17. November Woran der Volkstrauertag erinnert

Der Volkstrauertag hat seit jeher eine politische Dimension. Früher wurde an die getöteten deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnert. Erinnert wird heute an alle Toten von Krieg und Gewaltherrschaft.

Eine Kriegsgräberstätte auf dem Neuen Friedhof.
Bildrechte: dpa

Weite Teile Europas liegen in Trümmern. Millionen Familien beklagen tote Angehörige. Das blutige Resümee des Ersten Weltkriegs, der in den Jahren von 1914 bis 1918 wütet. Nach Kriegsende im Deutschen Reich engagieren sich Politiker und Vereine wie der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für das Gedenken an die getöteten Soldaten auf deutscher Seite. Die Motive dafür sind unterschiedlich. Sie reichen von Heldenverehrung bis zu Anteilnahme mit den Angehörigen. Auch andere am Krieg beteiligte Nationen wie Frankreich und Großbritannien gedenken ihrer Toten. Sie erklären den Waffenstillstandstag, den 11. November, zum Gedenktag.

Stichwort: Volkstrauertag Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag seit den 1920er-Jahren. Ursprünglich gedachte man der getöteten deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Heutzutage wird am Volkstrauertag an die Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft erinnert.

Schon bald gibt es auch im Deutschen Reich erste Anlässe - wenn auch noch keinen gesetzlichen Gedenktag. So erinnert der Reichtstag erstmals im Jahr 1922 an die toten Soldaten. Reichstagspräsident Paul Löbe sagt damals, die Trauer um die Toten sei die Abkehr von Hass und das Hinwenden zur Liebe. Eine Botschaft, die ein paar Jahre später von der Realität eingeholt wird.

Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch Toten zu ehren, Verlorene zu beklagen, bedeutet die Abkehr vom Hass, bedeutet die Hinkehr zur Liebe, und unsere Welt hat Liebe not.

Reichstagspräsident Paul Löbe während der Gedenkveranstaltung im Reichstag am Volkstrauertag 1922

Missbrauch durch die Nazis

Amerikanischer Soldatenfriedhof mit Gedenkstätte in Henri-Chapelle.
Amerikanischer Soldatenfriedhof mit Gedenkstätte in Henri-Chapelle. Bildrechte: imago/Manngold

Die Nationalsozialsten ergreifen die Macht. Im Jahr 1934 erklärt die NSDAP den Volkstrauertag zum gesetzlichen Feiertag und nennt ihn in "Heldengedenktag". Von nun an ist Propagandaminister Joseph Goebbels für die Gestaltung zuständig - nicht mehr der Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Ein Jahrzehnt später tobt der Zweite Weltkrieg, der am Ende etwa 50 Millionen Tote auf allen Seiten fordern wird.

Erinnerungskultur Ost vs. West

Kränze liegen am Volkstrauertag in der Neuen Wache in Berlin
Die Neue Wache in Berlin mit dem Kollwitz-Denkmal als zentraler Gedenkort Bildrechte: Imago/Seeliger

1945. Waffenstillstand. Die Stunde Null. In der Nachkriegszeit ist die Erinnerungskultur in Ost- und Westdeutschland sehr verschieden ausgeprägt. Nur die Bundesrepublik knüpft an die Geschichte des Volkstrauertags an. Seit dem Jahr 1952 hat er dort den Status eines gesetzlichen Gedenktags. So gedenkt die Bundesrepublik fortan der Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft.

Die DDR erinnert stattdessen der Opfer des Faschismus. Ein Unterschied. Denn dazu zählten vor allem kommunistische Widerstandskämpfer und nicht die getöteten deutschen Soldaten, schreibt der Historiker Jan-Henrik Meyer.

Nach der Wiedervereinigung gibt es den Volkstrauertag nun auch in den neuen Bundesländern.

Der Volkstrauertag heute

Innenansicht des Plenarsaales der Bundestages während der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge
Gedenkstunde im Plenarsaal des Bundestages Bildrechte: dpa

Der Volkstrauertag liegt immer am Sonntag vor dem Totensonntag. Also mitten im sogenannten Totenmonat November – zwischen den katholischen Gedenktagen Allerheiligen und Allerseelen am Monatsanfang und dem protestantischen Gedenktag Totensonntag am Monatsende.

Zu den Ritualen des Volkstrauertags gehören bundesweite Kranzniederlegungen und auch Gottesdienste. Die wichtigste Veranstaltung ist die Zentrale Gedenkstunde des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Üblicherweise findet sie im Bundestag statt, wo hohe Repräsentanten wie der Bundespräsident sprechen.

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2019, 09:57 Uhr