Tatorte der Reformation | MDR FERNSEHEN | 12.10.2017 | 22:35 Uhr Angeklagt zu Worms

April 1521. Martin Luther ist vor den Reichstag zu Worms geladen, um dem Kaiser Rede und Antwort zu stehen. Wird der Abtrünnige seine Schriften widerrufen? Julian Sengelmann begibt sich nach Worms.

Mit den 95 Thesen fing es an, weitere Schriften folgten. Martin Luther stellt erst den Ablass, dann die Papstkirche insgesamt in Frage. Das provoziert Kaiser und Papst.

Und nun, 1521, soll sich Luther auf dem Reichstag zu Worms verteidigen. Er ist als Ketzer angeklagt. Zwei Tage soll das Verfahren dauern. Ein kleiner Mönch aus der deutschen Provinz wird vor den Kaiser und die mächtigsten Männern des Reiches zitiert. Eine Sensation. Aber steht das Urteil nicht schon fest? Kann man einen solchen riskanten Auftritt mit heiler Haut überstehen? Julian Sengelmann sucht am Ort des Geschehens nach Antworten.

Stichwort: Der Reichstag zu Worms Luthers 95 Thesen, die eigentlich nur eine Diskussion über Reformen innerhalb der katholischen Kirche anregen sollten, verbreiten sich rasch in Deutschland. Rom befürchtet, dass Luthers Theologie die Lehre der Kirche und die Autorität des Papstes untergraben könnte. Deshalb soll sich Luther in Rom vor einem Gericht verantworten und seine Thesen widerrufen.

Der Prozess wird auf Drängen Friedrichs des Weisen nach Deutschland verlegt. Ein erstes Verhör gibt es auf dem Augsburger Reichstag 1518, durchgeführt vom päpstlichen Legaten Kardinal Cajetan. Luther lehnt einen Widerruf ab. Erst ein Jahr später hat Luther in der Leipziger Disputation die Möglichkeit, seine Lehre in einem Klärungsgespräch mit dem katholischen Theologen Johann von der Ecken zu verteidigen. Doch das Streitgespräch manifestiert nur die Kluft zwischen Reformern und der Kirche, und von der Ecken treibt in Rom die Exkommunikation Luthers voran. Schließlich verhängt Papst Leo X. im Januar 1521 den Kirchenbann über Luther. Dem muss laut Gesetz eine Reichsacht folgen. Doch Reichsstände fordern auf dem mittlerweile tagenden Wormser Reichstag, Luther solle vorher von einer unabhängigen Autorität verhört werden. Luther wird nach Worms bestellt.

Auf dem Wormser Reichstag fordert Kaiser Karl V. am 17. April von Martin Luther, seine Lehren zu widerrufen. Luther, der sich Bedenkzeit erbeten hatte, lehnt das einen Tag später ab, solange er nicht aus der Heiligen Schrift oder aus Vernunftgründen widerlegt würde. Daraufhin bricht der Kaiser die Verhandlungen ab. Schon am 19. April lässt er eine schriftliche Erklärung verbreiten, wonach er Luther freies Geleit für seine Rückreise zusagt, zugleich aber auch ankündigt, ihn mit der Reichsacht zu belegen. Diese wird eine Woche später durch das "Wormser Edikt" wirksam. Am 26. April reist Luther auf Befehl des Kaisers aus Worms ab und wird auf dem Weg nach Wittenberg entführt und als Junker Jörg auf die Wartburg in Sicherheit gebracht.

Der Reichstag zu Worms, 1521. Luther in Gegenwart von Kaiser Karl V. Luther rechts, Johann von der Ecken links zwischen ihnen.
Auf dem Reichstag zu Worms, Kaiser Karl V (Mitte, sitzend), Martin Luther (Mitte, rechts vorn) und Johannes Eck (Mitte, links vorn) in einem zeitgenössischen Holzschnitt. Bildrechte: IMAGO

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2018, 14:32 Uhr