Ariowitsch-Haus in Leipzig
Das Ariowitsch-Haus ist seit 2009 ein jüdisches Kultur- und Begegnungszentrum. Bildrechte: dpa

Ausstellung im Ariowitsch-Haus in Leipzig Ephraim Carlebach – mehr als nur eine Biografie

Der Leipziger Rabbiner Ephraim Carlebach war ein Grenzgänger zwischen jüdischer und nicht-jüdischer Welt. Jetzt wird in Leipzig mit einer Ausstellung und einem Rap-Projekt von Schülern an ihn erinnert.

Ariowitsch-Haus in Leipzig
Das Ariowitsch-Haus ist seit 2009 ein jüdisches Kultur- und Begegnungszentrum. Bildrechte: dpa

Orthodoxes Judentum und Hip Hop, ein altehrwürdiger Leipziger Rabbiner und Rap-Musik? Passen diese Welten zusammen? Nein? Eine Ausstellung in Leipzig beweist das Gegenteil. Dort, im jüdischen Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus startet am 16. Juni die Schau "Ephraim Carlebach – mehr als nur eine Biografie".

Eine besondere Rolle in Leipzig

Ephraim Carlebach (1879 bis 1936) gehört zu den wichtigsten historischen Persönlichkeiten des jüdischen Lebens in Leipzig. Hier gründet der Rabbiner 1912 die Höhere Israelitische Schule, deren Direktor er bis 1935 ist. Die Schule gilt als erste private Schule in Sachsen. Träger der Schule ist der Israelitische Schulverein, den Carlebach dafür gegründet hatte und dem er ebenfalls vorsteht. Die Schule beschäftigt Lehrer aller Konfessionen und bietet zeitgleich sowohl religiösen als auch weltlichen Unterricht an. Die Schule erhält seinem Gründer zu Ehren noch im selben Jahr dessen Namen, nennt sich fortan Ephraim-Carlebach-Schule.

1924 übernimmt Carlebach außerdem das Rabbinat an der Ez-Chaim-Synagoge, die bei den Novemberpogromen 1938 zerstört werden sollte. Dieses Fanal muss Carlebach nicht mehr miterleben. Schon 1934 legt er auf Druck der Nationalsozialisten alle Ämter nieder und 1936 emigriert mit seiner Familie nach Palästina, wo er noch im gleichen Jahr stirbt. Zu seinem Gedenken gründete sich 1992 die "Ephraim Carlebach Stiftung Leipzig", die sich der Vergangenheit und Gegenwart jüdischen Lebens in Leipzig widmet.

Ein Rap für einen Rabbiner

Nun zeigt die Ausstellung im Ariowitsch-Haus, welche Bedeutung Ephraim Carlebach für Leipzig hatte - als Rabbiner und als Pädagoge. Gleichzeitig werden junge Menschen befragt, wie sie Carlebach heute sehen. In verschiedenen Projekten setzten sich die Jugendlichen mit Leben und Werk Ephraim Carlebachs auseinander. So auch im Workshop "Rap against Hate", bei dem sich Jugendliche Gedanken zu Rassismus, Ausgrenzung und Antisemitismus machten: Wie ist Carlebach mit der Ausgrenzung als Jude umgegangen? Wie gehen junge Menschen heute mit Ausgrenzung um? Wie ist das Gefühl, gemobbt zu werden? 25 Songs sind dabei entstanden - zu hören in der Ausstellung.

Ausstellungseröffnung "Ephraim Carlebach – mehr als nur eine Biografie" 16.06.-31.12.2019

Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus

Hinrichsenstr. 15
04105 Leipzig

Öffnungszeiten:
donnerstags, 09-17 Uhr
sonntags zu Veranstaltungen

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: MDR KULTUR im Radio | 16.06.2019 | 09:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2019, 10:17 Uhr