Christliche Hilfswerke Sternsinger 2021: Spenden in Zeiten von Corona

Traditionell sind am 6. Januar Sternsinger im ganzen Land unterwegs, um singend Spenden zu erbitten. Die Alternativen im Corona-Lockdown heißen: digitaler Segen, Segenspaket mit Aufkleber oder Spenden in die Box beim Bäcker. Bundespräsident Steinmeier würdigte die Aktion dennoch als "Lichtblick in dieser schwierigen Zeit". 2021 lenken die Sternsinger den Blick auf die Situation von Kindern in der Ukraine, deren Eltern der Arbeit wegen Familie und Heimat verlassen müssen. Indessen fürchten die christlichen Hilfswerke um Einbrüche bei den Spenden.

Mit einem Kescher nehmen drei Sternsinger eine Spende entgegen
Spendenübergabe per Kescher - eine kreative Lösung in Pandemie-Zeiten. Bildrechte: dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Sternsinger als "Lichtblick in dieser schwierigen Zeit" gewürdigt. Sich mit der jährlichen Spendendenaktion für andere Kinder einzusetzen, damit täten sie etwas sehr Kostbares und seien somit ein Vorbild für alle Menschen in Deutschland. Der traditionelle Besuch der Sternsinger im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, sei immer wie ein Geschenk zu Jahresbeginn, so Steinmeier in seiner Videobotschaft. Er bedauerte, dass der Besuch in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht möglich gewesen sei.

Sternsinger-Aktion bis Anfang Februar verlängert

Traditionell ziehen um den Dreikönigstag am 6. Januar Mädchen und Jungen als Heilige Drei Könige verkleidet von Haus zu Haus, bringen den Segenswunsch an den Türen an und bitten um Spenden für Kinder in Entwicklungsländern. Viele Gemeinden haben sich Corona-kompatible Alternativen einfallen lassen. Zum Beispiel Segensbrief oder -paket mit einem Aufkleber, den die Bewohner selbst anbringen.

Indessen verständigten sich das Kindermissionswerk und die Deutsche Bischofskonferenz außerdem darauf, das Sternsingen 2021 bis zum 2. Februar zu verlängern, damit die Spendenaktion auch unter den schwierigen Bedingungen der Pandemie zum Erfolg werden kann.

Hilfswerke fürchten um Einbrüche und Hilfsangebote

Zwar versuchen die katholischen und evangelischen Hilfswerke in Corona-Zeiten generell auf digitale Wege umzusteigen, dennoch befürchten sie einen massiven Einbruch bei den Spenden. Im vergangenen Jahr kamen alleine beim Sternsingen in den ostdeutschen Bistümern Görlitz, Dresden-Meißen, Erfurt und Magdeburg mehr als eine Million Euro zusammen. Nun wird online geworben und gesammelt, direkt auf der Internetseite der Sternsinger oder in den Gemeinden. Ob sich mit einer digitalen Spendenbüchse genauso viel Geld sammeln lasse, werde sich erst noch zeigen, sagt Ulrich Clausen, der als Referent für Weltkirche im Bistum Dresden-Meißen auch die katholischen Hilfswerke betreut. Klar sei, dass viele ältere Menschen lieber Bargeld in den Klingelbeutel geben. Mit über 23 Millionen Euro habe die Weihnachtskollekte im vergangenen Jahr fast 50 Prozent der Gesamteinnahmen eingebracht. Da viele Präsenzgottesdienste abgesagt oder nur mit sehr wenigen Menschen in den Kirchen selbst gefeiert worden seien, fielen die Barspenden für das Hilfswerk Adveniat in diesem Jahr gering aus. Es gebe einen neuen Trend, Spenden direkt an die Hilfswerke zu überweisen, der Umfang komme aber nicht an den der Direktspenden heran.

Ähnliche Erfahrungen macht derzeit auch das große evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt". Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel befürchtet, dass Hilfsangebote beispielsweise in Lateinamerika reduziert werden müssen, und das bei steigender Not.

Ganz so dramatisch betrachtet Frieder Weigmann, Sprecher der Diakonie Mitteldeutschland, die Situation jedoch nicht. Für internationale Programme wie "Hoffnung für Osteuropa", "Brot für die Welt" oder die Diakonie-Katastrophenhilfe gebe es eine deutliche Unterstützung: "Vielen Menschen ist bewusst, wie gut es ihnen eigentlich selber geht, das sind vor allem Angestellte und Menschen mit einer guten Rente. Sie denken darüber nach, wie es anderen geht, für die das nicht zutrifft." Und so zeichne sich in Thüringen und Sachsen-Anhalt sogar ein überraschend gutes Spendenergebnis für Projekte vor Ort ab, sagt Diakonie-Sprecher Weigmann

"Kindern Halt geben – in der Ukraine und weltweit"

Die Aktion Dreikönigssingen steht diesmal unter dem Motto "Segen bringen, Segen sein. Kindern Halt geben – in der Ukraine und weltweit". Dort müssten viele Kinder lange von ihrem Vater, ihrer Mutter oder beiden getrennt leben, weil die Eltern im Ausland arbeiteten, begründeten die deutschen Bischöfe in ihrem Aufruf. Die Sternsinger-Aktion solle den Blick darauf lenken und aufzeigen, was das für die Kinder bedeute.

Zugleich solle die Aktion deutlich machen, wie die Projektpartner der Sternsinger Kinder schützten und stärkten, denen es an elterlicher Fürsorge fehle: "Für die Projektpartner und die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen ist der Segen gerade angesichts der Corona-Pandemie auch ein Ausdruck unserer Verbundenheit und Solidarität", so die Bischöfe.

Sternsinger
"C+M+B" steht für "Christus mansionem benedicat": "Christus segne dieses Haus. Die Buchstabenfolge setzt sich zwar aus den Anfangsbuchstaben der Namen der Heiligen Drei Könige, Caspar, Melchior und Balthasar, zusammen. Falsch ist aber, dass die Kennzeichnung daher kommt. Bildrechte: dpa

"Christus, segne dieses Haus"

Dem Evangelisten Matthäus verdanken sie ihre Überlieferung, im 3. Jahrhundert setzte eine umfangreiche Legendenbildung ein. Aus den weder konkret bezifferten noch benannten Weisen wurden die Heiligen Drei Könige und später Caspar, Melchior und Balthasar.

Mit Weihrauch, Myrrhe und Gold im Gepäck machten sie sich der Legende nach auf den Weg zum Stall, um dem neugeborenen Messias zu huldigen. Anschließend trugen sie die frohe Botschaft in die Welt hinaus.

Diesem Vorbild folgend ziehen um den 6. Januar Kinder auf der ganzen Welt als Heilige Drei Könige verkleidet aus, um die Nachricht von der Geburt Jesus Christus' zu verbreiten und Häuser und Wohnungen zu segnen. So ist es in Dresden und Erfurt beispielsweise alte Tradition, dass die Sternsinger ihren Segen nicht nur in Krankenhäuser, Altenheime und Sozialstationen tragen, sondern auch die sächsische beziehungsweise thüringische Staatskanzlei sowie den Landtag besuchen. Ebenfalls alte Tradition ist die Visite der Sternsingerkinder im Bundeskanzleramt und beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue.

Kinder für Kinder

Sternsinger im Kölner Dom - Szene aus dem Film.
Sternsinger im Kölner Dom Bildrechte: MDR/WDR/M. Papirowski

Vor einem Jahr haben die rund 300.000 Sternsinger deutschlandweit etwa 52,4 Millionen Euro gesammelt. Die Aktion Dreikönigssingen gilt als die weltweit größte Hilfsinitiative von Kindern für Kinder. Träger des Dreikönigssingens sind das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Insgesamt wurden seit Beginn der Aktion im Jahr 1959 mehr als eine Milliarde Euro gesammelt, für mehr als 73.000 Projekte in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa. In ökumenischer Verbundenheit machen inzwischen auch evangelische Kinder mit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 06. Januar 2021 | 09:15 Uhr