Wie eine Stiftung Kirchenkunst zu retten versucht "Wenn wir vorne fertig sind, fangen wir hinten wieder an"

Jedes Dorf hat einen Kirchturm, zu jedem Kirchturm gehört eine Kirche und in den meisten Kirchen gibt es kulturhistorisch bedeutsame Schätze. Glasfenster, Flügelaltare oder bemalte Kanzel. Aber auch Taufengel oder Kruzifixe. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gründete vor 20 Jahren eine Stiftung, die Gemeinden beim Erhalt unterstützen hilft. Uli Wittstock berichtet.

Die Kirche Dambeck von außen.
Die romanische Feldsteinkirche von Dambeck. Bildrechte: Landeskirchenamt der EKM / Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut

Mit einem gewaltigen Schlüssel hantiert Roswita Heiser. An der Kirche in Dambeck bei Salzwedel ist alles historisch. Der mächtige Bau aus dem Jahr 1175 ragt weit ins Land. Von außen ist die Kirche frisch verputzt, im Innenraum allerdings bleibt noch viel zu tun. Das räumt auch Roswita Heiser ein: "So lange ich denken kann, sieht die Kirche so aus wie jetzt (lacht). Ich warte noch auf den Tag, dass es mal schöner wird", sagt die 66-Jährige, die von Geburt an in Dambeck lebt. 220 Einwohner hat der Ort heute, 50 sind Kirchenmitglieder.

Taufengel und Totenkronen

Taufengel in der Kirche von Dambeck, Sachsen-Anhalt
Taufengel in der Kirche von Dambeck Bildrechte: Landeskirchenamt der EKM / Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut

Damit die mit ihrer wertvollen Kirche nicht allein gelassen werden, hilft die Stiftung Kunst und Kulturgut der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). So konnte zum Beispiel der barocke Taufengel in Dambeck restauriert werden. Ein weiteres Projekt ist der Erhalt der Totenkronen. "Da sind richtige Kränze, und die kriegten die jungfräulich Verstorbenen. Das Hauptanliegen war, dass sie dann, wenn sie vor Gott treten, für diese Hochzeit im Himmel geschmückt sind", erklärt Roswitha Heiser. Diese Kränze wurden zur Erinnerung an die Verstorbenen in Holzkästen eingefasst und in den Kirchen ausgestellt. In Dambeck sind einige erhalten geblieben, in Seidenpapier eingeschlagen werden sie sicher verwahrt.

Mit wenig Geld viel erreichen

Totenkrone aus der Kirche von Dambeck, Sachsen-Anhalt
Totenkrone aus der Kirche von Dambeck Bildrechte: Landeskirchenamt der EKM / Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut

Die Stiftung Kunst und Kulturgut hat jährlich rund 100.000 Euro zur Verfügung. Auch mit wenig Geld lässt sich viel erreichen, erklärt Stiftungschefin Bettina Seyderhelm: "Wir helfen finanziell und auch mit Beratungen. Außerdem unterstützen wir mit Aktionen, also mit Spendenaufrufen, die dann für diese Kirchengemeinden und für diese Stücke konkret dann eingesetzt werden können. Und das hilft sehr." So habe man mit der Aktion "Paten für Engel" inzwischen über 70 Taufengel konservieren können; mit stiftungseigenen Mitteln, aber auch mit sehr vielen Spenden. Für die seien die Stiftung und die Kirchgemeindennv "sehr, sehr dankbar".

Almosentafel aus der Kirche von Möckern, Sachsen-Anhalt
Almosentafel aus der Kirche von Möckern Bildrechte: Landeskirchenamt der EKM / Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut

Tatsächlich sind die Taufengel auch ein schönes Beispiel für ein Umdenken in den Gemeinden. Die barocken Figuren galten lange als kitschig und wurden in der Sakristei abgestellt. Überhaupt gibt es in den Kirchen immer mal wieder überraschende Funde, beispielsweise einer Almosentafel in der Kirche Möckern, die zunächst gar nicht als solche erkannt war, wie Seyderhelm erzählt.

Seit dem 16. Jahrhundert diente sie dazu, zur Sammlung für die Armen aufzurufen, also Geld zu stiften: "Und wir haben auch noch eine Almosentruhe in der Kirche von Möckern, wo dieses Geld eingeworfen wurde."

Großes Thema: Dürreschäden

Kirchen sind immer Orte, in denen sich Regionalgeschichte konzentriert. In Zeiten, in denen viel über Identität geredet wird, lohnt es sich, daran zu erinnern. Aber auch aus rein praktischen Erwägungen wird die Arbeit der Stiftung in absehbarer Zeit nicht erledigt sein: "Wenn wir vorne fertig sind, fangen wir hinten wieder an. Denken Sie an den Sommer 2018. Die große Dürre führte auch zu diversen Schäden in den Kirchen, an Holztafeln, an hölzernen Figuren, die bemalt sind, wo sehr alte Fassungen jetzt anfangen zu bröckeln." Die Dürreschäden sind im Moment eins der Themen, die Seyderhelm zufolge bei der Stiftungsarbeit sehr im Vordergrund stehen. Waren es also einst Geldmangel oder Holzwürmer, die den kirchlichen Kunstwerken zusetzten, so ist es nun zunehmend auch der Klimawandel.

Die Kirche Möckern von außen.
Blick auf die Kirche in Möckern Bildrechte: Landeskirchenamt der EKM / Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. März 2019 | 09:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2019, 10:31 Uhr

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