – ein kleines Geschenk zu erhalten.

16. - 23.04.2022 | Pessach

(jüdisch)

Das jüdische Pessachfest, auch Fest der ungesäuerten Brote genannt, erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Es dauert acht Tage. Während dieser Zeit ist es verboten, gesäuerte Getreideprodukte zu essen. Diese Tradition geht darauf zurück, dass die Israeliten vor ihrem Auszug aus Ägypten keine Zeit mehr hatten, Hefe- oder Sauerteig anzusetzen. Durch das Lesen der Befreiungsgeschichte in der Haggada wird das Geschehen von Generation zu Generation weitergegeben.

Ungesäuertes Brot
Zu Pessach gibt es nur ungesäuertes Brot Bildrechte: Colourbox.de

Beim gemeinsamen Mahl am Sederabend haben viele Speisen Symbolcharakter. Es gibt Salziges, Süßes und Bitteres. Rohes Gemüse wird in Salzwasser getunkt. Man reicht Nüsse und Früchte, aber auch gekochtes Ei. Jedem Lebensmittel wird ein Bild, eine Situation zugeordnet, um damit an jene zu erinnern, die einst den beschwerlichen Weg in die Freiheit antraten. 

20.04.2022 | Çarşema Serê Salê / Jesidisches Neujahr

Zu Neujahr erinnern Jesidinnen und Jesiden an die Erschaffung der Welt aus einem Ei. Gott soll die Erde als gefrorenes Ei erschaffen haben. Der Erzengel Tausi Melek ("der Engel Pfau") soll es zerbrochen haben, der Erde herausgeholfen und sie prachtvoll erblühen lassen. Das Fest findet am sogenannten "Roten Mittwoch" statt. Für die Farbe gibt es verschiedene Erklärungen. Eine besagt, dass das Rot als Synonym für "bunt" und damit für die Pracht der erschaffenen Erde steht.

Das Neujahrsfest prägt den ganzen Monat: Gläubige dürfen im April keine Hochzeiten feiern, denn es gäbe keine schönere Braut als den April.

16.04.2022 | Hanuman Jayanti

(hinduistisch)

Hanuman Jayanti erinnert in Indien an die Geburt des Gottes Hanuman. Hanuman zählt zu den populärsten Göttern im Hinduismus. Er gilt als treuer Helfer des Gottes Rama. Der Überlieferung zufolge besitzt er besondere Kräfte: Hanuman ist so schnell wie der Wind, so kraftvoll, dass er Berge und Wolken auseinanderreißen kann, er ist in der Lage, zu fliegen, und seine Gestalt zu verändern. Er symbolisiert damit die Kraft der Hingabe, des Vertrauens, des Mutes und der Gottesverehrung. In Darstellungen hat Hanuman meist die Gestalt eines Affen, weshalb Affen in indischen Tempeln oft Narrenfreiheit haben. Hanuman zähl auch zu einer der sieben "unsterblichen" Personen.

Den Geburtstag des Gottes begehen viele Gläubige mit einem heiligen Bad. Anschließend besuchen sie einen Tempel. Sie bestreichen das Bildnis Hanumans mit roter Farbe und schmücken es mit Blüten. Dabei singen sie seine Hymne, die so genannte Hanuman Chalisa, und lesen sich Geschichten aus dem Leben Hanumans vor.

24.04.2022 | Ostersonntag

(russisch-orthodox)

In der russisch-orthodoxen Kirche werden die Feiertage nicht nach dem gregorianischen, sondern nach dem julianischen Kalender berechnet. Daher wird das Osterfest immer etwas später als in der evangelischen und katholischen Kirche gefeiert. Deshalb fällt der Ostersonntag in der russisch-orthodoxen Kirche in diesem Jahr auf den 24. April.