Wissenswertes Was haben Pfingstgemeinden mit Pfingsten zu tun?

Autorin: Elke Thiele

Dass sie "in Zungen sprechen", ist wohl das prägnanteste Merkmal der Pfingstler, wie die Gemeindemitglieder auch genannt werden. Was diese christliche Bewegung noch kennzeichnet, wo sie ihre Wurzeln hat und wie der Gottesdienst gestaltet wird, erfahren Sie hier.

Pfingstgemeinde: Elim-Gemeinde aus Zittau
Bernd Hensel, Elim-Gemeinde Zittau Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es kann passieren – zum Beispiel während des Gottesdienstes – dass jemand plötzlich in einer unbekannten Sprache singt oder spricht. Der Heilige Geist wirke direkt im Menschen, die Zungenrede sei eine besondere Gabe, so die Pfingstler. "Man spürt da regelrecht Gott, man hat einen Draht zu Gott", so Bernd Hensel aus der Zittauer Elim-Gemeinde.

Gleiches soll erstmals vor rund 2.000 Jahren zu Pfingsten geschehen sein. Die Bibel berichtet in der Apostelgeschichte: 

Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

(Apg 2, 3)

Aufschwung in den 1960er-Jahren

Pfingstgemeinde: Elim-Gemeinde aus Zittau
Pastor Johannes Weiß, Elim-Gemeinde Zittau Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Pfingstgemeinden, die nach diesem biblischen Sprachenwunder benannt werden, haben ihre Wurzeln in der Erweckungs- und Heiligungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Pastor Johannes Weiß (Zittau): "Pfingstgemeinden sind kirchenhistorisch gesehen eine ganz neue Bewegung. Wir reden von rund 100 bis 110 Jahren. Die Christen sehnten sich nach der Kraft Gottes, die im Neuen Testament beschrieben ist und beteten für Erneuerung. Sie wollten, dass in die erstarrten Gemeinden wieder Leben kommt."

In den 1960er-Jahren erlebten die Pfingstgemeinden mit der Charismatischen Bewegung einen starken Aufschwung.

Unterschiede zum traditionellen Gottesdienst

Die Gottesdienste sind sehr emotional - von spontanem Applaus bis kollektivem Tränenausbruch ist alles möglich. Das unterscheidet sie von traditionellen deutschen Gottesdiensten, die sehr streng und ehrfürchtig wirken. "Beim Fußball ist es normal, dass wir gemeinsam grölen und schreien, aber sobald wir in der Gemeinde sind, ist das für viele undenkbar", so Pastor Johannes Weiß. "Aber in der Bibel stehen viele Aufforderungen wie 'Ruf zu dem Herrn!' oder 'Ich habe geschrien zu dem Herrn'. Ich kann also gut biblisch begründen, dass wir das tun dürfen und auch sollen."

"Elim" - benannt nach der biblischen Wüstenoase

In Deutschland gehören die rund 800 Pfingstgemeinden zu den evangelischen Freikirchen. Die meisten haben sich unter dem Dach "Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden" zusammengeschlossen. Viele Gemeinden gaben sich den Namen "Elim", benannt nach einer biblischen Wüstenoase. Der Heilige Geist als ein Teil der Dreifaltigkeit wird von ihnen stärker in den Mittelpunkt gerückt als in anderen christlichen Gemeinden.

Krankenheilungen und Weissagungen

Das Wirken des Heiligen Geistes zeigt sich neben der Zungenrede auch in Krankenheilungen und Weissagungen. Über die Ergebnisse und persönlichen Erlebnisse wird gern und öffentlich Zeugnis abgelegt, um die Kraft des Heiligen Geistes zu belegen und Menschen zu ermutigen. Dies erzeuge auch eine Gruppendynamik, so Pastor Christoph Maas (Gera): "Man weiß, dass ein Mensch, der sich seelisch mit bestimmten Phänomenen auseinandersetzt, diese Phänomene durchaus erlebt und dann auch meint, sie kommen vom Heiligen Geist. Das ist ja nicht so einfach zu unterscheiden. Und dafür haben wir die Bibel, um immer wieder dieses Korrektiv zu finden."

Laut Statistik des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden sind von weltweit rund 2.000 Millionen Christen ein Viertel Pfingstler bzw. Charismatiker.

In Asien, Südamerika und Afrika sind die Pfingstgemeinden die am schnellsten wachsenden Gemeinden. Wir gehen jetzt davon aus, dass die Pfingstgemeinden mittlerweile die stärkste Gemeindeform nach den Katholiken ist – auf Grund des großen Wachstums in den Ländern der sogenannten Zweiten und Dritten Welt.

Pastor Johannes Weiß

"Elim" Der Name "Elim" kommt aus der Bibel. Elim ist die Oase, in der das Volk Israel erstmals nach langer Zeit von der Sklaverei ausruhen konnte. In dieser Oase hat das Volk Israel Kraft geschöpft, Leib und Seele konnten sich erholen.

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2018, 16:34 Uhr