Rückblick | 2019 Das war die EKD-Synode in Würzburg

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will energischer gegen sexuellen Missbrauch vorgehen. Dazu beschloss die Synode in Würzburg auf ihrer viertägigen Tagung einen Elf-Punkte-Plan. Außerdem wird ein neuer Dialog mit der Politik im Streit um das verschärfte Asylrecht gefordert. Zudem sollen junge Erwachsene stärker in die Kirchenarbeit einbezogen werden.

Jahrestagung der EKD-Synode
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Die Synode macht der EKD hat beschlossen, das Thema sexuellen Missbrauch umfassend aufzuarbeiten. So rief man Missbrauchsopfer auf, ihre Fälle den zuständigen Stellen zu schildern. Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm bitte diejenigen, "die solche schlimmen Erfahrungen gemacht haben, sich bei uns zu melden, sodass wir handeln können.“ Insgesamt wurden bis heute 479 Missbrauchsfälle gemeldet, davon etwa zwei Drittel in kirchlichen Heimen.

Die EKD will eine unabhängige Meldestelle einrichten, an die sich Betroffene wenden können. Außerdem soll es einen Rat "zum Schutz vor sexualisierter Gewalt" geben. Des Weiteren sollen zwei Studien in Auftrag gegeben werden, die sowohl das wahre Ausmaß des Missbrauchs in der Vergangenheit ermitteln, als auch "systemisch bedingte Risikofaktoren in der evangelischen Kirche" untersuchen.

Neue Verhandlungen über verschärftes Asylrecht

In einem Beschluss forderte die Synode den Rat der Evangelischen Kirche dazu auf, mit der Politik über die Verschärfungen beim Kirchenasyl zu verhandeln. Es sollen mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Gespräche geführt werden, mit dem Ziel „zukünftig wieder im Sinne der ursprünglichen Absprache zu verfahren“. Die Innenministerkonferenz hatte mit Wirkung zum August eine Verschärfung für Kirchenasylfälle beschlossen.

Junge Menschen sollen mitgestalten

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm will junge Menschen stärker als bisher in den Kirchenalltag einbinden und sie mit Leitungsaufgaben betrauen:

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm Bildrechte: IMAGO

Junge Menschen sind die Kirche. Sie sind auch nicht nur die Zukunft der Kirche, sondern sie sind die Gegenwart der Kirche. Sie müssen mehr mit entscheiden können. Sie müssen mehr selbst entscheiden und gestalten können. Und deshalb ist die Beteiligung junger Menschen das Allerwichtigste.

Heinrich Bedford-Strohm

Auch müsse die Kirche neue Wege der Kommunikation finden. Ein Thema auf der Synode war deshalb die Digitalisierung. "Wie können wir als Kirche stärker präsent sein in der digitalen Welt. Viele junge Menschen, nicht nur junge Menschen, verbringen sehr viel Zeit, mehrere Stunden am Tag im Netz - in den digitalen Welten. Und ich möchte, dass wir als Kirche dort präsent sind", sagte Bedford-Strohm.