Bilanz Sächsische Landeskirche beklagt Mitgliederschwund

07. März 2023, 13:30 Uhr

Die sächsische Landeskirche hat im vergangenen Jahr Mitglieder im fünfstelligen Bereich verloren. Das geht aus den am Dienstag veröffentlichten Zahlen hervor. So gehörten der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Ende 2022 noch 610.503 Menschen an, am Ende des Vorjahres 2021 waren es 628.708 evangelische Christen. Die sinkenden Mitgliederzahlen gingen auf Austritte, aber auch mehr Verstorbene im Vergleich zu Neugetauften zurück, erklärte Landesbischof Tobias Bilz.

Landesbischof Bilz: Trend nicht kurzfristig zu stoppen

Zugleich betonte er, jeder einzelne Kirchenaustritt stimme ihn "traurig und nachdenklich". Oft sei der Austritt die Folge eines längeren Entfremdungsprozesses. Die Kirche stehe vor der Herausforderung, dass der Trend des Mitgliederschwundes nicht kurzfristig zu stoppen sei. Wiederum führte ein Mitgliederrückgang zur weiteren Ausdünnung kirchlicher Angebote, "was wiederum die weitere Entfremdung nach sich zieht", so Bilz.

Auf Potenziale besinnen: "Kirchen sind offen für alle!"

Er blicke dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft: "Es tut uns als Kirche gut, wenn wir weniger danach fragen, wie wir die Menschen an uns binden können, sondern wie wir sie stattdessen mit unseren Möglichkeiten zugewandt unterstützen können", erklärte Bilz weiter. Gerade angesichts von Krieg, Leid und großer Verunsicherung sei es wichtig, dass Kirche für Menschen da sei und offen für alle. Eine kleiner werdende Kirche dürfe sich nicht "von negativen Aussichten bestimmen lassen", sondern müsse sich auf ihre Potenziale besinnen.

Kritik an der "Trägheit des Systems" Kirche

Darüber hatte Bilz auch am Sonntag in einer Kanzelrede in der Leipziger Michaeliskirche sinniert und erklärt: Auch wenn die Kirche kein Monopol mehr in Bereichen wie Sozialarbeit und Bildung, Wertevermittlung oder Seelsorge habe, führe sie diese Arbeit fort. Stimmen, die einen Rückzug der Kirche ins Private forderten, schmerzten dennoch.

Bilz kritisierte in Leipzig zudem die Trägheit der Kirche: "Es ist schon so, als ob wir irgendwie immer einen Schritt hinterher sind, weil wir nicht aus dem 'Knick' kommen." Dies zeige sich bei der Digitalisierung, Strukturveränderungen oder bei der Entwicklung kirchlicher Berufe. "Wir brauchen einfach zu lange, durch die Trägheit des Systems."

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07. März 2023 | 13:04 Uhr